Mieten in Norddeutschland: Wer kann sich das noch leisten?
Wer einen alten, günstigen Mietvertrag hat, wird aktuell kaum umziehen wollen. Denn in den letzten zehn Jahren sind die Angebotsmieten selbst auf dem flachen Land enorm gestiegen. Das NDR Datenteam zeigt, wo es besonders schlimm ist - und wo man in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern noch bezahlbare Wohnungen finden kann.
Gerade für junge Menschen ist die Miete ein großes Thema. Denn in den letzten zehn Jahren sind die Mietpreise in weiten Teilen Norddeutschlands stark gestiegen. Wer heute eine Wohnung sucht, muss vielerorts über 40 Prozent mehr zahlen als vor zehn Jahren. Das zeigen Zahlen von Value Marktdaten, die das NDR Datenteam ausgewertet hat.
Gerade auf dem Land steigen die Preise
Dabei ist es nicht etwa Hamburg samt Speckgürtel, in dem die Preise prozentual am stärksten gestiegen sind. Die größten Preissteigerungen gab es oft auf dem flachen Land, etwa rund um die Stadt Heide im Kreis Dithmarschen (Schleswig-Holstein). Dort kostet der Quadratmeter inzwischen knapp zehn Euro – 2015 waren es gerade einmal 5,60 Euro. Wer dort umzieht und auf dem freien Markt eine Bleibe sucht, muss also fast 80 Prozent mehr als vor einem Jahrzehnt zahlen.
Prägend für Norddeutschland: Hamburg und sein Speckgürtel
Betrachtet man allerdings die absolute Höhe der Mieten, dann liegt Hamburg mit Umland weiterhin im Spitzenbereich: 14,60 Euro kostet der Quadratmeter in der Hansestadt, in Norderstedt sind es knapp 12,70 Euro und in Pinneberg 12,20 Euro. Die teuersten Mieten hat Value auf den ostfriesischen Inseln beobachtet: Über 20 Euro sollen es auf Langeoog sein - allerdings leben dort so wenige Menschen, dass die Aussagekraft begrenzt ist.
Niedersachsen: Teure Städte, bezahlbares Land
In Niedersachsen sind es vor allem Städte wie Hannover und Göttingen, die die Zehn-Euro-Grenze knacken – sowie die Einzugsgebiete von Bremen und Hamburg. Das Problem besteht in diesen Städten nicht nur darin, dass es zu wenige Wohnungen gibt. Denn der Wohnraum ist oft ungleich verteilt: So leben in vielen großen Wohnungen ein oder zwei Senioren für sich. Laut Daten des Zensus 2022 bewohnten ältere Menschen über 65 Jahren in Hannover typischerweise mehr als 60 Quadratmeter pro Person – die durchschnittlichen Hannoveraner kamen nicht einmal auf 45 Quadratmeter.
Gleichzeitig ist es für viele alte Menschen nicht so leicht machbar, aus ihren alten Familienwohnungen auszuziehen: Nicht nur, weil ein Umzug teuer ist und viele Erinnerungen und Gewohnheiten an den eigenen vier Wänden und dem früheren Kinderzimmer hängen. Auch, weil durch die Preissteigerungen der Mieten eine neue Wohnung ähnlich viel oder sogar mehr als die alte, aber größere Wohnung kosten kann. Das verstärkt den sogenannten Lock-In-Effekt, der den Wohnungsmarkt zusätzlich blockiert.
Schleswig-Holstein: Touristenorte sind teuer
In Schleswig-Holstein werden die Hamburger Werte ebenfalls erreicht: In touristisch geprägten Landstrichen wie der Lübecker Bucht und an der Westküste sind deutlich über zehn Euro für den Quadratmeter keine Seltenheit. In Timmendorfer Strand soll die Wohnung sogar fast 15 Euro pro Quadratmeter kosten – im Schnitt also teurer als Hamburg.
Mecklenburg-Vorpommern: Günstige Wohnungen mit schlechter Anbindung
Lediglich in Mecklenburg-Vorpommern sind große Flächen mit günstiger Miete keine Ausnahme: Abseits der Küsten sind Mieten um die sieben Euro pro Quadratmeter keine Seltenheit, etwa im Bereich der Mecklenburgischen Seenplatte. Der Preis dafür ist allerdings oft eine schlechte Infrastruktur: Lange Wege, wenige Busse und Bahnen und eine hohe Arbeitslosigkeit prägen die Gegend.
Bezahlbarer Wohnraum bleibt eine große Herausforderung
Steigende Baukosten, knapper Wohnraum und starre Strukturen setzen den Mietmarkt im Norden weiter unter Druck. Um die Mieter zu entlasten, muss mehr gebaut werden. Aber auch Konzepte, um den verfügbaren Wohnraum besser zu nutzen, sind gefragt. Bezahlbare Wohnungen zu schaffen, bleibt auch in Norddeutschland eine große Herausforderung.
In einer früheren Version des Artikels wurden Rügen und Usedom fälschlich als Halbinseln bezeichnet. Richtig ist: Beide sind Inseln in der Ostsee. Der Fehler wurde korrigiert.