"Propadanga": Manipulatives Theaterexperiment in Hannover
Bei der Premiere von "Propadanga" am Freitag am Schauspiel Hannover wurde das Publikum ab 13 Jahren spielerisch in Experimente zu Propaganda, Manipulation und politischer Mitbestimmung einbezogen.
Es beginnt mit Schweigen. Drei Schauspieler in schwarz-weißen Kostümen, die Gesichter wie bei Clowns weiß geschminkt mit schwarzen Lippen, schwarz umrahmten Augen, sitzen auf einer breiten, weißen Treppe und blicken eine bedrückende lange Weile wortlos ins Publikum. Eine gewisse Unsicherheit macht sich breit, manche beginnen zu kichern. Etwas später kommt die physische Erlösung mit der Anweisung, sich zu bewegen und seinen Platz zu wechseln.
Wir hätten gerne, dass die jüngste Person hier vorne sitzt und die älteste Person dort oben in der Ecke. Bühnenzitat
Propaganda als präsentes Thema bei Jugendlichen
Das Thema ist gesetzt: es geht ums Lebensalter und seine Folgen. Mit 81 ist man tot, das lässt sich statistisch berechnen. Aber warum ist man - wenn man die Zahlen umdreht - mit 18 erst volljährig? Und kann das tatsächlich stimmen, was da auf die Stufen projiziert wird: "Junge Menschen sind in Deutschland schon vor Gerichte gezogen, um das Wahlrecht für Kinder einzufordern." Und wenn es so gewesen wäre, hätte das schon ein Teil von Propaganda sein können?
Für Regisseur Nils Zapfe ging es am Anfang um eine Definition des Begriffes, wie er sagt: "Die Frage war für mich erstmal: Was ist das überhaupt? Und dann: Was ist schlecht daran? Was ist vielleicht einfach normale Kommunikation im Jahr 2026? Was sind die Sachen, auf die man wirklich gucken muss?" Propaganda sei in der Politik, aber auch im kommunikativen Diskurs ein sehr präsentes Thema, so Zapfe. "Ich glaube auch, dass es eine jugendliche Zielgruppe akut betrifft, die sich zum ersten Mal eine politische Meinung bildet."
Mehr Stimmen für junge Menschen
Das Publikum jedenfalls lässt sich bereitwillig "manipulieren", wuselt auf Ansage munter durch den Zuschauerraum, um sich nach Alter sortiert neue Plätze zu suchen. Dann werben die drei Schauspieler dafür, Menschen bei Wahlen je nach Alter unterschiedlich viele Stimmen zu geben. Je jünger, desto mehr. Wie fiele mit dieser Stimmverteilung die Abstimmung über die Frage aus, ob jetzt alle über 40 Jahre den Raum verlassen sollen?
Nicht alle finden dieses Experiment nur lustig. "Unterhaltsames Stück, was aber - wenn man jetzt älter ist - einen doch mit einem etwas unangenehmen Gefühl zurücklässt", betont eine Besucherin. "Das ist doch ein Spiel. Das soll man gar nicht so verbissen ernst sehen", findet eine andere. Kinder hätten hier einfach mit Erwachsenen gespielt. Und ein Pärchen betont: "Wir beide sind 70 und ich denke gar nicht, dass ich noch so viel bestimmen sollte über die Zukunft. Insofern finde ich diese Anregung mal ganz gut, die Stimmen ein bisschen anders zu verteilen."
Unterhaltsam, spielerisch, kurzweilig
Mit viel Tempo geht es durch den Abend. Quicklebendig springt das Ensemble um Shirin Eissa, Nils Rovira-Muñoz und Anne Stein die Stufen auf und ab, bringen das Publikum dazu, mitzuschnipsen, mitzusprechen, Gewissensfragen zu beantworten. Das ist sehr unterhaltsam und kurzweilig. Spielerisch ziehen sie das Publikum in ihren Bann, das sich unbemerkt lenken lässt. Auch wenn es am Ende nicht ganz der Propaganda verfällt Menschen über 40 per Abstimmung aus dem Raum zu befördern.
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Freitag Fr 25. September Sep. 202618:30 Uhr
"Propadanga": Manipulatives Theaterexperiment in Hannover
Niedersächsisches Staatstheater Hannover Ballhof 2Knochenhauserstraße 2830159 Hannoverempfohlen ab 13 Jahren
- Ende:
- 26.11.2026