"Red Storm Charlie": 1.700 Kräfte bei Militär-Übung in Hamburg
Begleitet von Demonstrationen ist die dreitägige Militär-Übung "Red Storm Charlie" in Hamburg am Samstag zu Ende gegangen. Unter anderem nahmen Bundeswehrsoldaten und Einsatzkräfte der Polizei an der zivil-militärischen Übung teil.
Hubschrauber über der Stadt, eine Kolonne aus rund 70 Militärfahrzeugen mitten in der Nacht, eine Drohne mit Sprengstoff über dem Hafen: Drei Tage lang haben Bundeswehr, zivile Behörden, Hilfsorganisationen und Unternehmen im Hafen und in anderen Teilen von Hamburg den Ernstfall geprobt. Rund 1.700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter etwa 500 Soldatinnen und Soldaten, hatten verschiedene Aufgaben zu bewältigen.
Neben der Bundeswehr beteiligten sich Blaulichtorganisationen wie Polizei, Feuerwehr und Technisches Hilfswerk an der Übung - aber auch Landesbehörden, das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und Unternehmen wie Airbus, der Hafenlogistiker HHLA, die Hafenverwaltung HPA und Lebensmittel-Handelsketten.
Kommandeur: "Blick auf Bundeswehr verändert sich"
Kommandeur Kurt Leonards zog am Abend eine positive Bilanz. Man sei bei der Zusammenarbeit von Militär und zivilen Kräften einen Riesenschritt vorangekommen. Die Zahl der zivilen Partner war im Vergleich zur Übung im Vorjahr von zwölf auf 60 gestiegen. Leonards hat beobachtet, wie sich der Blick der Hamburger auf die Bundeswehr verändert: "Wir bekommen sehr viele freundliche Gesten an der Kreuzung. Soldatinnen und Soldaten werden zu Kaffee eingeladen. Das haben wir alles so in der Vergangenheit nicht erlebt", so Leonards.
Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) sagte, die Militär-Übung sollte keine Angst verbreiten. Es sei darum gegangen, sich gemeinsam auf eine veränderte Lage vorzubereiten.
Kritiker: Stadt nicht militarisieren
Im Mittelpunkt der gemeinsamen Übung standen Kommunikation, Koordination und das gemeinsame Handeln in komplexen Lagen - und immer wieder die Frage: Wer ist zuständig und wer muss wen anrufen? Am Samstag stand die Versorgung von Verletzten im Zentrum. In einer Tiefgarage entstand eine Behelfsnotaufnahme. Am Hamburger Flughafen flogen Hubschrauber Verletzte ein, die Schwerverletzten kamen danach ins UKE.
Kritikerinnen und Kritiker warfen der Bundeswehr vor, mit der Übung die Stadt zu militarisieren - die dreitägige Übung wurde von diversen Protesten begleitet. Unter dem Motto "Nein zu Red Storm Charlie - Ja zu sozialem Fortschritt" zogen am Samstag Demonstrierende durch die Hamburger Innenstadt. Zu dem Protest aufgerufen hatte das Bündnis "Kein Nato Hafen". An den Landungsbrücken fand zudem die Demo von "Rheinmetall entwaffnen" statt. Insgesamt haben laut Polizei am Sonnabend bis zu 5.000 Menschen gegen "Red Storm Charlie" protestiert.
Übung von diversen Protesten begleitet
Bereits am Freitag wurden ein Chemieunfall und eine Sabotage an einem Zug geprobt. Auch hier kam es wieder zu Protesten: Unter anderem demonstrierten rund 1.900 Schülerinnen und Schüler gegen die Wehrpflicht, das Aktionsbündnis "Ende Gelände" blockierte zudem Gleise im Hafen.
Bereits am Donnerstag mussten Bundeswehr und Polizei zwei feindliche Drohnen vom Himmel holen, entschärfen und den Drohnenpiloten auf dem Terminalgelände O'Swaldkai des Hafenlogistikers HHLA festsetzen. In der Nacht rollte zudem ein Konvoi mit bis zu 70 Militärfahrzeugen durch die Stadt. Ein Polizei-Hubschrauber begleitete den Konvoi. Am Rande der Übung kam es zu diversen Protesten: An den Elbbrücken versuchten mehrere kleine Gruppen, den Militärkonvoi zu stoppen. Die Polizei war vor Ort und verhinderte die Blockaden.
Resiliente IT-Netze
Neu im Kreis der Partner war die Schwarz-Gruppe, zu der auch die Discounter Lidl und Kaufland gehören. Der Konzern hat inzwischen einen eigenen Verteidigungsbereich und hilft Polizei und Bundeswehr mit ihren schon bestehende IT-Netzen. "Was wir anbieten, sind gerade für Sicherheitsbehörden und Streitkräfte gesicherte IT-Netze, resiliente IT-Netze, auch in der Kaskade bis hin zum Einsatzfahrzeug, bis hin zur handelnden Einsatzperson", sagte Harald Mannheim, der bei der Schwarz-Gruppe diesen Bereich leitet. "Um auch hier in der Resilienz und Souveränität, also der Handlungsfreiheit, auch in der Krise unabhängig von anderen Akteuren entscheiden und handeln zu können."
"Red Storm Delta" bereits im Gespräch
Es war das dritte Mal, dass die Bundeswehr, Blaulichtorganisationen und Unternehmen gemeinsam im Hamburger Hafen und anderen Teilen von Hamburg eine Militär-Übung abhielten. Bereits 2024 gab es die Übung "Red Storm Alpha" und ein Jahr später die Übung "Red Storm Bravo". Die nächste Übung, "Red Storm Delta", ist nach Angaben eines Sprechers bereits im Gespräch. Die Bundeswehr hofft allerdings, dass es beim Üben bleibt. Am liebsten noch bis "Red Storm Zulu", so der Sprecher - dem letzten Buchstaben im Alphabet.
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