Erste Dunkelflaute im Herbst: Belastungstest für Erneuerbare Energien
Am Wochenende gab es deutschlandweit kaum Wind und Sonne: Dunkelflauten sind eine große Sorge beim Ausbau Erneuerbarer Energien, denn die Abhängigkeit vom Wetter wächst. NDR Data zeigt, wie groß das Problem ist - und welche Lösungen es gibt.
Am vergangenen Wochenende ist die Sonne deutschlandweit nicht durch die Wolken gekommen und selbst an den Küsten wehte kein Wind. Es herrschte Dunkelflaute. An solchen Tagen decken Windräder und Solaranlagen weniger als zehn Prozent des deutschen Strombedarfs. Das kam im letzten Jahr an acht Tagen vor. Das Fraunhofer ISE spricht erst von einer Dunkelflaute, wenn diese Marke an zwei Tagen in Folge unterschritten wird. Nach Fraunhofer-Definition gab es in den letzten 365 Tagen drei Dunkelflauten: Am Wochenende, im Februar sowie im Dezember 2024.
Meistens liefern die Erneuerbaren jedoch deutlich mehr Strom: Über den Tag gemittelt sind 30 bis 60 Prozent aus Wind und Sonne üblich. Das kommt etwa an der Hälfte aller Tage vor. Ausreißer nach oben kommen ebenfalls öfters vor: Bei solchen Leuchtbrisen stammt dann der meiste Strom aus Erneuerbaren.
Warum können Dunkelflauten ein Problem sein?
Dunkelflauten sind natürlicher Teil der Erneuerbaren: Sie machen deutlich, wie abhängig Wind- und Solarstrom vom Wetter sind. In manchen Wochen liefern Windräder und Solaranlagen reichlich Energie, um direkt darauf völlig einzubrechen. In solchen Phasen springen Kohle- und Gaskraftwerke kurzfristig ein, um die Stromversorgung zu sichern.
Dieses Auf und Ab hat zur Folge, dass das Stromsystem in Deutschland komplett umgebaut werden muss, damit wir bei einer Dunkelflaute nicht im Dunkeln sitzen. Denn ein Kohlekraftwerk kann nicht einfach nur durch Windräder und Solaranlagen ersetzt werden. Es braucht zusätzliche Backups: Speicher und Kraftwerke, die bei schlechtem Wetter einspringen. Und die treiben die Kosten nach oben.
Schon heute machen sich Dunkelflauten an der Strombörse bemerkbar: Unternehmen zahlen dann das Vielfache des regulären Preises, weil mehr Gaskraftwerke benötigt werden oder Strom importiert werden muss. Die Kilowattstunde kostet dann teilweise über einen Euro. Normal sind acht Cent.
Wie muss das Energiesystem ausgebaut werden, um Dunkelflauten aufzufangen?
Moderne Gaskraftwerke sind als Backup-Kraftwerke gut geeignet. Sie können schnell starten und stoppen und so flexibel auf das Auf und Ab der Erneuerbaren reagieren. Und sie können so gebaut werden, dass sie in Zukunft Wasserstoff verbrennen, der bei gutem Wetter aus Strom von Windrädern und Solaranlagen erzeugt werden kann. So entsteht ein eigenes Backup-System - das allerdings noch ganz am Anfang steht.