LNG: Wie viel Flüssigerdgas kommt aktuell in Deutschland an?
Wie viel Flüssigerdgas speisen die LNG-Terminals im Norden ein? Welchen Anteil hat LNG an den gesamten Gas-Importen Deutschlands? Alle wichtigen Daten im Überblick in unserer Live-Übersicht.
1. Wie viel LNG wird in Norddeutschland eingespeist?
2. Wo in Norddeutschland befinden sich die LNG-Terminals?
3. Warum steht LNG in der Kritik?
4. Wie entsteht der Preis für LNG?
Wie viel LNG wird in Norddeutschland eingespeist?
Über schwimmende Terminals erhält Deutschland seit Ende 2022 Flüssigerdgas (LNG, steht für "Liquefied Natural Gas"). Dies soll teilweise das fehlende Erdgas aus Russland ersetzen, das bis Mitte 2022 etwa zwei Drittel der deutschen Gasversorgung ausmachte.
Etwa zehn Prozent des Gas-Imports ist Flüssigerdgas
Der LNG-Anteil am gesamten Erdgas-Import nach Deutschland hat seit einem Jahr deutlich zugenommen. Er bleibt aber dennoch recht gering: Durchschnittlich etwa zehn Prozent des nach Deutschland importierten Erdgases kamen im vergangenen Jahr als LNG per Tanker an - zum Großteil aus den USA. In diesem Jahr liegt der Anteil von Flüssigerdgas meist etwas höher, in der Kalenderwoche 20 (ab 11.05.2026) bei etwas mehr als 13 Prozent.
Insgesamt stammt sogar noch mehr Gas ursprünglich aus LNG, weil auch Länder wie die Niederlande und Belgien Flüssigerdgas beziehen, das dann in regasifizierter Form per Pipeline nach Deutschland gelangt.
Wo in Norddeutschland befinden sich die LNG-Terminals?
Derzeit wird LNG an fünf schwimmenden Terminals in Norddeutschland eingespeist: Zwei dieser Schiffe liegen im niedersächsischen Wilhelmshaven, eins im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel sowie zwei in Mukran auf Rügen in Mecklenburg-Vorpommern. Im niedersächsischen Stade an der Elbmündung gab es große Verzögerungen bei einer weiteren schwimmenden Anlage. Sie soll aber laut Bundeswirtschaftsministerium im Mai oder Juni 2026 in Betrieb gehen.
In in den nächsten Jahren sollen die schwimmenden Anlagen in Wilhelmshaven, Stade und Brunsbüttel durch feste Terminals abgelöst werden, die derzeit gebaut werden. Die Inbetriebnahme in Stade und Brünsbüttel ist nach Auskunft des Bundeswirtschaftsministeriums für 2028 geplant. Dann könnte Anteil von LNG noch etwas steigen, wenn die Netzkapazität dies zulasse, sagt eine Sprecherin des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.
Warum steht LNG in der Kritik?
Zur Dimensionierung der LNG-Terminals gibt es unterschiedliche Einschätzungen: "Die LNG-Terminals wurden im letzten Winter gebraucht", sagte eine Sprecherin des Budeswirtschaftsministeriums gegenüber dem NDR. Sie seien eine gute Ergänzung zu den Gas-Lieferungen per Pipeline.
"Das ist völlig überdimensioniert", sagt hingegen Energieexpertin Claudia Kemfert vom DIW in der NDR Story. "Das ist wirklich ein Gas-Rausch, den wir so nicht gebraucht hätten", meint die Professorin an der Leuphana Universität Lüneburg. Und eine Studie des New Climate Institute kommt zu dem Schluss, dass der geplante Ausbau deutscher Importkapazitäten für verflüssigtes Erdgas zu groß geraten sei. Das Erreichen der Klimaziele könnte dadurch gefährdet werden, schreiben die Fachleute.
Protest gegen LNG-Anlagen auf Rügen
Auch bei Anwohnern, Umweltschützern und Lokalpolitikern regt sich Protest - insbesondere auf Rügen: Sie fühlen sich vom Lärm der LNG-Terminals gestört und befürchten einen Schaden für die Natur und für den Standort Rügen als Urlaubsinsel. Denn wegen des LNG-Beschleunigungsgesetzes gab es zum Beispiel vor Rügen keine Umweltverträglichkeitsprüfung.
Und Umweltverbände kritisieren außerdem ganz grundsätzlich die Fokussierung auf fossile Energieträger und die aus ihrer Sicht unverhältnismäßig lange Laufzeitgenehmigung bis 2043. Sie fürchten, dass dadurch die fossile Energieversorgung "zementiert" wird. Das Bundeswirtschaftsministerium beteuert, dass die LNG-Infrastruktur in Zukunft auch für "grünen Wasserstoff" genutzt werden kann, was Kritiker aber bezweifeln.
Umweltgefahren bei der LNG-Gewinnung durch Fracking
Ein weiterer Kritikpunkt ist die Gewinnung von LNG. So fördern die USA Erdgas zum Beispiel vor allem mithilfe der umstrittenen Fracking-Methode. Dafür wird dichtes Gestein aufgebrochen: Mittels Bohrungen wird mit hohem hydraulischen Druck eine Flüssigkeit in das Gestein gepresst. Dadurch sollen Risse erzeugt oder bestehende Risse geweitet werden, um Gas freizusetzen. Dieser Vorgang birgt Risiken für die Umwelt - daher steht das Fracking-Verfahren in der Kritik.
Zudem besteht LNG fast komplett aus Methan, das auf dem Produktions- und Lieferweg entweichen könnte. Methan ist ungefähr 25-mal so klimaschädlich wie Kohlenstoffdioxid und trägt stark zum Treibhauseffekt bei.
Wie entsteht der Preis für LNG?
LNG wird nicht gesondert mit einem eigenen Preis an der Börse gehandelt, sondern wird wie "normales" Erdgas behandelt, sobald es eingespeist wurde. Jedoch bestimmen die höheren Beschaffungspreise für LNG den Gashandel, sagt Energie-Experte Jochen Linßen.
Somit kann das Flüssigerdgas auch den Preis für das an der Börse gehandelte Pipeline-Gas in die Höhe treiben, so der Wissenschaftler am Forschungszentrum Jülich und Professor für Gas- und Wasserstoffinfrastrukturen. Bei kurz- und langfristigen Lieferverträgen, zum Beispiel mit Ländern wie Katar oder den USA, gelten wiederum andere Preise, die vom Börsenpreis deutlich abweichen können.