Sparen, Bangen, Hoffen: So kämpfen Festivals im Norden um ihr Publikum
Wie zuversichtlich schauen die Festival-Veranstalter im Norden in die Konzertsaison 2026 angesichts knapper Finanzen und zurückhaltendem Publikum an den Konzertkassen? Ein Überblick.
Optimismus beginnt in Norddeutschland immer mit dem Blick auf das Wetter. Wie bei einem Musikfestival, das rekordverdächtig 90 verschiedene Orte bespielt: Dorfkirchen, Herrenhäuser, Jagdschlösser, Konzertscheunen, Pferdeställe und auf dem Land, in der Stadt, an der Küste und auf den Inseln.
Toni Berndt, Verwaltungsdirektor bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, guckt auf die Buchungen und stellt einen Trend fest: "Wir merken schon seit längerer Zeit gerade bei den Open-Air-Konzerten, dass da die Leute schauen,wie das Wetter wird. Das ist bei den Sommerkonzerten immer so ein neuralgischer Punkt. Das mit dem Vorverkauf ist nicht mehr so wie früher, wo man drei Monate vorher keine Karten mehr bekommen hat. Es sind also immer noch Karten für die Veranstaltungen da. Man gönnt sich in der Kulturszene den Luxus, abzuwarten und auf die Wetterprognose zu schauen." Spontaneität als Luxus, und aus der Not geboren, in Zeiten steigender Inflation.
Festspiele MV hoffen auf "Wir-Gefühl"
Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern hoffen auf insgesamt 75.000 Besucher und Besucherinnen, bei einem Etat von rund 5,6 Millionen Euro, den sie zu 53 Prozent durch Kartenverkäufe stemmen. Der Anteil staatlicher Förderung ist gering - Sponsoren und Stifter gleichen aus, wobei der private Förderverein allein 2.000 Mitglieder hat.
Auf dieses Wir-Gefühl hofft Toni Berndt, der selbst in Mecklenburg-Vorpommern lebt, auch bei den Landtagswahlen im September. "Natürlich drücken wir die Daumen, dass wir ein demokratisches Bundesland bleiben. Alle haben ein Interesse daran, dass es uns weiterhin geben wird", sagt der Verwaltungsdirektor. "Wir hatten schon das Gefühl, dass wir nicht verloren sind, wenn es anders kommt als erhofft, und dass wir weiterhin die Finanzierung über Private, über die Wirtschaft, über unsere Mitglieder, Stifter und Mäzene sicherstellen können. So dass wir uns ein Stück weit unabhängig machen können von der Politik, was natürlich ein großer Vorteil ist.
Ältestes Kammermusikfestival Deutschlands hofft auf gutes Jahr
Deutlich höher ist der Etat des Schleswig-Holstein Musik Festivals, nämlich rund 14 Millionen Euro. Gut acht Prozent werden vom Land selbst gefördert. Einen hohen Anteil der Mittel erwirtschaftet man durch den Ticketverkauf. Der Rest kommt von Privatfirmen und Sponsoren - hauptsächlich örtliche Banken, Sparkassen und Lottogesellschaften sowie eine Supermarktkette.
Mit erheblich weniger staatlicher Förderung muss man bei den Sommerlichen Musiktagen Hitzacker auskommen. "Ich muss dazu sagen, dass wir noch nie eine institutionelle Förderung erfahren durften", erklärt Intendant Oliver Wille. "Obwohl die Sommerlichen Musiktage das älteste Kammermusikfestival Deutschlands ist. Gut 400.000 Euro beträgt der Etat, ein Drittel davon erwirtschaftet man an der Kasse. Der Hauptanteil kommt von lokalen Privatstiftungen, ohne die, sagt Intendant Oliver Wille, er das Festival in der Form nicht durchführen könnte.
Neben finanziellen Sorgen auch Gedanken um politische Entwicklung
Man kann zwar im Land Niedersachsen eine Drei-Jahres-Förderung beantragen, die sei den Musiktagen aber noch nie gewährt worden. Nur jeweils eine einjährige, so Wille: "Im vergangenen Jahr war es dramatisch weniger, in diesem Jahr ist es etwas mehr. Im Vergleich zu vor drei Jahren ist es fast die Hälfte von den Förderungen, die wir bekommen. Trotzdem möchte ich ganz deutlich sagen, dass wir nicht klagen wollen, weil uns klar ist, dass die Finanzsituation durch die verminderten Steuereinnahmen, die auch in den weiteren Jahren auf uns zukommen werden, überall dramatisch ist."
Und doch hofft man, wieder rund zehntausend Karten zu verkaufen, für neun Tage Festival, mit 23 Konzerten, von denen ein Großteil Joseph Haydn gewidmet ist. Doch auch in Hitzacker bleiben beim Nachdenken über die finanziellen Sorgen die politischen laut Oliver Wille nicht außen vor: "Am Horizont gibt es wirklich diese Sorgen, wie es weitergeht, schaut man auf die kommenden Landtagswahlen."