Handwerker installieren eine Solaranlage auf einem Dach

Solarausbau: Halb geschafft - und das Ziel dennoch verfehlt?

Stand: 10.07.2025 06:00 Uhr

Deutschland hat die Hälfte des Ausbauziels bis 2030 geschafft - das Jahresziel beim Solarausbau für 2024 wurde dabei sogar übertroffen. Und dennoch droht das Land am Ende zu scheitern. Woran liegt das?

von Alexander C. Mühlhausen, Eike Müller

Im Juni konnte fast ein Drittel des deutschen Stromverbrauchs mit Solaranlagen gedeckt werden - also nur mithilfe der Sonne, ohne schädliches CO2 in die Luft abzugeben. Das liegt an den vielen neuen Solaranlagen, die in den vergangenen Jahren gebaut wurden. Denn seit 2023 gelten die neuen gesetzlichen Ziele der ehemaligen Ampelregierung: Danach müssen bis Ende des Jahrzehnts Solaranlagen mit einer Leistung von 215 Gigawatt installiert sein. Die Hälfte des Ausbauziels wurde jetzt erreicht, wie eine NDR Datenauswertung zeigt.

Die Grafik zeigt, dass das Ausbauziel für Solar in den vergangenen beiden Jahren übertroffen wurde. Dennoch wird Deutschland das Ziel für 2030 womöglich nicht erreichen. Denn in den nächsten fünf Jahren müssen etwa doppelt so viele Anlagen gebaut werden, wie in den vergangenen fünf Jahren errichtet wurden. Das Ziel ist ehrgeizig, die Ziel-Kurve steigt in den kommenden Jahren stärker als in den vergangenen. Dass das Ausbauziel nicht völlig utopisch erscheint, liegt auch am Ausbau im vergangenen Jahrzehnt. Anfang der 2010er-Jahre gingen bereits viele Solaranlagen ans Netz.

2025: Solarausbau stagniert

Der Blick auf die Entwicklung seit Beginn des Jahrtausends zeigt: Obwohl das Ausbautempo gerade in den vergangenen beiden Jahren drastisch gestiegen ist, geht es nicht schnell genug. In diesem Jahr ist sogar eher ein Rückgang zu beobachten. Wenn so weitergebaut würde wie in der ersten Jahreshälfte 2025, würde das Ziel für 2030 weit verfehlt. Und 2030 ist lediglich ein Etappenziel. Zehn Jahre später - 2040 - soll es nochmals doppelt so viele Solaranlagen geben wie 2030.

Die Erfolgsmeldung Anfang Juli, als bekannt wurde, dass Deutschland die Hälfte des bis 2030 geforderten Solarausbaus erreicht hatte, muss daher relativiert werden. Obwohl Deutschland die Jahresziele 2023 und 2024 übertroffen hat, geht der Ausbau zu langsam und stagniert 2025 sogar im Vergleich zum Vorjahr.

Weniger Solaranlagen auf privaten Dächern

Ein möglicher Grund dafür ist, dass sich das Bauverhalten deutschlandweit verändert hat: Auf Eigenheimen werden deutlich weniger Solaranlagen gebaut als früher. So wurden beispielsweise im Landkreis Göttingen in diesem Frühjahr 42 Prozent weniger Solarleistung auf Hausdächern installiert als im Vorjahreszeitraum. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Möglicherweise ist das Bedürfnis nach "eigenem" Strom, das zu Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine mit der gleichzeitig einsetzenden Energiekrise groß war, mittlerweile gesunken. An den Preisen für Photovoltaik-Anlagen dürfte es wohl nicht liegen, denn größere Anlagen, etwa auf Supermärkten oder Wiesen, sind von diesem Trend nicht betroffen.

Dieser Rückgang bei kleineren Anlagen wirkt sich auch auf Solarunternehmen aus. 2025 bewerten fast 40 Prozent von ihnen die Geschäftslage als eher oder sogar sehr schlecht. Das sind fast doppelt so viele wie 2024, wie Umfragen des Branchenverbands Bundesverbands Solar zeigen.

Zahlreiche Windräder mit Rot-Weißen Rotorblättern stehen auf offener Fläche.

Die Windkraft hat Probleme und auch der Solarausbau schwächelt. Aktuelle Daten zeigen, wie es um die Energiewende steht.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 10.07.2025 | 08:00 Uhr

Frank Klingebiel (CDU) freut sich nach dem Wahlsieg zum Oberbürgermeister.

Die Stichwahlen in den 123 Kommunen blieben ohne wirkliche Überraschungen. Die Mehrheit zog vielerorts das Bekannte dem Neuen vor.

Ein Rollstuhl steht in einem Pflegeheim

Die SPD will bei den Plänen von Bundesgesundheitsminister Linnemann (CDU) nachverhandeln. Ministerpräsident Lies unterstützt das.

Mole bei Swinemünde mit dem Wahrzeichen der Stadt, dem Leuchtturm Mühlenbake

Polen bereitet die Genehmigung für das Projekt vor. In der Ostsee, sechs Kilometer vor Swinemünde, soll eine Insel aufgeschüttet werden.

Stau auf der Autobahn 1 in Schleswig-Holstein Richtung Hamburg.

Staus, Baustellen, Gefahren-Hinweise: Aktuelle Meldungen zum Verkehr für Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Ein Smartphone mit einem eingeblendeten NDR Screenshot (Montage)

Informieren Sie sich auf dem WhatsApp-Kanal von NDR Info über die wichtigsten Nachrichten und Dokus aus Norddeutschland.