Israel-Iran-Konflikt: Steigen die Ölpreise noch weiter an?
Mit Blick auf die militärischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und dem Iran ist die Sorge groß, dass der Konflikt sich nachhaltig auf die Weltwirtschaft auswirkt. Viele Norddeutsche treibt vor allem die Frage um, wie sich der Ölpreis nun entwickelt.
An vielen Tankstellen im Norden ist der Konflikt zwischen Israel und dem Iran ein Thema - so wie beispielsweise im niedersächsischen Stade. "Klar, der Krieg in Nahost und die Entwicklung der Benzinpreise beschäftigt mich", sagt Autofahrer Jakob Schrimpf. Gerade hat er zu einem Preis von 1,63 Euro für Super getankt. "Das ist noch in Ordnung. Bis zu einem Preis von 1,70 Euro würde ich noch mitgehen, aber dann müsste ich mir etwas einfallen lassen." Einfach mal volltanken so wie früher, sei bei ihm schon länger nicht mehr drin, sagt Schrimpf.
Spritpreise sind kaum gestiegen
Dabei sind die Preise an den norddeutschen Tankstellen seit Beginn des aktuellen Israel-Iran-Konflikts nur leicht gestiegen - laut ADAC nur um wenige Cent. Selbst Analysten von Banken wundern sich, dass die Ölpreise infolge des Nahost-Krieges nicht noch stärker gestiegen sind. Zwar gab es zunächst einen deutlichen Preissprung von bis zu 13 Prozent, was der größte Preisanstieg seit dem Beginn des Ukraine-Krieges im Frühjahr 2022 war. Aber inzwischen sind die Ölpreise schon wieder gesunken.
Ölstaat Iran für den Westen nicht wichtig
Ein Grund dürfte sein: Der Iran spielt für die Ölversorgung des Westens keine große Rolle. Außerdem haben mehrere OPEC-Länder ihre Öl-Förderung schon erhöht. Ohnehin liegen die Rohölpreise zurzeit auf einem viel niedrigeren Niveau als unmittelbar nach Beginn des Ukraine-Krieges. Autofahrer Günter Clauberg hofft jedenfalls, dass die Spritpreise in Stade nicht weiter steigen. "Noch bin ich entspannt. Aber wenn die Preise über 2 Euro gehen, tanke ich nicht mehr."
Heizöl: Viele lassen jetzt den Tankwagen kommen
Bei Tim Zimmermann klingelt in diesen Tagen das Telefon häufiger als noch vor einer Woche. Er ist bei dem Unternehmen Team SE mit Sitz in Flensburg Verkaufsleiter für Norddeutschland - und zuständig für das Heizöl-Geschäft. Wegen der Nachrichten aus dem Nahen Osten fragen sich viele Hausbesitzer, ob sie den Tank ihrer Ölheizung schon jetzt im Sommer füllen lassen. "Wir haben die Auftragszahlen ausgewertet in den letzten Tagen. Dabei hat sich gezeigt: Wir verzeichnen gerade doppelt so viele Aufträge in den letzten Tagen wie im Vergleichszeitraum im Vorjahr", sagt Zimmermann. Das seien gleich einige Tausend Aufträge mehr.
Heizöl-Kunden fragen viel nach Preisen
Einer, der für das Unternehmen mit dem Tankwagen unterwegs ist, ist Fahrer Uwe Mehler - in Stade und Umgebung. In seinen Tankwagen passen 18.000 Liter Öl. Das reicht für sechs Haushalte. Bei vielen seiner Kunden nimmt er aktuell eine große Verunsicherung wahr. "Die Kunden fragen viel nach Preisen. Und wenn ich jetzt irgendwo vorfahre, kommen auch gleich die Nachbarn an und fragen: 'Wissen Sie die Heizöl-Preise? Wie teuer ist das jetzt?' Gerade viele ältere Leute, die schlechteres Internet haben, fragen ganz viel."
Die Sorge, dass die Preise für Heizöl noch deutlich steigen, ist offenbar weit verbreitet. Aber mit Blick auf das Heizöl kann Verkaufsleiter Tim Zimmermann versprechen, dass zumindest die Versorgung nicht gefährdet sei. "Man braucht jetzt in Panik zu verfallen. Die Tanklager sind reichlich gefüllt. Es ist genug Ware da."
Blockade der Straße von Hormus - was dann?
Aber viele Experten sind sich sicher: Sollte sich der Konflikt im Nahen Osten ausweiten und in die Länge ziehen, dann droht der globalen Wirtschaft - und damit auch Deutschland - ein Rückschlag. Denn dann dürfte Öl doch noch teurer werden. Und dann könnten auch die Preise für viele andere Produkte anziehen, auch bei Lebensmitteln. Denn höhere Energiekosten sind ein Preistreiber.
Eine Sorge ist, dass der Iran die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman - die Straße von Hormus - für den Schiffsverkehr blockieren könnte. Das ist eine der wichtigsten Routen für den internationalen Öltransport. Schließlich ist die Golf-Region mit Ländern wie Saudi-Arabien und Kuwait insgesamt für etwa 20 bis 25 Prozent der weltweilten Produktion verantwortlich.
Aber auch bei diesem Szenario gibt es einen Ausweg: Sollte der Iran wirklich die Straße von Hormus blockieren, könnten andere Länder ihre Lieferungen steigern. Und Erdöl-Giganten wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate könnten - zumindest im gewissen Umfang - auf Pipelines über Land ausweichen. Dies würde die Folgen einer Seeblockade zumindest abschwächen - und dafür sorgen, dass auch an norddeutschen Tankstellen die Spritpreise voraussichtlich nicht dramatisch steigen.