Umwelthilfe: Niedersachsen wäre bei Jahrhundertflut extrem betroffen
Im Falle eines Jahrhundert-Hochwassers zählt Niedersachsen zu den vier Bundesländern mit dem höchsten Risikograd. Zu diesem Schluss kommt ein Ländervergleich der Deutschen Umwelthilfe (DUH).
Neben Niedersachsen stuft die DUH den "Hochwasser-Risikograd" auch in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern als "extrem" ein. Den "Hochwasser-Risikograd" errechnet die DUH aus der gefährdeten Fläche und den darin verzeichneten Wohnadressen.
Rund drei Prozent Niedersachsens sind Hochwasser-Risikogebiet
Das Problem liegt der Studie zufolge im Kern an der hohen Zahl von Wohnungen in besonders gefährdeten Gebieten. Der DUH-Umfrage zufolge sind in Niedersachsen 23.886 Wohnanschriften in diesen Bereichen gemeldet. In Niedersachsen gelten 2,96 Prozent der Landesfläche als Hochwasser-Risikogebiet.
Die gefährdetsten Landkreise in Niedersachsen laut Gesamtverband der Versicherer
- Landkreis Celle mit 2.972 Adressen
- Landkreis Wolfenbüttel 1.829 Adressen
- Landkreis Northeim 1.499 Adressen
- Landkreis Schaumburg 1.322 Adressen
- Landkreis Holzminden 790 Adressen
Umweltminister Meyer will Bauverbot in Risikogebieten
Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) kritisiert den Neubau in Risikogebieten. "Es wäre gut, wenn das Hochwasserschutzgesetz des Bundes endlich käme", sagte Meyer. Damit würden in den besonders gefährdeten Gebieten Bauverbote greifen. Das entsprechende Gesetz sei schon in der vergangenen Wahlperiode des Bundestags fertiggestellt, allerdings nicht mehr beschlossen worden
Technischer Hochwasserschutz nur in Ausnahmefällen
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert von den Bundesländern, vorrangig naturbasierte Hochwasserschutz-Maßnahmen zu fördern. "Flüsse und Bäche brauchen endlich mehr Raum, Wasser muss in intakten Wäldern, Wiesen und Feuchtgebieten zurückgehalten werden", sagte der Bundesgeschäftsführer der DUH, Sascha Müller-Kraenner. Die Renaturierung von Flüssen, die Rückverlegung von Deichen und die Wiederanbindung von Auen hätte auch einen positiven Einfluss auf das Klima und die biologische Vielfalt. Nur dort, wo dies nicht möglich sei, sollten technische Maßnahmen wie Deiche oder gesteuerte Polder eingerichtet werden. Derzeit würden noch viel zu häufig technische Schutzmaßnahmen gegenüber naturbasiertem Hochwasserschutz bevorzugt, so die DUH. "Das ist teuer und verschenkt das Potenzial, wichtige Nebeneffekte für Biodiversität, Gewässerschutz und Dürrevorsorge zu erzielen", sagte Sabrina Schulz vom Bereich Naturschutz der DUH.
DUH fordert mehr Daten für besseren Ländervergleich
Die Umweltorganisation mit Sitz in Hannover begrüßt unterdessen den Masterplan Wasser, der vom niedersächsischen Umweltministerium derzeit erarbeitet wird. Der Prozess verfolge einen guten Ansatz, da bisher der Austausch zwischen Hochwasserschutz, Wasserwirtschaft und Naturschutz sowie der Landwirtschaft zu kurz komme. Gemeinsam ließen sich mehr Synergien wecken - gerade was fehlende Flächen angehe. Die DUH befürwortet zudem, dass in diesem Jahr 22 Millionen Euro für die naturnahe Entwicklung von Oberflächengewässern zur Verfügung stehen. Positiv sei auch, dass das Land Vorhaben zur Verbesserung der Wasserverfügbarkeit und der Bodenfunktion fördere, so die DUH. So seien unter dem 2023 novellierten Landes-Klimagesetz alle Kommunen angehalten, Potenziale für die Entsiegelung von Flächen zu erfassen. Hier gehe Niedersachsen voran und setze Vorgaben aus dem Bundes-Klimaanpassungsgesetz proaktiv um, heißt es.
Umwelthilfe fordert besseren Datenaustausch
Die DUH wünscht sich zudem, dass das Land Niedersachsen mehr Daten zu den Hochwasserschutzmaßnahmen erhebt, um einen besseren Ländervergleich zu ermöglichen. So werden laut Umwelthilfe in Niedersachsen nur die Mittel für vorsorgenden Hochwasserschutz angegeben. Es fehle eine Aufschlüsselung, ob es sich dabei um wassersensible Maßnahmen, ökologischen Hochwasserschutz, technischen Hochwasserschutz oder Rückbau in Überschwemmungsgebieten handelt.