Harz: Satellitenbilder zeigen starke Waldschäden
Trockenheit, Hitze und Borkenkäfer haben die Bäume im Harz in den vergangenen Jahren massiv geschädigt. Satellitendaten machen deutlich, welche Gegenden besonders betroffen sind – und wo es Hoffnung gibt.
Ein Blick aus dem All zeigt, was am Boden kaum zu übersehen ist: Große Teile des Harzes haben in den vergangenen Jahren ihr Gesicht verloren. Wo früher dichte Fichtenwälder standen, ziehen sich heute braune Schneisen durch die Landschaft.
Eine Auswertung von Satellitendaten des NDR Datenteams zeigt, wie deutlich sich der Zustand des Harzes im Vergleich zu anderen Wäldern verschlechtert hat. In der Mittelgebirgsregion starben besonders viele Bäume zwischen 2018 und 2022.
Von grün zu braun: Der Harz 2017 und 2022
Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer haben den Bäumen geschadet
Ausgangspunkt dieser Entwicklung waren mehrere Stürme, die Ende 2017 und Anfang 2018 über Deutschland fegten und ganze Waldflächen umrissen. In den Jahren danach verschärften ungewöhnlich trockene und heiße Sommer die Lage zusätzlich: "Wir hatten noch nie diese Häufung an Trockenjahren hintereinander, seit wir die Aufzeichnungen machen", sagt Nicole Wellbrock vom Thünen-Institut für Waldökosysteme. Die Wissenschaftlerin beschäftigt sich vor allem mit dem Zustand der deutschen Wälder.
Beim Harz kommt hinzu, dass dort bislang Fichte in Monokultur wächst. Die Böden im Harz seien besonders flach und steinig, weswegen sie wenig Wasser speichern können, so Wellbrock. Die Trockenheit setzte den Fichten mit ihren flachen Wurzeln damals besonders zu. So wurden sie zum leichten Opfer für Borkenkäfer, die sich bereits auf dem Totholz aus den Stürmen vermehren konnten.
Trockenstress: Fichten verlieren ihren Schutz gegen Borkenkäfer
Normalerweise können sich Fichten gut gegen Borkenkäfer verteidigen: Wenn sich die Insekten in die Rinde bohren, sondern die Bäume Harz ab und werden so zur Klebefalle. Die Käfer sterben in der Rinde und können sich kaum vermehren. Unter Trockenstress funktioniert dieser Mechanismus jedoch kaum noch. Die Fichten sind geschwächt und damit den Borkenkäfern ausgeliefert. Die Käfer breiten sich massenhaft aus und sorgen so für ein einzigartiges Baumsterben.
Im Nordosten des Nationalparks ist der Wald besonders stark geschädigt
Besonders starke Schäden gab es im Nationalpark Harz, der sich über die Grenze von Niedersachen und Sachsen-Anhalt erstreckt. Dort enthalten die Böden wenig Nährstoffe und speichern besonders wenig Wasser. Höhere Lagen des Parks überlässt die Parkverwaltung sich selbst. Unter Totholz wachsen neue Sträucher und Bäume, ein Naturwald entsteht. Es sei auch eine Art Testfeld, um herauszufinden, welche Baumarten wiederkommen und wo Eingriffe nötig sind: "Vor 20 Jahren ist im Bayerischen Wald etwas Ähnliches passiert. Dort kam der Wald wieder, ohne dass man etwas gemacht hat", sagt Forstwissenschaftlerin Nicole Wellbrock. Allerdings wuchsen dort erneut die besonders anfälligen Fichten. Doch wenn sie wild nachwachsen, sind Fichten laut Nationalparkverwaltung deutlich robuster als großflächige Baumplantagen.
Mischwälder sind weniger anfällig für Schäden
In Wirtschaftswäldern sei es deutlich sinnvoller, das Risiko zu streuen, indem man eine Mischung aus Laub- und Nadelbäumen anbaut, so Wellbrock. Genau das macht der Nationalpark auch in tieferen Lagen. Dort werden vor allem Laubbäume, Büsche und Kräuter gepflanzt, insbesondere die ursprünglich heimische Buche.
Die Satellitenbilder zeigen, wie stark große Teile des Harzes geschädigt wurden. Gleichzeitig gibt es erste Anzeichen der Erholung. Das liegt unter anderem daran, dass 2024 deutlich mehr Regen fiel als in den Vorjahren. Nördlich von Braunlage, zwischen Königskrug und Torfhaus, wächst wieder Wald. Es handelt sich hier aber eher um hohe Ebenen, während entlang der Gebirgszüge und am Nordrand des Harzes weiterhin großflächige Schäden sichtbar sind.
Anzeichen von Erholung: Wald nahe Braunlage 2022 und 2025
Ziel: Ein klimastabiler Wald
Der Blick in die Zukunft des Harzes bleibt nüchtern: "Wir wissen, dass der Klimawandel weitergehen wird. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass wir wieder Trockenjahre bekommen und dass wir wieder ähnliche Erscheinungen haben", so Forstwissenschaftlerin Wellbrock. Man müsse jetzt vorsorgen, um einen klimastabilen Wald zu schaffen. Außerhalb von Biosphärenreservaten werde man aktiv Wald anpflanzen mit Baumarten, die besser mit Klimawandel und Trockenheit zurechtkommen, etwa Tanne, Eiche oder Hainbuche. "Dann hat man eine gute Chance, dass man den Wald dort behält."