KI und Musik: Studiengang in Lübeck zeigt die Chancen
Seit Ende vergangenen Jahres gibt es an der Lübecker Musikhochschule einen neuen Masterstudiengang. Der beschäftigt sich mit dem Musikmachen mit KI und verbindet dabei Kunst, Musik und Technik.
Grigorii Osipov ist studierter Schlagzeuger und hat während seines Masterstudiengangs "Sound Arts & Creative Music Technology" an der Musikhochschule Lübeck schon viele Stücke komponiert. Der 31-Jährige aus St. Petersburg ist im dritten Semester. Für ihn ist es ein ereignisreiches Studium mit einem intensiven Programm. Er lerne die ganze Zeit etwas Neues, sagt er. "Es ist ganz viel Software, wie man die Instrumente baut, wie man etwas Eigenes schreibt, wie man komponiert, wie man mit Licht, Klang und Raum arbeitet, wie man improvisiert und so weiter."
Instrumentenbau mal anders
Im Studium werden keine klassischen Instrumente wie beispielsweise eine Gitarre gebaut, sondern es werden Geräusche mit Mischpulten erzeugt, die vorher aufwendig verkabelt und programmiert werden müssen. Damit komponieren die Studierenden eigene Stücke. Das ist ein wichtiger Teil des Masterstudiums.
Grigorii Osipov kommt dabei täglich an seine Grenzen. "Es ist eine ganz andere Herausforderung, wenn man sich mit eigener Musik beschäftigt. Bisher habe ich viele Stücke von anderen Komponisten gelernt. Wir spielen die Stücke, die andere Leute komponieren. Die schreiben alles und dann spielen wir das nach."
Kompositionen mit Künstlicher Intelligenz
Komponiert wird unter anderem mit Programmen, bei denen die Künstliche Intelligenz eine große Rolle spielt, dazu gehört auch eine Software, die der Lübecker Professor Nicola Hein entwickelt hat. Damit arbeitet auch der 27-jährige Student Ilia Viazov. "Wir versuchen, die Maschinen zu bauen. Die kann zusammen mit anderen Maschinen und mit Menschen musizieren. Wir versuchen, einen Algorithmus zu entwickeln."
KI als Unterstützung und nicht als Manipulation
Ilia Viazov ist im ersten Semester und Künstliche Intelligenz fasziniert ihn beim Musikmachen. Dennoch soll KI die Studierenden unterstützen und nicht manipulieren, erklärt Professor Nicola Hein. "Wir sehen jetzt eine neue Welle von Möglichkeiten. Ich denke, dass wir da in einer kritischen Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten sind."
KI werde nicht nur von großen Firmen aus Kalifornien besessen, die ihre ganz eigenen ökonomischen und politischen Interessen mitverfolgten, so Hein. "Wir können auch an der Entwicklung von einer Technologie teilhaben, die sehr viel diverser und kritischer verstanden und natürlich auch im Detail nachvollzogen wird."
Workshops und Projekte machen das Studium abwechlungsreich
Der gebürtige Russe Ilia Viazov schätzt die Möglichkeiten seines Studiums. "Es ist so interessant. Wir haben viele Veranstaltungen dieses Semester und viele Projekte." Wie zum Beispiel zuletzt ein Improvisations-Workshop mit dem Ensemble "Open Family", das zusammen mit den Studierenden Musik gemacht hat. Auch Ilia Viazov war mit seinem Fagott dabei.
Berufsmöglichkeiten nach dem Masterstudiengang
Wenn der 27-Jährige nicht gerade studiert, ist er bereits jetzt als Komponist tätig und will das auch nach dem Studium bleiben. Auch Grigorii Osipov arbeitet bereits neben dem Studium, er unterrichtet Kinder in einer Musikschule. Aber nicht nur das. "Ich spiele auch Solo-Kammermusik, außerdem im Orchester - und als Soundartist bekomme ich schon ganz viele Anfragen. Ich glaube, in diesem Beruf kann man sehr gut als Bühnentechniker arbeiten, oder als Tonmeister oder in der Lichttechnik. Das sind auch Aspekte des Studiums, die wir hier dazu bekommen."