Alice Schwarzer hält die Zeitschrift "Emma" in der Hand.
AUDIO: "Emma"-Aus nach 50 Jahren: "Das war immer eine One-Woman-Show" (5 Min)

"Emma"-Aus nach 50 Jahren: "Das war immer ihre One-Woman-Show"

Stand: 21.10.2026 16:11 Uhr

Alice Schwarzer stellt nach 50 Jahren ihr feministisches Magazin "Emma" ein. Die Ausgabe vom 8. Dezember wird die letzte sein. Chris Köver, eine der Gründerinnen und Verlagsmiteigentümerinnen des "Missy Magazines", blickt ohne große Nostalgie auf das Ende der "Emma".

Im Interview spricht Köver über Inspiration, Abgrenzung und die Frage, was moderner Feminismus heute leisten muss. Unter anderem rechnet sie klar mit transfeindlichen und rassistischen Positionen ab, die das Blatt zuletzt geprägt hätten.

Das Aus der "Emma" habe keine wirtschaftlichen Gründe, sagt Alice Schwarzer, sondern es reiche einfach, Ermüdung nach 50 Jahren. Die Mission kann doch aber noch längst nicht erfüllt sein, oder?

Chris Köver: Wenn die Mission die Gleichberechtigung ist, dann würde ich sagen: Nein, da haben wir sicherlich noch einiges zu tun.

Wie sehr hat Sie die Zeitschrift "Emma" geprägt?

Köver: Ich habe "Emma" selber nicht gelesen, aber sie hat mich insofern geprägt, als dass sie uns, als wir damals das "Missy Magazine" gegründet haben, gezeigt hat, dass es geht: dass Frauen sich zusammentun und im eigenen Verlag eine eigene Zeitschrift machen können. Das hat uns schon beeinflusst.

Welche Errungenschaften der "Emma" haben dem "Missy Magazine" geholfen, und wo grenzen Sie sich bewusst ab?

Köver: Dass es durchaus funktionieren kann: dass man über Abonnements oder Kioskverkäufe mit so einem Heft eine relevant große Menge an Menschen um sich scharen kann, dass es wirtschaftlich funktionieren kann.

Wo wir uns eher abgrenzen, das ist inhaltlich an verschiedenen Punkten. Das ging schon relativ früh los. Die Entwicklung der "Emma" in den vergangenen Jahren ist eine, die stetig weiter nach rechts gerückt ist. Da sind transfeindliche Positionen dazugekommen und rassistische Positionen, die sich vielleicht auch schon länger durchgezogen haben. Das sehen wir als sehr problematisch an, weil das eine Art von Feminismus ist, die nur für ganz bestimmte Menschen ist. Es geht um die Befreiung einiger Frauen - aber wir sagen euch, wie ihr euch befreien sollt. Und wir sagen auch, wer dazugehören darf und nicht - Transfrauen zum Beispiel nicht. Das ist etwas, wovon wir uns ganz klar abgrenzen, was wir auch für gefährlich halten. Das ist eine Entwicklung, die wir so überhaupt nicht unterstützen wollen.

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In den letzten Jahren gab es vermehrt Kritik an Alice Schwarzer, an ihren Positionen zur Geschlechtsidentität, aber auch was das Thema Prostitution zum Beispiel angeht. Mehrfach hieß es, sie sei abgedriftet, stehen geblieben in ihrer Zeit oder verrate sogar die Ideale des Feminismus. Hat die "Emma" möglicherweise verpasst, Schwarzers Nachfolge zu regeln?

Köver: Ich würde sagen, absolut, aber ich weiß gar nicht, ob das überhaupt jemals der Plan war, da eine Nachfolge zu regeln. Die "Emma" ist immer schon Alice Schwarzers One-Woman-Show gewesen, und deswegen finde ich es jetzt auf eine Art auch konsequent, dass es in dem Moment, wo Schwarzer aufhört, auch das Ende der "Emma" bedeutet. Ich glaube, dass es nicht wirklich darum gegangen ist, dort eine Nachfolge zu etablieren, sondern dass es eigentlich immer ihr Baby war, ihre Meinungen, ihr Kanal, und auch die anderen Menschen, die dort gearbeitet haben, Schwarzers Meinungen in anderen Worten rübergebracht haben.

Werden Sie der "Emma" nachtrauern, oder war das Magazin sowieso aus der Zeit gefallen?

Köver: Ich glaube nicht, dass mir "Emma" so sehr fehlen wird. Ja, es war irgendwie aus der Zeit gefallen, steht vielleicht auch für eine bestimmte Art von Sturheit, die ich mit Alice Schwarzer verbinde. Das hat ihr am Anfang sicherlich viel geholfen, und in einer Zeit, in der es für Frauen sehr schwer war, im Journalismus ernst genommen zu werden, hat es dazu geführt, dass sie überhaupt diesen Weg gehen konnte. Dafür habe ich durchaus Bewunderung. Aber ich glaube, dass ihr das zuletzt auch eher im Weg gestanden hat, weil sie wenig aufnahmefähig für Kritik war, und die Position, die "Emma" und sie selber vertreten hat, aus der Zeit gefallen war.

Ist es heutzutage auch für Sie überhaupt noch zeitgemäß, ein feministisches Magazin herauszugeben, wo doch die Debatten längst intersektionaler sind, sich also längst nicht mehr nur um Mann und Frau drehen?

Köver: Ja, Feminismus kann sehr viele verschiedene Dinge sein, und so, wie wir das mit dem "Missy Magazine" begreifen, ist das ein intersektionaler Feminismus. Das bedeutet, dass es nicht mehr nur um Männer und Frauen geht, sondern vielleicht um Geschlecht als Konstruktion, auch als Spektrum. Ich glaube, das schließt sich nicht aus, was vielleicht eher tatsächlich auf eine Art anachronistisch ist.

Das Meiste hat sich ins Netz verlagert, und ich wundere mich manchmal, dass wir immer noch mit einem Printmagazin so erfolgreich sein können, auch in einer Zeit, in der sehr viele andere Printzeitschriften um uns herum zugemacht haben. Es scheint nach wie vor einen großen Bedarf zu geben, auch etwas in der Hand zu halten.

Das Gespräch führte Philipp Cavert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR.de I "Emma"-Aus nach 50 Jahren: "Das war immer Alice Schwarzers One-Woman-Show" I 21.10.2026 16:03 Uhr

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