SHMF-Eröffnungskonzert 2026: Mit Leichtigkeit und viel Hingabe
Das 41. Schleswig-Holstein Musik Festival ist gestartet. Die Cellistin Anastasia Kobekina und das NDR Elbphilharmonie Orchester unter der Leitung von Dirigentin Karina Canellakis haben beim Eröffnungskonzert in der Lübecker Musik- und Kongresshalle Dvořák und Mahler gespielt.
"Wir haben mit Karina Canellakis eine weltberühmte Dirigentin, auf die wir uns unglaublich freuen - das ist ihr Festival-Debüt", sagt Festival-Intendant Christian Kuhnt. "Und Anastasia Kobekina ist ein Wirbelwind. Sie ist ganz verdientermaßen die Preisträgerin des Bernstein Awards". Beide Frauen begeistern auch die Gäste am Abend des Eröffnungskonzertes. "Das ist so stark, als würden die sich super verstehen. Die beiden zusammen sind ein Feuerwerk", urteilt eine Besucherin im Anschluss.
Eröffnungskonzert des SHMF: "Wie ein Leben in 40 Minuten"
Die 31 Jahre alte Cellistin Anastasia Kobekina spielt mit einer Leichtigkeit und so viel Hingabe. Sie trägt eine weite Bluse und eine weite Hose mit einem rot, grau, beigen Muster und ist barfuß unterwegs. Sie hat immer die Dirigentin Karina Canellakis und das NDR Elbphilharmonie Orchester im Blick. "Vom ersten Ton an hatte diese fantastische Solistin uns alle im Griff", gesteht ein Besucher. "Ihr ganzes Spiel, ihre Mimik, ihr charmantes, ja manchmal fast flirtendes Miteinander mit dem ersten Geiger, dem Orchester, dem Publikum, aber eben auch mit der Musik. Sie lebt jeden Ton und das schafft sie einfach rüberzubringen."
Die schulterlangen, braunen Locken von Anastasia Kobekina hüpfen mit jedem Strich über ihr Instrument. "Die Weite der Melodie - es ist wie eine große Umarmung", schwärmt die Musikerin über Dvořáks Cellokonzert. "Es ist wie ein Leben in den 40 Minuten, in den drei Sätzen, wo man eine ganze Palette der menschlichen Gefühle spürt und immer wieder neu erlebt." Als Zugabe spielt sie ein Stück mit Tamburin und Cello, komponiert von ihrem Vater, ihr Lieblingskomponist, sagt sie schmunzelnd.
Standing Ovations für orchestrale Klangpracht
Bereits zur Pause gibt es schon stürmischen Beifall und Standing Ovations. Danach steht Gustav Mahlers 1. Sinfonie auf dem Programm. Die zierliche US-amerikanische Dirigentin Karina Canellakis, in einem schwarzen Hosenanzug, hüpft teilweise, während sie das Orchester beim Dirigieren immer freundlich anlächelt. Die Sinfonie fasziniert mit einer Mischung aus traurigen Liedern, mystischen Naturtönen, volkstümlichen Tänzen und einer orchestralen Klangpracht.
Die New Yorkerin hat das Orchester fest im Griff und tänzelt mit einer Leichtigkeit an ihrem Pult von einer Seite auf die andere. Ihre Leidenschaft und die Intensität des Orchesters übertragen sich auf das Publikum in Form von Gänsehaut und Tränen. "Wie sie auf die Musiker eingegangen ist, wie sie sie motiviert hat", erklärt ein Besucher nach dem Konzert, "wie sie sozusagen emotional mitgegangen ist, wie sie die Musik aufgenommen hat und ihnen auch ein bisschen Spielraum trotzdem gegeben hat - das war ganz wunderbar." Zum Schluss gibt es stürmischen Beifall und erneut stehende Ovationen.