Rentner an der Ostsee
AUDIO: Die Rentenreformwoche endet mit der Aktuellen Stunde im Bundestag (3 Min)

Wenn die Rente nicht reicht: Die Zahlen für den Norden

Stand: 27.06.2026 06:00 Uhr

Für viele ältere Menschen reicht die gesetzliche Rente kaum zum Leben. Fast jede fünfte Person über 65 Jahren ist von Armut bedroht. NDR Data schafft einen Überblick zur Rente in Zahlen.

von Katharina Bews, Alexander C. Mühlhausen, Hanna Weckenmann

Die Rentenkommission hat der Bundesregierung am Dienstag Reformvorschläge vorgelegt, um das Rentensystem künftig stabiler zu machen.

Schon heute reicht vielen Menschen die Rente kaum zum Leben. Ein Mitglied der #NDRfragt-Community schreibt: "Meine Rente beträgt etwas über 1.000 Euro. Davon zu leben, mit meinem eigenen Haus: unmöglich". Oder: "Ich habe 48 Jahre ohne Unterbrechung eingezahlt und muss Flaschen sammeln", berichtet ein 63-Jähriger in der Umfrage.

Ein nachdenklicher älterer Mann vor einem Computer

Viele Befragte bewerten die Vorschläge zur Rentenreform kritisch und machen sich Sorgen um Armut im Rentenalter.

Tatsächlich sind in Deutschland besonders ältere Menschen gefährdet, zu verarmen. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent vom durchschnittlichen Nettoeinkommen bekommt.

Viele Ältere in Hamburg von Armut betroffen

In den norddeutschen Bundesländern ist fast jede fünfte Person über 65 Jahren laut Statistischem Bundesamt armutsgefährdet. In Hamburg trifft es sogar etwa jede vierte Person - so viele wie in keinem anderen Bundesland.

In Hamburg verschärft sich das Problem für ältere Menschen seit Jahren. Immer mehr Rentner kommen mit ihrer Rente nicht aus und bitten den Staat um Hilfe. Deshalb steigt in der Hansestadt die Zahl der Menschen, die Grundsicherung im Alter bekommen, seit Jahren stetig an.

Demografischer Wandel als Hauptproblem

Eines der wesentlichen Probleme ist die alternde Gesellschaft. Sinkende Geburtenraten treffen auf eine stetig wachsende Lebenserwartung - dadurch verschiebt sich die gesamte Altersstruktur. Das sorgt dafür, dass weniger Menschen in die Rentenkasse einzahlen, während die Zahl an Menschen steigt, die Rente beziehen.

Besonders in Mecklenburg-Vorpommern ist der Rentneranteil hoch. Ein Grund dafür ist, dass viele junge Menschen das Bundesland verlassen, etwa für die Arbeit oder eine Ausbildung. Auch in Niedersachsen und Schleswig-Holstein ist der Anteil der Rentner zuletzt leicht gestiegen. In Hamburg zeigt sich ein anderes Bild: Zwar wächst dort die Zahl der Rentner, zugleich ziehen aber mehr jüngere Menschen zu. Dadurch sinkt der Anteil der Rentner an der Gesamtbevölkerung leicht.

Zahl der Beitragszahler pro Rentner halbiert

Insgesamt hat sich das Verhältnis von Beitragszahlenden zu Rentnern durch den demografischen Wandel stark verändert. Im Jahr 1962 kamen auf jeden Rentner noch vier Menschen, die Beiträge eingezahlt haben. Heute sind es nur noch zwei. Die Zahl der Beitragszahler pro Rentner hat sich also halbiert.

Der demografische Wandel ist kein neues Problem

Was die Zahlen aber auch deutlich machen: Neu ist das Problem des demografischen Wandels nicht. Bereits Anfang der 2000er ist die Zahl der Beitragszahler pro Rentner nahezu auf zwei abgesunken.

Bis jetzt hat sich das Rentensystem jedoch positiver entwickelt, als befürchtet. Ruth Maria Schüler, leitende Ökonomin am Institut der deutschen Wirtschaft, nennt dem NDR dafür drei Gründe: Immer mehr Frauen arbeiten heute und zahlen in die Rentenversicherung ein. Weiterhin sind in der Vergangenheit mehr Arbeitskräfte aus dem Ausland nach Deutschland gekommen und tragen so zum Rentensystem bei. Außerdem: "Es geht schon ganz viel auch auf die Agenda 2010 zurück", sagt Schüler. Damit sind die Arbeitsmarktreformen in den frühen 2000er-Jahren gemeint. Durch die Reformen ist es gelungen, "viele Menschen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen zu bringen."

Rentenniveau ist seit den Achtzigern stark gesunken

Eine Stellschraube, an der Politiker und Fachleute weiter drehen wollen, ist das Rentenniveau. Das Rentenniveau zeigt, wie viel Rente Menschen im Vergleich zum durchschnittlichen Gehalt von allen Beschäftigten bekommen. Je niedriger dieses Niveau ist, desto weniger Prozent vom früheren Lohn bleibt als Rente übrig.

In den letzten Jahrzehnten ist das Rentenniveau stark gesunken. Während ein Rentner mit voller Beitragszeit Anfang der Achtzigerjahre noch fast 60 Prozent des Durchschnittslohns als Rente bekam, sind es heute nur noch 48 Prozent. Sinkt das Rentenniveau weiter, dann könnte es dazu führen, dass noch mehr ältere Menschen mit wenig Geld auskommen müssen.

Laut den Vorschlägen der Rentenkommission soll das Rentenniveau zwar bis 2031 auf 48 Prozent gehalten werden. Danach soll es jedoch schrittweise abgesenkt werden. Das bedeutet, dass die Renten im Verhältnis zu den Löhnen künftig langsamer steigen oder womöglich sinken werden.

Bundeskanzler Friedrich Merz, Constanze Janda , Frank-Juergen Weise und Ministerin Bärbel Bas (SPD) stellen ihre Renten-Empfehlungen vor.

Nach den Reformempfehlungen der Rentenkommission gibt es viele Befürchtungen. Sind sie gerechtfertigt?

Rita Mangliers

Der Kanzler will alle Vorschläge der Rentenkommission für eine Reform umsetzen. Die Hamburger Rentnerin Rita Mangliers befürchtet dann mehr Altersarmut.

Ein nachdenklicher älterer Mann vor einem Computer

Eine Säule der künftigen Rente soll demnach aus Aktien bestehen. Fragen und Antworten dazu aus unserer Wirtschaftsredaktion.

Eine ältere Frau in Kittel arbeitet an der Kasse in einer Apotheke.

Auch Silke Bürger aus Prisdorf im Kreis Pinneberg geht mit 80 Jahren noch ihrem Beruf nach, statt den Ruhestand zu genießen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | ARD Infonacht: Gut informiert durch die Nacht | 27.06.2026 | 00:15 Uhr

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