Wegen Trockenheit: Extrem niedrige Wasserstände an der Elbe
Die Wasserstände an der Elbe sind außergewöhnlich niedrig. Nach dem trockenen Frühjahr hat es auch im Juni kaum geregnet. In einigen Bereichen ist Schifffahrt nicht mehr möglich.
Die sogenannte "Strecke 9" zwischen Dömitz (Landkreis Ludwigslust-Parchim) und Hitzacker (Landkreis Lüchow-Dannenberg) ist besonders anfällig für Niedrigwasser, sagt Tilman Treber vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) in Lauenburg. Der Fluss ist in diesem Bereich sehr breit, die Fahrrinne aber derzeit gerade einmal 50 Zentimeter tief, das Wasser nur noch hüfthoch. Schifffahrt sei oberhalb der Einmüdung des Elbe-Lübeck-Kanals so gut wie gar nicht mehr möglich. Selbst Sportboote fahren sich regelmäßig fest und müssen von Sandbänken gezogen werden. Besserung sei laut den Prognosen in den kommenden Tagen nicht in Sicht.
Und die folgende Karte zeigt sehr deutlich, dass mit Ausnahme einiger Küstenbereiche nahezu der gesamte Norden betroffen ist: Punkte in hellem oder dunklem Blau markieren örtliche Pegel mit unterdurchschnittlichen Wasserständen.
Wasserstände im Extrembereich
Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) spricht von sehr niedrigen Wasserständen an der Elbe. Ein Beispiel: Am Pegel in Neu Darchau (Landkreis Lüchow-Dannenberg) lag der Wasserstand in dieser Woche teils nur noch bei 83 Zentimetern und damit im Extrembereich – einer der zehn niedrigsten gemessenen Wasserstände in Neu Darchau. Der mittlere Wasserstand liegt dort bei 2,42 Metern. Der historisch niedrigste Wasserstand wurde im September 2018 gemessen: 63 Zentimeter. Während die Lage an der Elbe also schon außergewöhnlich ist, gibt es an der Mittelweser laut WSA keine Einschränkungen im Schiffsverkehr. Der Wasserstand in der Weser könne durch Wehre und Schleusen geregelt werden und sei somit weniger anfällig für Niedrigwasser.
Zu wenig Regen im Frühjahr
Grund für die niedrigen Wasserstände an der Elbe ist die Trockenheit. "Wir hatten wirklich ein sehr trockenes Frühjahr", erklärt Tilman Treber vom WSA. Außerdem habe es kaum Schnee im Winter gegeben, sodass wenig Schmelzwasser in die Elbe und die Nebenflüsse geflossen ist. Es müsste nachhaltig regnen, sagt Treber, damit die Wasserstände steigen. Ein paar kleine Schauer würden nicht ausreichen.
Zufahrt zum Hafen kann nicht garantiert werden
Im Sportboothafen in Hitzacker liegen einige Schiffe mit nur noch einer Handbreit Wasser unter dem Kiel. Hafenmeister Rainer Beller rät Bootsbesitzern, im Moment nicht in den Hafen zu fahren: "Wir können nicht garantieren, dass Boote bei dem niedrigen Wasserstand in den Hafen rein und auch wieder rausfahren können." Ohnehin sei auf der Elbe derzeit kaum Schiffbetrieb – zu groß die Gefahr, sich in Sandbänken mitten im Fluss festzufahren.
Elbfähren stellen den Betrieb ein
Die Elbfähre in Hitzacker hat bereits in der vergangenen Woche wegen Niedrigwasser den Betrieb eingestellt. Auch die Fähre "Tanja" in Neu Darchau fährt wegen Niedrigwasser derzeit nicht. Zwischen Bleckede und Neu Bleckede ist die Elbfähre zwar noch unterwegs, der Betreiber weist aber darauf hin, dass wegen der aktuellen Wasserstände keine schwere Technik mehr über den Fluss transportiert werden könne.
Fischer: Nebenflüsse trocknen aus
Die Elbfischer blicken mit Sorge auf die Nebenflüsse der Elbe. "Die kleineren Gewässer trocknen langsam aus", sagt Eckhard Panz, Fischer in Hohnstorf (Landkreis Lüneburg). Das beobachtet auch Fischer Christian Köthke in Gorleben (Landkreis Lüchow-Dannenberg). Er macht sich außerdem Gedanken um die Sauerstoffwerte in der Elbe. Die seien besonders im Hamburger Hafen bedenklich gesunken. Ein Problem für die Wanderfische, die aus der Nordsee elbaufwärts schwimmen und dort auf Sauerstofflöcher stoßen. Für den niedersächsischen Teil der unteren Mittelelbe gibt der NLWKN allerdings Entwarnung: Hier gebe es derzeit keine generelle Gefährdung von Fischen. Der NLWKN misst regelmäßig Daten zur Gewässergüte und beobachtet die Situation weiter.