Miss Marple ermittelt wieder: Drei Neuheiten für Krimi-Fans
Charlotte Link schickt Kate Linville in einen düsteren Fall, Mina Sakurai überrascht mit einem raffinierten japanischen Psychothriller und Lucy Foley lässt Miss Marple in den Schweizer Alpen ermitteln.
"Kalte Tage" von Charlotte Link: Kate Linville ermittelt an der Küste
Charlotte Link ist eine der erfolgreichsten Autorinnen Deutschlands. Alle Bücher ihrer Thriller-Reihe um die eigenwillige Ermittlerin Kate Linville waren Bestseller. Jetzt erscheint der sechste Band.
Kate Linville ist psychisch schwer angeschlagen. Nach dem Tod ihres Ex-Chefs und Freundes Caleb Hale ist sie überstürzt in ein trostloses Haus an der nordenglischen Küste gezogen und schafft es nicht einmal, ihre Kisten auszupacken. Aber dann wird sie völlig von einem Fall vereinnahmt: Eine junge Frau kehrt nicht von einem Date zurück, ihr Vater wird in dieser Nacht im eigenen Haus erschossen, sie selbst bleibt verschwunden. Kurz darauf wird ein Autofahrer entführt und eine weitere junge Frau gerät in Gefahr.
Charlotte Link zu lesen, ist immer eine gute Idee. Ihre Thriller sind komplex, aber nicht überladen, die Protagonisten facettenreich, die Hintergründe gut recherchiert. In "Kalte Tage" geht es um Hass, der niemals aufhört, und den schönen Schein, der am Ende nichts bedeutet. Lesenswert!
"Der Exmann" von Mina Sakurai: Ein Psychothriller voller Geheimnisse
Im Vergleich zu skandinavischen oder englischsprachigen Thrillern und Krimis sind die aus Japan auf dem deutschen Buchmarkt noch immer unterrepräsentiert. Dabei bestechen sie oft durch eine gewisse Melancholie, Ruhe und psychologische Tiefe. Das trifft auch auf den Thriller von Mina Sakurai zu.
Darin geht es um Mana, die in Tokio in einer Modefirma arbeitet. Was niemand ahnt: Sie glaubt, vor ein paar Jahren ihren gewalttätigen Ehemann umgebracht zu haben. Aber dann steht der eines Tages unversehrt vor ihr. Angeblich kann er sich an nichts erinnern. Er ist wie ein neuer Mensch, freundlich und hilfsbereit. Und bald wird klar, dass sowohl Mana als auch ihr Mann große Geheimnisse voreinander verbergen.
Mina Sakurai erzählt ihre Geschichte leise und zart, in einem sehr zurückhaltenden Ton. Umso überraschender kommt dann ein Plot-Twist, der wirklich alles über den Haufen wirft.
"Mord im Grand Alpine Hotel" von Lucy Foley: Miss Marple ist zurück
1976, also vor 50 Jahren, erschien mit "Ruhe unsanft" der letzte Miss-Marple-Krimi von Agatha Christie. Und jetzt ist die beliebte Hobby-Ermittlerin, auch bekannt aus vielen Filmen und Serien, zurück. Die englische Autorin Lucy Foley hat sie zu neuem Leben erweckt und in die Schweizer Alpen geschickt. Dort, im gediegenen Grand Alpine Hotel, gerät Miss Marple natürlich in einen Mordfall.
Bevor es aber dazu kommt, erzählt Foley aus mehreren Perspektiven die Vorgeschichte der Tat. Es treten auf: eine Gesellschafterin, ein glamouröser Filmstar, eine schüchterne Ehefrau und ihr Mann, das spätere Opfer. Miss Marple kommt erst nach ungefähr der Hälfte des Romans so richtig ins Spiel. Das ist ein bisschen schade, denn natürlich ist diese ältere Dame der Clou des Buches. Aber dann wird es wirklich unterhaltsam und nostalgisch.
Foley schafft eine perfekte 50er-Jahre-Atmosphäre. Sehr detailverliebt schildert sie die damalige gesellschaftliche Situation, vor allem auch von Frauen. Foleys Geschichte ist kein nervenzerfetzender Krimi, das Tempo ist gemächlich, es gibt wenig Gewalt. Damit bewegt sich die Autorin auf Agatha Christies Spuren, und Fans werden das zu würdigen wissen.