Neuer Hamburger Club "glimmer" soll mehr als Tanzschuppen werden
Endlich eine gute Nachricht für die Hamburger Clubszene: Die Stadt bekommt einen neuen Musikclub im Oberhafenquartier. Das "glimmer" soll aber auch Ort für Kulturveranstaltungen werden. Eröffnung ist am 2. Oktober.
Draußen rauscht der Zug nach Lüneburg vorbei. Die Mauern des alten Lokschuppens zwischen Hafencity und Hauptbahnhof wirken runtergerockt - voller Graffiti. Auch drinnen ist das "glimmer" noch mehr Baustelle als Musikclub. Anton Burmester, einer der drei Betreiber, steht mittendrin im Chaos zwischen Brettern, Kabeln, Röhren.
Aber er sieht das Gute: "Die Boxen hängen schon, das Licht in einigen Teilen auch", schmunzelt er. "Ich weiß, es ist ein bisschen schwer vorstellbar, wenn man sich hier umguckt, aber das wird fertig. Wenn die Musik an ist, das Licht dunkel und das Bier kalt, wird es auch funktionieren."
Der Traum vom eigenen Club
Früher war an gleicher Stelle der Musikclub "Moloch" zu Hause. Für den neuen Club wurde der ehemalige Lokschuppen saniert und ausgebaut. 600 Menschen können hier künftig tanzen. Burmester und seine "glimmer"-Partner Johann Kipping und Luke Mehrhoff, die in Hamburg bislang unter anderem mit ihrer Partyreihe "Synthetic Love" aktiv waren, hatten immer einen Traum: "Der eigene Club, das wär's doch! Erst macht man halt noch Witze, und wenn es dann ernst wird, dann schlottern einem die Knie", sagt Burmester.
Die Nachrichten aus der Clubszene seien zuletzt nicht die besten Nachrichten gewesen, räumt er ein. "Aber irgendwer muss ja auch blöd genug sein, es zu machen und zu sagen: Wir kriegen es trotzdem hin!"
Mehr als nur Techno und House
Techno, House und Trance-Musik soll es geben, aber nicht nur. Das "glimmer"-Team will ein Kulturzentrum mit Lesungen, Theater und Flohmarkt aufbauen. Es gab 14 Bewerbungen für diesen Standort.
Die Entscheidung für das "glimmer"-Konzept ist einstimmig gefallen, sagt Egbert Rühl, der Geschäftsführer der Hamburg Kreativ Gesellschaft, die das Projekt für die Kulturbehörde betreut. "Alle glaubten am Ende, dass es am besten zum Oberhafen passt, weil es eben nicht nur ein kommerziell ausgerichteter Clubbetrieb ist, sondern breiter aufgestellt."
Brosda: "Club rundet Kreativquartier ab"
Die Anwohner in der Hafencity müssen keinen Lärm befürchten, verspricht Rühl. Der Club ist teuer schallisoliert. Das Projekt profitiert von einer Bundesförderung in Höhe von drei Millionen Euro für das Areal. Der neue Club könnte das Oberhafenquartier, in dem in den vergangenen Jahren schon viele Kreative eine neue Heimat gefunden haben, noch einmal nennenswert beleben, hofft Rühl.
Auch Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) spricht von einem positiven Signal für die zuletzt gebeutelte Hamburger Clubszene: "In den Oberhafen gehört ein Club, der rundet dieses Kreativquartier ab. Zusammen mit den Clubs, die an den Deichtor-Kasematten entstehen, wächst hier ein neuer Hotspot für Musik, und das mit einer ganzen Menge anderer kreativer Nutzung dazwischen."
Zum Überleben reicht es
Anton Burmester stakst über die Bretter und Kabel seiner Baustelle. Einen Club eröffnen in diesen Zeiten? Da braucht man auch einen Wirtschaftsplan. Er hat es durchgerechnet. Kann man davon überhaupt leben? "Man kann überleben, würde ich sagen", lacht Burmester. "Wir haben schon so geplant, dass wir unsere Miete davon zahlen, einkaufen gehen können und vielleicht auch manchmal noch ein bisschen Spaß haben, wenn die Zeit es zulässt. Wahrscheinlich ist das auch nicht der Laden, der einen zum Millionär macht." Ohne Idealismus geht es eben nicht in der Hamburger Clubszene.