"Peck & Peck": Willkommen im schrägsten Verlag New Yorks
Bonnie Garmus erzählt in ihrem Roman "Peck & Peck" leichtfüßig, menschlich und mit einem Augenzwinkern von einer Welt voller schräger Figuren. Und mittendrin ein junger Mann, der lernt, die eigene Schale zu durchbrechen.
New York, Anfang der 1980er-Jahre. Für den jungen Batter Gray geht ein Traum in Erfüllung. Er liebt Poesie und schreibt auch selbst. Aber das Größte, was er sich vorstellen kann, ist für "Peck & Peck" zu arbeiten - eine Zeitschrift, in der Gedichte veröffentlicht werden. Und tatsächlich, Batter wird eingestellt. Aber den Job hat er sich anders vorgestellt. Von Wegen den ganzen Tag Gedichte lesen:
Wir bogen um die Ecke und er führte mich weiter einen feuchten Gang hinunter, bis wir zu einer Wand kamen, in die Fächer eingelassen waren, (…) "Das sind die Rohrpostleitungen." "Ich verstehe nicht. Wofür ist das?" (…) "Na, Mister Gray, für Sie natürlich. (…) Bitte sehr, da haben Sie Ihr eigenes Büro." Drinnen standen drei Kopierer. Sonst nichts. Auszug aus "Peck & Peck"
Herzlich willkommen ganz unten
Als Kopierkraft ist Batter ganz unten in der Hierarchie dieses ungewöhnlichen Verlagshauses. "Peck & Peck" ist ein alter Familienbetrieb, immer geführt von Zwillingen. Die aktuellen Zwillinge haben sich aber zerstritten. Einer, Declonius Peck, musste ins Gefängnis, ist eigentlich verbannt, treibt sich aber immer wieder bei Batter im Keller des Verlags herum. Der andere, Salton Peck, leitet das Haus noch. Ein Mann mit einem gewissen Wutproblem.
Bonnie Garmus erzählt sehr launig, wie Batter über seinen Job im Keller des Gebäudes die Menschen im Verlag kennenlernt. 39 Lektoren arbeiten bei der Zeitschrift. Die Poesie ist heilig. Ein Gedicht hier unterzubringen - im Grunde unmöglich.
Es konnte bis zu sechs Monate dauern, bis man eine Antwort erhielt. Die Antwortschreiben waren kurz und bündig: Entweder man bekam eine Postkarte mit dem Wort Nein in einer fetten unmissverständlichen "Wir-fanden-es-furchtbar"-Schriftart, 158 Punkt Bauhaus Extra Schwarz, oder ein Ja in derselben Schriftart, nur kleiner (…). Auszug aus "Peck & Peck"
John Irving lässt grüßen
Dieses Buch kann man auch sehr gut lesen, wenn man keine Lust auf Poesie hat. Es wird zwar viel von ihrer Faszination gesprochen, aber sie kommt nur am Rande vor. Vielmehr ist "Peck & Peck" ein Roman im Stile John Irvings. Sehr viele Figuren, die sich rund um einen Ort versammeln, leichtfüßig erzählt.
Batter steigt im Laufe des Romans auf, verliebt sich, der Plot vollzieht so manche Wendung, und mit denen hat es Bonnie Garmus etwas zu gut gemeint. Wirklich jeder rote Faden auf den 544 Seiten wird am Ende, fast ein bisschen krampfhaft, zusammengebunden.
"Peck & Peck": Kurzweilig, atmosphärisch, menschlich
Bonnie Garmus hat selbst jahrelang in einem Verlag gearbeitet, bis sie begann, Romane zu veröffentlichen. Am Ende von "Peck & Peck" sagt Held Batter:
Dennoch, den eigenen Weg zu finden, ist nicht einfach. Wir leben in einer Gesellschaft, die Konformität belohnt. (…) Aber ich habe festgestellt, dass für viele von uns das genaue Gegenteil gilt. Wir müssen etwas tun, dem wir uns nicht gewachsen fühlen, wir müssen die Schale durchbrechen und flügge werden. Auszug aus "Peck & Peck"
Flügge werden: Das ist Bonnie Garmus nach ihrem Weltbestsellerdebüt auch mit "Peck & Peck" gelungen. Kurzweilig, atmosphärisch und sehr menschlich.
Peck & Peck
- Seitenzahl:
- 544 Seiten
- Genre:
- Roman
- Zusatzinfo:
- Übersetzt von Klaus Timmermann und Ulrike Wasel
- Verlag:
- Piper
- ISBN:
- 978-3-492-07511-4
- Preis:
- 26 €