Pianist Igor Levit gründet eigenes Plattenlabel
Neben seiner Tätigkeit als weltbekannter Konzertpianist ist Igor Levit nun auch Plattenlabelboss von "No Silence Records". Hier sollen nicht nur Klassik-Alben erscheinen. Solange ein Künstler für seine Kunst brennt, sei er offen für jedes Genre, so Levit.
Berühmt wurde Igor Levit außerhalb der Klassikszene während der Coronazeit, als er von zu Hause in Berlin fast täglich Wohnzimmerkonzerte spielte und diese über Twitter veröffentlichte. Ein popinteressiertes Publikum lernte ihn dann auf Konzerten von Danger Dan kennen, den er am Klavier begleitete. Danger Dans Band Antilopengang, die seit Jahren mit eigenem Plattenlabel unabhängig ist, war dann auch Vorbild für Igor Levits Schritt, sein eigener Plattenfirmenboss zu werden.
Labelname "No Silence Records" hat politischen Hintergrund
Sein Label nennt er "No Silence Records". Der Label Name entstand unmittelbar nach dem 7. Oktober 2023, nach dem terroristischen Überfall der Hamas auf das jüdische Volk, erklärt Levit. "Ich habe wenige Wochen nach der Attacke in Berlin ein Benefiz-Konzert veranstaltet. Kurz nach diesem Konzert hat es mich wie ein Blitz getroffen." Für ihn stand fest, "No Silence" ist seine Lebensgeschichte und Lebensenergie. "Es ist der ideale Name für das, was ich da mache."
Erste Veröffentlichungen von Igor Levit und Lukas Sternath
Die ersten drei Veröffentlichungen von "No Silence" sind zwei Alben von Igor Levit mit Beethoven und Eric Satie und ein Newcomer aus Wien, dem Gewinner des ARD-Musikwettbewerbs Lukas Sternath. "Lukas Sternath ist einer der außergewöhnlichsten jungen Pianisten, die mir jemals über den Weg gelaufen sind." Deshalb darf er sein Debütalbum auch bei Igor Levit herausbringen - mit Werken von Liszt und Schubert.
Für Plattenlabel sind noch Kapazitäten frei
Igor Levit, der als Star-Pianist ständig in der Welt unterwegs ist und nebenher noch eine Professur an der Musikhochschule Hannover hat, leitet obendrein auch noch ein Musikfestival in Heidelberg. Er ist häufig zu Gast in Talkshows, wo er über sein Leben als Jude in Deutschland erzählt.
Neben all dem politischen und musikalischen Engagement hat er noch Kapazitäten frei, um eine eigene Plattenfirma zu leiten, sagt er: "Sonst würde ich es nicht machen und ich habe ein ganz großartiges Team um mich, das mir hilft. Das ist alles gut geplant und macht mich unglaublich froh."
Egal welches Genre - aber Künstler muss für Kunst brennen
Überraschenderweise will Beethoven-Fan Igor Levit auf "No Silence" nicht nur Klassik veröffentlichen. Ihm ist bei den Musikerinnen und Musikern, die er unter Vertrag nimmt, vor allem Leidenschaft wichtig. "Dieses Feuer, das bei dir als Künstler brennen muss, das Gefühl, du wirst sterben, wenn du deine Kunst nicht machen kannst, das ist die Grundregel. Wenn ich einem Künstler begegne, der genau das mitbringt, gibt es von Klassik über Pop bis Hip-Hop für mich keine Grenzen."
Britischer Sänger Boy George bei Levits Plattenlabel?
Seit der britische Sänger Boy George "We Will Dance Again" herausbrachte, hat er unter einer Hasswelle von Palästina-solidarischen Menschen zu leiden, weil es ein Israel-solidarisches Lied ist. Deshalb hat er nicht nur seine Rolle im Musical "Jesus Christ Superstar" verloren, sondern auch seinen Plattenvertrag.
Boy George bei "No Silence"? Igor Levit hat eine klare Meinung dazu: "Wenn das passieren würde, würde ich durchdrehen vor Freude. Das wäre cool."