Erst mahlen, dann malen: Künstlerin schafft Bilder aus kaltem Kaffee
Mit "Kaffeekunst" ist meist die Kunst eines Café-Baristas gemeint. Der Begriff kann aber auch etwas anderes bedeuten: Die Harzer Künstlerin Carmen Burre nutzt ihren Kaffee, um damit zu malen. Gerade zeigt sie ihre Werke in der Bibliothek im mecklenburgischen Waren.
Jeden Morgen gibt es bei Carmen Burre frischgebrühten Kaffee aus der French Press. Mit ihrem braunen Camper, den sie liebevoll "Browni" nennt, macht sie aktuell Halt in der Nähe von Waren. Ganz gleich, ob sie daheim im Harz oder auf Reisen ist: Kaffee zu trinken und dabei zu malen ist ihr tägliches Ritual. Vor zwei Jahren kam der Wendepunkt: Ein versehentlicher Kaffeefleck sorgte zunächst für Ärger, dann für Inspiration.
"Morgens am Frühstückstisch habe ich gezeichnet, wie jeden Morgen. Und habe gedacht, aus diesem Klecks kannst du was gestalten. So ist der Kaffee in meine Bilder geflossen", erinnert sich Burre.
Ihre braunen Kunstwerke stellt sie in Waren aus
Ihre fertigen Kaffee-Werke hat die Künstlerin aus Derenburg bei Wernigerode jetzt mit in die Warener Stadtbibliothek gebracht. Dort zeigt sie 35 Arbeiten, auf denen Tiere in verschiedensten Brauntönen zu sehen sind: Von Raubtieren, Stieren und Hähnen bis hin zu Hunden, Eulen oder Pferden. Im Rahmen der Ausstellung gibt Burre auch einen Workshop für Kaffekunst-Interessierte.
Ihre Werke stoßen dabei auf Bewunderung: Mit den Worten "wirklich sehr schön" richtet sich eine Besucherin direkt an die Künstlerin. Carmen Burre erklärt die Technik, die dahintersteckt: "Das ist die Rückwärtsmethode. Da wurde der Kaffee aufgetragen und mit Wasser wieder heruntergenommen. Solche Bilder können dadurch entstehen."
Kalt malt sich der Kaffee am besten
Immer wieder kommt die Frage auf, wie der Kaffee zum Malen am besten ist. Carmen Burre experimentiert bis heute mit Kaffeesorten und Stehzeiten. Sie findet: Kalt malt er sich am besten.
Beim Workshop verrät sie den Teilnehmenden so manche Tricks. Löslichen Kaffee hat sie zum Beispiel immer dabei: "Man kann ein paar Krümel dazugeben, damit er noch sämiger wird. Aber richtig ölig wird er erst nach einer Woche. Dabei muss man ihn immer wieder umrühren und richtig pflegen." Am liebsten mag die 62-Jährige den Kaffee, wenn er sirupartig ist - dann ist er aber schon gut eine Woche alt.
Kaffee-Malerei verzeiht mehr als Aquarell
Beim Workshop tragen die Frauen den Kaffee dick auf, lassen ihn laufen und tupfen ihn wieder runter. Dadurch bekommen sie interessante, abgestufte Brauntöne. Um überhaupt so arbeiten zu können, ist ein Detail besonders wichtig, sagt Carmen Burre: "Das Material, auf das der Kaffee aufgetragen wird, muss saugfähig sein, damit die Partikel gut vom Untergrund getragen werden."
Kaffee-Malerei hat was von Aquarell-Malerei, finden die Teilnehmerinnen. Aber irgendwie auch wieder nicht, stellt Ilona Krisch fest: "Weil man die Konturen immer verstärkt. Dann muss es erst mal trocknen, danach muss man wieder rübergehen. Beim Aquarell muss es gleich beim ersten Mal sitzen, hier nicht", so die Kursteilnehmerin.
Burren bringt weitere Farben ins Spiel
Die vielen Brauntöne, die der Kaffee möglich macht, reichen Carmen Burre mittlerweile längst nicht mehr aus. Sie bringt auch weitere Farben ins Spiel. Einigen ihrer Motive umzeichnet sie vorher mit einem Stift, um ihnen eine grobe Struktur zu geben.
Dass ihre Kaffeekunst in Waren auf so großes Interesse stößt, freut sie sehr: "Ich bin geflasht und es macht Spaß. Es sitzen so viele Menschen hier, die eine Leidenschaft mit mir teilen."
Bis zum Jahresende sind die Werke von Carmen Burre noch in der Ausstellung "Alles kalter Kaffee?" in der Warener Stadtbibliothek zu sehen.