Wohnungen werden teurer: Mieten in Heide stark gestiegen
Bezahlbaren Wohnraum zu finden wird in vielen Gemeinden in Schleswig-Holstein schwieriger. Besonders betroffen von dem Anstieg der Angebotsmieten ist die Stadt Heide im Kreis Dithmarschen.
Wer vor zehn Jahren in Heide eine Wohnung gesucht hat, musste auf dem freien Markt im Schnitt 5,60 Euro pro Quadratmeter zahlen. Das hat sich im vergangenen Jahrzehnt deutlich geändert: Knapp 80 Prozent teurer sind die Angebotsmieten in der Stadt Heide 2025 im Vergleich zu 2015. Mit dieser Entwicklung ist Heide in Schleswig-Holstein nicht allein, aber ein besonders drastisches Beispiel. Das zeigen Zahlen von Value Marktdaten, die das NDR Datenteam ausgewertet hat.
Junge Familien finden nur schwer eine Wohnung
"Es ist schwer", sagt Kamel Yusef. Seit einem Jahr ist er in Heide schon auf Wohnungssuche. Jetzt hat er mithilfe eines Maklers eine Wohnung in Aussicht: 84 Quadratmeter Wohnfläche, 700 Euro warm. Das sind warm etwa 8,33 Euro pro Quadratmeter. Damit ist die Wohnung deutlich unter dem Durchschnitt in Heide: Fast zehn Euro Kaltmiete sind laut Value Marktdaten inzwischen üblich. Eigentlich wollte er trotzdem weniger ausgeben.
Wie Yusef geht es vielen bei der Wohnungssuche, sagt der Heider Makler Patrick Wiekhorst: "Viele Menschen in der Mittelschicht haben Schwierigkeiten, Wohnraum zu finden", sagt er - beispielsweise junge Familien, die nach der Geburt des ersten oder zweiten Kindes mehr Platz brauchen.
Die Daten zeigen: Überall im Norden sind die Angebotsmieten auf dem freien Markt gestiegen. Die prozentual größten Anstiege gab es aber nicht in Großstädten wie Hamburg oder Kiel, sondern in den touristisch geprägten Gemeinden an der Lübecker Bucht sowie in ländlichen Regionen und kleineren Städten wie Heide im Kreis Dithmarschen. Dort kostete der Quadratmeter 2015 noch 5,60 Euro kalt, 2025 sind es 9,80 Euro. Auch im restlichen Kreis Dithmarschen sind die Angebotsmieten abseits der Küste um mehr als sechzig Prozent gestiegen.
Ein Grund für steigende Mieten: hohe Baukosten
Thomas Bultjer von der Industrie- und Handelskammer Dithmarschen nennt einen Preistreiber: "Für die Bezahlbarkeit im Neubau sind die Baukosten ganz entscheidend". Diese sind auch laut Makler Wiekhorst zuletzt stark gestiegen. Zudem seien die Grundstücke deutlich teurer geworden. Auch die Nebenkosten seien gestiegen, was jedes Bauvorhaben in Heide deutlich teurer mache. Um die Baukosten wieder zu senken, hoffen Bultjer und Wiekhorst beide auf eine Vereinfachung von Baustandards und Vorgaben in Schleswig-Holstein. Das wird in Hamburg beispielsweise gerade erprobt.
Nachfrage nach Wohnraum in Heide ist gestiegen
Denn auch eine höhere Nachfrage bei wenig freien Wohnungen trägt dazu bei, dass höhere Mieten verlangt werden. Viele Menschen würden aus größeren Städten in die Region kommen. "Wir merken das schon vermehrt, dass tatsächlich Menschen aus den Ballungszentren Richtung Dithmarschen, Richtung Heide ziehen", so Wiekhorst. Auch die Pläne für Northvolt haben seinen Angaben zufolge die Nachfrage gerade nach möblierten Wohnungen noch weiter erhöht.
Wohnung in Heide jetzt teurer als in Flensburg
Dass die Mieten in Heide prozentual so stark gestiegen sind, liegt aber auch daran, dass sie vorher sehr niedrig waren. Seit 2015 sind die Mieten in Heide um etwa 4,33 Euro pro Quadratmeter gestiegen - etwa genauso viel wie in Hamburg (4,35 Euro). In Heide bedeutet das eine Steigerung von fast achtzig Prozent, in Hamburg nur etwas über vierzig Prozent.
Eine Wohnung an der Westküste ist somit nicht mehr so günstig, wie sie es einmal war. Waren 2015 noch nur in drei Prozent der Gemeindeverbände die Mieten niedriger als in Heide, sind jetzt etwa 30 Prozent der Gemeindeverbände günstiger. Mit dem Anstieg wird der Quadratmeter in Heide für Neumieterinnen und Neumieter leicht teurer als der Quadratmeter in Flensburg - das war 2015 noch umgekehrt.
Dithmarschen immer noch günstig im Landesvergleich
Die Mieten in Dithmarschen sind damit ähnlich teuer wie die im Norden Schleswig-Holsteins und liegen sogar über denen der südlichen Nachbarschaft um Itzehoe und Wilstermarsch. Da auch im Rest des Landes die Angebotsmieten gestiegen sind, gehört Dithmarschen damit aber immer noch zu den günstigeren Wohngegenden des Landes.