Heizöl: Preis durchbricht 180 Euro-Marke - Strompreis ist stabil
Heizöl ist in Schleswig-Holstein mehr als doppelt so teuer wie vor Beginn des Iran-Kriegs. Auch neue Gasverträge werden teuer. Strom bleibt stabil. Eine Übersicht mit Grafiken zur Preisentwicklung.
Solche Extrempreise für Heizöl wie in diesem September gab es bisher nur ein einziges Mal: Im März 2022, kurz nach dem russischen Angriff auf die Ukraine, stieg der Preis für eine Woche auf mehr als 180 Euro pro 100 Liter, um dann wieder deutlich zu fallen. Die Konsequenzen der Krise im Nahen Osten wirken sich langfristiger aus.
1.600 Euro Zusatzkosten für mittleres Haus
Wer jetzt zum Beginn der Heizperiode Heizöl tankt, muss somit tief in die Tasche greifen. Für ein mäßig gedämmtes Einfamilienhaus mit einem Heizbedarf von 20.000 Kilowattstunden und einem effizienten Brennwertkessel bedeutet das einen Anstieg der jährlichen Rechnung von etwa 2.000 Euro auf mehr als 3.600 Euro im Vergleich zum vergangenen Jahr. Händler in Schleswig-Holstein berichten, dass einige Kunden deshalb kleinere Mengen als sonst bestellen.
Preis für Heizöl: Nur wenig Bewegung von 2023 bis 2025
Aktuell gelten der Engpass an der Straße von Hormus am Persischen Golf und das Fehlen einer politischen Perspektive als einige der Haupttreiber für hohe Öl- und Gaspreise. Produktionsanlagen sind zum Teil beschädigt. Auch Saudi-Arabien musste nach den Angriffen auf eine Pipeline seinen Export drosseln.
Nadelöhr am Persischen Golf
Der Iran gehört zu den zehn größten Ölförderländern weltweit. Ein anhaltender Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran könnte deshalb dauerhaft die Handelswege beeinträchtigen. Durch die schmale Wasserstraße von Hormus am Persischen Golf etwa wird knapp ein Viertel des weltweiten Ölhandels abgewickelt.
Generell wird der Ölpreis durch politische Ereignisse, aber auch die Fördermengen beeinflusst. Schon im Juni 2025 war er durch den Angriff Israels unter anderem auf Öl- und Gasfelder sowie Atomanlagen im Iran kurz angestiegen, hatte sich dann aber wieder stabilisiert. Noch im Mai 2025 lag der Preis im Durchschnitt bei 87 Euro pro 100 Liter. Das war nach einer Analyse des Vergleichsportals Verivox so wenig wie seit zwei Jahren nicht.
Alte Ölheizungen fast so teuer wie Heizlüfter
Der aktuelle Heizölpreis entspricht je nach Effizienz der Anlage und Lieferort etwa 18,0 bis 25,8 Cent pro Kilowattstunde an Wärmeenergie. Kunden spüren die Auswirkungen sofort. Ältere Ölheizungen sind damit im Betrieb inzwischen fast genauso teuer wie Heizlüfter.
Heizölpreise: Unterschiede in Schleswig-Holstein
Die Heizölpreise unterliegen Experten zufolge oft starken Schwankungen. Von Ort zu Ort seien die Unterschiede bei entspannter Marktlage nur gering. Momentan lohne dagegen ein Vergleich von Anbietern. Hier ließen sich mehr als Hundert Euro bei einer kompletten Tankfüllung sparen.
Wirkungsgrad auch beim Gas wichtig
Der günstigste Gasvertrag wird laut Verivox im September im Gebiet der SH-Netz mit knapp 12 Cent pro Kilowattstunde angeboten. Damit hat sich der Preis in den vergangenen fünf Jahren etwa verdoppelt. Auch hier kann ein schlechter Wirkungsgrad das Heizen zusätzlich verteuern. Ein weiterer Anstieg ist möglich, da der Großhandelspreis für Erdgas ebenfalls klettert: Er hat das höchste Niveau seit Ende 2022 erreicht.
Fernwärme mit großer Preisspanne, Wärmepumpen heizen günstig
Fernwärmepreise in Schleswig-Holstein bewegen sich aktuell zwischen 6,5 und 21,7 Cent und weisen damit starke regionale Unterschiede auf. Wärmepumpen mit eigenem Stromzähler haben in den meisten Fällen die geringsten Verbrauchskosten von etwa sechs bis neun Cent pro thermischer Kilowattstunde. In sanierten oder neuen Häusern, die in den Heizkörpern mit 50 Grad und weniger auskommen, funktionieren sie am effizientesten.
Strompreise auf stabilem Niveau
Die Strompreise für Neuverträge sind im Vergleich zu den Jahren vor der Energiekrise kaum gestiegen. Der Börsenstrompreis weist Mitte September allerdings in vielen Stunden, getrieben durch den Gaspreis, ein sehr hohes Niveau von 20 Cent auf.
Entscheidend für die Endkunden sind aber die "Futures". Händler decken sich schon jetzt für die kommenden Jahre ein. Für 2027 und 2028 ist ein Anstieg zu beobachten, für die weiteren Jahre bis 2036 jedoch wieder ein Rückgang auf das aktuelle Niveau von sieben Cent. Zum Großhandelspreis kommen für alle Verbraucher dabei noch Netzentgelte und Abgaben hinzu.
Ölheizungen in SH vor allem auf dem Land
2022 heizte nach dem Mikrozensus noch knapp jeder fünfte Haushalt in Schleswig-Holstein mit Öl. Und in vielen Dörfern und Einzellagen, in denen kein Erdgasanschluss zur Verfügung steht, ist Öl weiterhin der am meisten genutzte Energieträger.
Dabei ist die Technik ein Auslaufmodell, zumal Öl- sowie auch Gasverbrennung den Klimawandel vorantreiben. Rund zwei Cent pro Kilowattstunde bzw. 20 Euro pro 100 Liter zahlen Nutzer von Heizöl deshalb als CO2-Preis. Die weitere Entwicklung hängt vom EU-Emissionshandel ab. Erwartet wird, dass diese Komponente steigt.
Globale Abhängigkeiten
Durch den hohen Ölpreis bleibt auch die Förderung in den USA lukrativ. Denn hier sind die Produktionskosten bei der besonders umweltschädlichen Fracking-Methode höher als andernorts. Die USA sind derzeit der weltweit größte Produzent. Auf Platz zwei folgt Russland, das einen hohen Ölpreis benötigt, um die Kriegskassen zu füllen. Saudi-Arabien auf Platz drei schraubte 2025 die Fördermengen hoch, um Marktanteile zurückzugewinnen.
Nachfrage sinkt durch Trumps Zölle und E-Auto-Boom
Gleichzeitig hat die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump für Unsicherheiten in der Weltwirtschaft gesorgt. Der Ukraine-Krieg dauert an und dämpft das Wachstum in Europa. Vor allem in China fahren immer mehr E-Autos, sodass der Ölbedarf dort sinkt. Mittelfristig ist das auch global der Fall. Die Folge wäre ein übersättigter Markt. Trotzdem bleiben Prognosen schwierig.
Bundesregierung reduziert Klimaschutz-Vorgaben
Beim Einbau einer neuen Heizung in einem bestehenden Gebäude besteht in Schleswig-Holstein die Pflicht, mindestens 15 Prozent erneuerbare Energieträger zu berücksichtigen. Der Bund verlangt nach dem neuen Gebäudeenergiegesetz (GEG) erst ab 2029 eine Vorgabe von 10 Prozent klimafreundlicher Brennstoffe beim Einbau neuer Heizungen. Der Anteil soll danach steigen. Die bisherige Regelung, dass mindestens 65 Prozent erneuerbare Energie für neue Anlagen genutzt werden muss, haben CDU und SPD gekippt.
Betrieb bis 2044?
Am Ziel der Klimaneutralität im Jahr 2045 wollen CDU und SPD im Bund aber festhalten. In Schleswig-Holstein hat sich die Landesregierung das Ziel der vorgezogenen Klimaneutralität im Jahr 2040 gesetzt. Im Energiewende- und Klimaschutzgesetz (EWKG) des Landes finden sich allerdings keine Regelungen zur Stilllegung von Heizungsanlagen.