Ein Akkordeon im Jazz - geht das überhaupt?
Das Akkordeon ist das Instrument des Jahres 2026. In Österreich 1829 patentiert, reiste es mit französischen Auswanderern nach New Orleans, blühte aber vor allem in Europa richtig auf. Porträt eines unterschätzten Jazz-Instruments.
Richard Galliano nimmt die Hörer mit seinem Akkordeon-Spiel auf eine Reise mit. Er nutzt das Atemgeräusch, das das Akkordeon mit seinem sogenannten Balg erzeugt, und das Klappern der Klappen. Er spielt aber auch wunderbar swingende, poetische Melodien. Der Franzose zählt zu den Pionieren auf diesem Instrument. Sein Heimatland gilt als eine der Hochburgen der Akkordeon-Jazzmusik. Bei Jazzlegende Django Reinhardt spielt es in den Anfängen seiner Band eine wichtige Rolle.
Gegenwärtig führt der 45-jährige Virtuose Vincent Peirani in Frankreich diese Tradition quicklebendig weiter - mit atemberaubenden Grooves und Klang-Experimenten. "Es ist ein Blasinstrument und atmet. Es ist also irgendwie lebendig", sagt der Musiker. Es ist - Instrumenten-technisch gesprochen - ein Blasinstrument, bei dem der Luftstrom mittels Durchschlagzungen unterbrochen wird. Rechts die Tastatur, auf der Melodien gespielt werden können, wie auf einem Mini-Klavier und links liegen die Knöpfe für Akkorde. All dies macht das Akkordeon zu einem autarken Klangerzeuger, der ziemlich gut swingen kann.
Ein Instrument als kulturelle Brücke
Das Akkordeon ist eine kulturelle Brücke, zum Beispiel in New Orleans. Dorthin kam das Instrument durch die koloniale Vergangenheit Frankreichs und hat sich in den Stil des Zydeco weiterentwickelt. An den Orten, wo es starke Volksmusik-Traditionen gab, bereicherte das Akkordeon Jazzbands zum Beispiel in Osteuropa. Einer der prägenden amerikanischen Akkordeonisten ist Guy Klucevsek. Er ist Sohn slowenischer Einwanderer. Er führte vielfältige Traditionen der Polka, der Country und Balkanmusik in Richtung Avantgarde weiter.
Auch in Italien nimmt das Akkordeon im Jazz eine große Rolle ein. Wie bei Simone Zanchini. Er ließ sein MIDI-Akkordeon nach seinen Wünschen umbauen und experimentierte mit klanglichen Möglichkeiten und mit einfallsreichen Kompositionen. Tatsächlich hat das Akkordeon ursprünglich nämlich eine Schwäche, denn die Knöpfe erzeugen Dreiklänge. Im Jazz hingegen werden aber ganz gern andere Varianten von Akkorden benutzt. Hier gilt es also, wie bei jedem Instrument, Grenzen zu überwinden.