Fast 400 Stunden Unterschied: Wo die Sonne im Norden scheint
Zwischen einigen Orten im Norden liegen fast 400 Stunden Unterschied bei der Sonnenscheindauer im Jahr. Das zeigen Wetter- und Satellitendaten. Rügen sticht als Sonneninsel heraus, für den Harz fällt die Bilanz dagegen düster aus.
Gut vier Stunden: So lange scheint die Sonne im Durchschnitt täglich in Norddeutschland. Im Jahr sind es knapp 1.600 Stunden. Je nach Wohnort kann der Unterschied allerdings mehrere Hundert Sonnenstunden betragen. Das zeigen Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) aus mehreren Jahrzehnten, die das NDR Datenteam ausgewertet hat.
Wann scheint die Sonne am meisten?
Wie überall folgt auch in Norddeutschland der Sonnenschein einem jahreszeitlichen Rhythmus. Im Januar kommen viele Gemeinden kaum auf 40 Stunden Sonne im gesamten Monat - umgerechnet nicht einmal anderthalb Stunden pro Tag. Dann steigen die Werte kontinuierlich an. Seinen Höhepunkt erreicht der Sonnenschein im Mai: Mit durchschnittlich rund 222 Stunden ist er der sonnigste Monat im Norden, noch vor Juni und Juli.
Ab August geht es dann wieder deutlicher bergab. Von November bis Februar regiert im Norden verlässlich das Grau.
Sonnenrekord abhängig von Region
Die Jahressummen der Sonnenstunden schwanken von Jahr zu Jahr erheblich. Langfristige klimatische Entwicklungen stehen bei dieser Analyse nicht im Fokus. Was die Daten aber zeigen: 1959 war mit knapp 2.000 Stunden eines der sonnigsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen in Norddeutschland. Auch in jüngerer Vergangenheit gab es ausgesprochen sonnenreiche Jahre im Norden. Besonders in den Jahren 2003, 2018 und 2022 schien die Sonne überdurchschnittlich viel.
Was dabei auffällt: Es gibt nicht das eine Rekordjahr für den gesamten Norden. In sechs verschiedenen Jahren, verteilt über mehrere Jahrzehnte, wurde irgendwo in Norddeutschland ein lokaler Sonnenrekord aufgestellt. Welches Jahr wo am sonnigsten war, hängt stark davon ab, wie die jeweilige Großwetterlage eine Region getroffen hat.
Rügen strahlt, der Harz bleibt eher dunkel
Die Verteilung der Sonnenstunden im Norden ist alles andere als gleichmäßig. Die Auswertung der rund 2.800 Gemeinden zeigt, dass zwischen der sonnigsten und der dunkelsten Gemeinde mehr als 400 Stunden pro Jahr liegen.
Ganz oben steht Putgarten auf Rügen mit durchschnittlich rund 1.872 Sonnenstunden im Jahr. Auch die übrigen Spitzenplätze gehen fast ausnahmslos an die Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns. Rostock kommt auf gut 1.740 Stunden, Schwerin auf knapp 1.660.
Je östlicher desto sonniger
Am anderen Ende der Skala: der Harz. Bad Grund bringt es im Schnitt nur auf knapp 1.442 Sonnenstunden – fast ein Fünftel weniger als Putgarten. Auch Clausthal-Zellerfeld und Osterode am Harz bleiben deutlich unter 1.500 Stunden. Die großen Städte liegen dazwischen: Hamburg bei beinahe 1.580, Bremen bei 1.553, Hannover bei 1.537 Stunden.
Auffällig ist dabei der West-Ost-Verlauf: Je weiter östlich, desto mehr Sonne gibt es im Schnitt. Schaut man sich hingegen einzelne, besonders sonnenärmere Monate an, ergibt sich kein so klares Bild.
Dass der Nordosten mehr Sonne abbekommt als der Südwesten führt der DWD auf die Westwindzone, das Abregnen feuchter Luftmassen beim Transport nach Osten, die im Frühling und Frühsommer stabilisierende kühle Ostsee sowie Staueffekte an den ersten Mittelgebirgsausläufern zurück.
Und wie läuft 2026 bisher?
Wie sonnig das laufende Jahr ist, lässt sich auch tagesaktuell verfolgen - mit Satellitendaten. Die SARAH-3-Daten des europäischen Wettersatellitendienstes EUMETSAT erfassen die Sonnenscheindauer Tag für Tag. Die Grafik zeigt, wo 2026 gerade steht – im Vergleich zu allen Jahren seit 2000.