Krimi des Monats: "Porcus" von Kim Hundevadt trifft Puls der Zeit
In Skandinavien hat man ein Händchen für Krimi und Thriller, das beweist auch das neue Buch des dänischen Autors Kim Hundevadt. "Porcus" ist der düstere und vielschichtige Auftakt zur Moll & Mielcke‑Reihe, in dem der Fall um einen getöteten Schweinezüchter zu lösen ist.
Mickael Moll, genannt Mick, ist Investigativjournalist, seine Karriere nimmt seit Jahren allerdings nur einen Weg: abwärts. Schon lange hatte er keine große Story mehr, seine Chefs haben ihn mehr oder weniger abgeschrieben. Dann stößt Mick auf ein Thema, das ihn aus der Lethargie reißt:
Mit zwei kritischen Artikeln über Søren Poulsen, den größten Schweinezüchter des Landes, machte er wieder von sich reden. Einer enthüllte, dass Poulsen ein nicht unerhebliches Vermögen in einer Steueroase versteckt hielt. In dem Folgeartikel ging es dann um Poulsens ominöse Verbindungen zu einem russischen Oligarchen. Ausschnitt aus "Porcus"
Der Fall: Ein spurlos verschwundener Schweinezüchter
Das Thema spitzt sich zu, als der Schweinezüchter Poulsen plötzlich spurlos verschwindet. Kurz darauf erhält Mick einen Brief mit der Aufforderung, Poulsen in Jütland, Norddänemark, zu treffen. Am angegebenen Ort findet er die grausam zugerichtete Leiche des Schweinezüchters. Und eine Botschaft:
Hier hängt Søren Poulsen. Schuldig der Misshandlung, Folter und Ermordung von mehreren Hundert Millionen Schweinen in Dänemark und Russland. Søren Poulsen starb wie ein Schwein. Ausschnitt aus "Porcus"
Tempo zu Beginn rasant
Alle Spuren und Indizien scheinen auf militante Tierschützer als Täter hinzudeuten. Das glaubt anfangs auch die Geheimdienstagentin Christiane Mielcke. Manchmal überengagiert, häufig unkonventionell, versucht sie den Fall zu lösen. Und ist dabei auch auf Mickael Moll angewiesen.
Der Thriller "Porcus" legt rasant los. Nach dem Leichenfund geht es Schlag auf Schlag, das Tempo wird allein durch ein paar private Verwicklungen etwas gebremst. Und Kim Hundevadt versteht es sehr geschickt, den Fall immer komplexer werden zu lassen.
Spur nach Russland: Ein mächtiger Gegner mit blutigen Geschäften
Da sind einerseits die Tierschützer, aber andererseits gibt es auch eine Spur, die nach Russland führt, zum russischen Oligarchen Roman Usmanow:
Er hat Milliarden mit Drogen, Frauenhandel, Menschenschmuggel, Erpressung, Steuerhinterziehung, Cyberkriminalität und Bestechung verdient. Durch westliche Banken (...) und eine Reihe mysteriöser Firmen in Steueroasen hat er sein Vermögen weißgewaschen. Ausschnitt aus "Porcus"
Und mit diesem Roman Usmanow hatte der getötete Schweinezüchter Poulsen einen missglückten Deal abgeschlossen, wie Micks Recherchen in einem brisanten Datenkonvolut, dem ParadiseLeak ergaben:
ParadiseLeak ist bereits das siebte große Datenleck mit gestohlenen Dokumenten diverser Anwaltskanzleien und Banken, die einigen wohlhabenden Menschen dabei behilflich sind, ihr Vermögen in Steuerparadiesen zu verstecken. Diese Dokumente wurden an investigative Journalisten weitergegeben. Ausschnitt aus "Porcus"
Ist der Mord an Poulsen also vielleicht ein Racheakt des Oligarchen?
Düsterer Thriller mit vielen Wendungen
"Porcus" ist ein typischer dänischer Thriller. Stimmung und Atmosphäre sind eher düster, das Ermittlungspersonal authentisch und vielschichtig, die Story wendungsreich, aber nicht überladen. Und mit den Themen Massentierhaltung und russischer Einfluss auf Wirtschaft und Politik am Puls der Zeit. Im Februar kommenden Jahres erscheint der zweite Band der Moll- und Mielcke-Reihe.
Porcus
- Seitenzahl:
- 416 Seiten
- Genre:
- Roman
- Zusatzinfo:
- Übersetzt von Ulrich Sonnenberg
- Verlag:
- btb
- ISBN:
- 978-3-442-77586-6
- Preis:
- 17 €