Weltenbummler Akkordeon: Das Instrument des Jahres 2026
Lange hatte das Akkordeon gegen ein schlechtes Image zu kämpfen. Dabei ist es ein echtes Klang-Chamäleon. Vom Tango bis zur Musette prägt es weltweit Musiktraditionen. Nun ist es das Instrument des Jahres 2026.
Die Lobeshymnen überschlagen sich, weil es so wandlungsfähig, so vielseitig, so international ist und Shanty ebenso wie Tango und klassische Musik kann. Das Akkordeon ist in Dorfkneipen, Straßenfesten, großen Konzertsälen und in Clubs zuhause, im Solo und im Duo, im Ensemble ebenso wie im großen Orchester.
Kein Wunder, dass das Akkordeon zum Instrument des Jahres 2026 gekürt wurde. Ein Jahr lang feiert das ganze Land nun das Instrument. Wir machen mit dem Akkordeon eine kleine Reise durch die Welt - von Frankreich bis nach Mali.
Erfunden hat es ein Österreicher
Im Jahr 1829 hat der österreichische Instrumentenbauer Cyrill Demian ein erstes Modell patentieren lassen und es dauerte nicht lang, da etablierte sich dieses Multitaskingwunder in Musikkulturen rund um den Globus. Mit jeder Bewegung seines Balgs atmet es Musik. Mal entfaltet es die Klangfülle eines ganzen Orchesters, mal berührt es mit der feinen Melodie eines alten Chansons.
Mit der New Yorker Klezmerband The Klezmatics erzählt das Akkordeon seit fast 40 Jahren immer neue Geschichten.
Nicht nur ein Kofferinstrument für Volkmusik
Was darf’s denn sein? Ein Café au Lait oder vielleicht doch lieber ein Pastis? Das Akkordeon ist mit der französischen Bal-Musette-Musik so untrennbar verbunden, wie der Eiffelturm mit Paris.
Lange hatte das Akkordeon mit einem schlechten Ruf zu kämpfen. Vor allem in Deutschland verband man das leicht zu transportierende Kofferinstrument mit volkstümelndem Hüttenzauber und biederen Bergwelten.
Zwar pflegt der Südtiroler Akkordeonist Herbert Pixner seine Volkslieder. Seinen guten Ruf hat der 50-Jährige jedoch vor allem als kerniger Erneuerer traditioneller Alpenmusik bekommen. Seine Band verbindet Tiroler Traditionen mit Blues, Rock oder komplett neuem Liedgut. Ebenso wie sein Wiener Kollege Otto Lechner.
Gern gesehener Gast in den großen Konzerthäusern
Der 61-jährige Otto Lechner gehört zu den vielen Musiker:innen, die das Akkordeon stilistisch emanzipiert haben. Heute ist dieses lang unterschätzte Instrument in der Elbphilharmonie genauso zuhause wie im Club um die Ecke oder auf einer italienischen Piazza.
Riccardo Tesi ist nicht nur in seiner Heimat Italien eine Akkordeon-Legende. Seit mehr als 30 Jahren erforscht der 69-Jährige aus der Toskana die Wurzeln und Möglichkeiten der Akkordeon-Musik. Tesi spielt ein Organetto, das statt einer Klaviatur auf der rechten Seite Knöpfe hat. Und weil das Akkordeon in einen Koffer passt, hat es mit europäischen Auswanderern in Amerika eine neue Heimat gefunden.
Fester Bestandteil der Cajunmusik
Clifton Chenier (1925-1987) zählt zu den Pionieren der Zydeco Musik aus Louisiana. Zydeco ist eine tanzbare Melange aus Blues, karibischen Rhythmen und Chanson und gehört zur sogenannten Cajun-Musik. Seit knapp 200 Jahren zieht das Akkordeon nun schon um die Welt.
Im Jahr 1829 hat der österreichische Instrumentenbauer Cyrill Demian ein erstes Modell patentieren lassen und es dauerte nicht lang, da etablierte sich dieses Multitaskingwunder in Musikkulturen rund um den Globus. Mit der New Yorker Klezmerband The Klezmatics erzählt das Akkordeon seit fast 40 Jahren immer neue Geschichten.
Viele verwandte Instrumente
Das Instrument mit den Stimmzungen ist ein Weltenbürger und hat viele Verwandte, wie etwa das Bandoneon im argentinischen Tango oder seinen Ur-Ahn, die Mundharmonika. Auch osteuropäische Tänze und Lieder kommen ohne das tragbare Orchester nicht aus, und in Finnland haben Stian Carstensen und Kimmo Pohjonen die Flamme der Tradition weitergetragen.
Das Akkordeon kann singen, seufzen, atmen und tanzen
Inzwischen hat das Akkordeon auch in der Hochkultur einen festen Platz, im Jazz sowieso. In diesem Instrument stecken viele Register und je nach Spieltechnik können sie ganz unterschiedlich klingen. Liebhaber und Virtuosen gibt es auf der ganzen Welt, natürlich auch bei uns im Norden, wie den Kieler Karsten Schnack, der jede mit dem Akkordeon Orchester probt.
Das Akkordeon kann atmen, seufzen, singen und tanzen. Es kann solo, aber liebt auch das Teamplay. Es verbindet Musiker:innen und Kulturen über Kontinente hinweg, wie mit Vincent Peirani und Ballaké Sissoko Frankreich und Mali. Das sollten wir feiern.