Saubere Luft im Norden? Was die Messdaten 2025 verraten
Wie sauber ist die Luft, die wir atmen? Auch 2025 hält Norddeutschland die gesetzlichen Grenzwerte ein - doch erstmals seit Jahren geht die Belastung nicht mehr zurück. Das zeigen Daten des Umweltbundesamts.
Die gute Nachricht zuerst: Zum zweiten Mal in Folge hielten 2025 alle Messstationen in Norddeutschland die europäischen Grenzwerte für die Luftqualität ein. Beim Feinstaub ist dies dem Umweltbundesamt (UBA) zufolge sogar bereits das achte Jahr in Folge, bei Stickstoffdioxid das zweite.
Luftqualität verbessert sich nicht weiter
Die weniger gute Nachricht: Erstmals seit Jahren liegen die Werte 2025 über denen des Vorjahrs. Das Umweltbundesamt führt das auf das recht warme und trockene Jahr 2025 zurück, da weniger Niederschlag die Luftschadstoffe schlechter aus der Atmosphäre entfernt. Grundsätzlich sinkt die gemessene Belastung seit Jahren, weil unter anderem Umweltzonen in Städten eingeführt wurden und Fahrzeuge weniger Schadstoffe ausstoßen.
In Norddeutschland ist das Bild nicht einheitlich: So kann es zum Beispiel an vielbefahrenen Straßen in Hamburg deutlich schlechtere Luft geben als auf dem Land, wo die Belastung oft spürbar niedriger ist. Besonders auffällig sind die drei Messpunkte Hamburg Habichtstraße, Hamburg Kieler Straße und Kiel Theodor-Heuss-Ring. Hier lagen die durchschnittlichen Jahreswerte über 30 Mikrogramm je Kubikmeter Luft - zulässig sind im Moment 40 Mikrogramm.
Vor allem Städte haben höhere Messwerte
Wichtig zu wissen: Insbesondere in Städten messen die Stationen vor allem die Luftqualität in der Nähe von Straßen, während sie in den Vorstädten und auf dem Land vor allem die Qualität abseits von Straßen messen. Das ist sinnvoll, weil die Luftbelastung stark mit dem Kraftfahrzeugverkehr zusammenhängt. Aber es kann dazu führen, dass die Belastung in Ballungsräumen besonders deutlich wird, da dort tatsächlich häufig höhere Werte gemessen werden.
Die nächste Herausforderung wartet schon: Ab 2030 gelten in Europa deutlich strengere Grenzwerte. Beim Stickstoffdioxid (NO2) dürfen im Jahresmittel nur noch 20 Mikrogramm je Kubikmeter Luft gemessen werden - halb so viel wie heute. Beim Feinstaub (Jahresmittelwert) sinkt der Grenzwert von derzeit 25 auf 10 Mikrogramm je Kubikmeter.
Stickstoffdioxid und Feinstaub: Schädlich für die Gesundheit
Beide Stoffe werden von der Weltgesundheitsorganisation über eine längere Zeit hinweg auch in geringen Konzentrationen als stark gesundheitsschädlich angesehen. Stickstoffdioxid reizt die die Atemwege stark und kann Entzündungen in den Bronchien auslösen. Die Entzündungen können sich im Körper ausbreiten, im Zusammenspiel mit Feinstaub können Menschen Schlaganfälle und Herzinfarkte erleiden.
Legt man bereits die strengeren Grenzwerte für 2030 zugrunde, würden 22 von 75 Stationen im Norden die Hürde bei den Stickstoffdioxid-Werten reißen. Beim groben Feinstaub (PM10) wäre es eine Station, beim besonders gefährlichen feinen Feinstaub (PM2.5) würden gut 15 Prozent der Stationen die schärferen Vorgaben verfehlen. Allerdings liegen weitere 25 Prozent der Stationen nur minimal unter dem künftigen Grenzwert für feinen Feinstaub.
Gerade die Feinstaub-Werte zeigen, dass bei der Luftqualität noch einiges zu tun ist. Besonders Kinder, ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen oder Vorerkrankungen sind durch Luftschadstoffe gefährdet. UBA-Präsident Dirk Messner räumt ein, dass die strengeren Grenzwerte sich "zwar nur schrittweise an die deutlich ambitionierteren Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation" annäherten. Trotzdem sinke das Gesundheitsrisiko für die Gesamtbevölkerung.