Balkonkraftwerk an einem Mehrfamilienhaus
AUDIO: In diesen Regionen boomen Balkonkraftwerke (1 Min)

Balkonkraftwerke: Das sind die Spitzenreiter im Norden

Stand: 10.07.2026 08:02 Uhr

Von der Sonne über das Balkonkraftwerk in die Steckdose. Dieses simple Prinzip ist im Norden beliebt. NDR Data hat die Boom-Regionen ausgewertet und zeigt, wann sich die Norddeutschen Balkonkraftwerke besonders gerne anschaffen.

von Hanna Weckenmann und Leven Wortmann

Spätestens seit 2022 boomen Balkonkraftwerke in Deutschland. Ein Balkonkraftwerk ist eine kleine Solaranlage, die Strom über einen Stecker direkt in den Haushalt einspeist.

Der Boom von Balkonkraftwerken hat viele Gründe

"Sie rentieren sich sehr schnell, sind sehr günstig und die Einstiegshürde ist sehr gering”, sagt Solarexpertin Sarah Kajari-Schröder über den Boom von Balkonkraftwerken. Sie leitet die Abteilung Erneuerbare Energien der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen.

In den vergangenen Jahren ist die Anschaffung deutlich einfacher geworden: Für den Anschluss ist kein Elektriker mehr nötig, ein haushaltsüblicher Stecker reicht aus, seit 2023 entfällt zudem die Mehrwertsteuer.

Auch die Anmeldung wurde vereinfacht. Zudem haben Mieterinnen und Mieter inzwischen einen Anspruch darauf, sich ein Balkonkraftwerk zu installieren.

Auch weltweite Konflikte treiben die Nachfrage

Die Kriege in der Ukraine und im Iran seien auch ein Grund für die gestiegene Nachfrage. Die fossilen Energien seien nicht mehr verlässlich und könnten plötzlich irrsinnige Preissprünge machen, so Gunther Seckmeyer. Er ist Professor am Institut für Meteorologie und Klimatologie der Leibniz Universität Hannover.

"Die erneuerbare Energie, die ich vor Ort erzeugen und nutzen kann, ist auf dem Vormarsch. Solarenergie ist jetzt schon fast in allen Ländern der Erde die billigste Energieform, die wir haben. Daher ist es sogar verwunderlich, dass es nicht noch schneller geht."

In Norddeutschland gibt es starke regionale Unterschiede. Niedersachsen sticht bundesweit mit besonders vielen Balkonkraftwerken heraus. Der Landkreis Friesland verzeichnet mit 32,2 Balkonkraftwerken pro 1.000 Einwohnern sogar den höchsten Wert in ganz Deutschland. Auch die Landkreise Oldenburg, Peine, Holzminden und Celle liegen auf einem ähnlich hohen Niveau.

Friesland mit Spitzenwert bundesweit

In Friesland war man sich dieser außergewöhnlichen Position offenbar gar nicht bewusst. "Überrascht uns aber nicht“, so die Antwort des Landkreises gegenüber dem NDR. Das Thema erneuerbare Energien würden sie in Friesland seit Jahren vorantreiben, und ein großes Interesse vor Ort wahrnehmen. Und das, obwohl es aktuell weder auf Landesebene noch auf Kreisebene ein Förderprogramm für Balkonkraftwerke gibt.

Unterstützung gibt es unter anderem durch ein Solarkataster. Mit diesem Grundstücksverzeichnis kann überprüft werden, wie gut die eigene Immobilie für Photovoltaikanlagen geeignet ist. In dem Kataster ist erkennbar, dass Friesland über einen hohen Anteil an Eigenheimen sowie viele Gebäude mit geeigneten Dach- und Balkonflächen verfügt. Aus der Antwort aus dem Kreisamt geht auch hervor: Als Küstenregion ist Friesland besonders vom Klimawandel betroffen, demnach spiele der Klimaschutz für die Menschen vor Ort eine bedeutende Rolle.

Großstädte können im Pro-Kopf-Vergleich nicht mithalten

In Städten liegen die Pro-Kopf-Werte deutlich niedriger. Hamburg kommt mit 5,7 Balkonkraftwerken pro 1.000 Einwohner auf einen der niedrigsten Werte bundesweit. In größeren Städten eignet sich nicht jeder Balkon für eine Anlage. Viele liegen in dicht besiedelten Räumen im Schatten.

Auch das neue Wohnungseigentumsgesetz, das Vermieter ein Balkonkraftwerk nur noch aus triftigem Grund verbieten lässt, habe sich laut Seckmeyer noch nicht überall herumgesprochen.

Auf dem Land ist die Situation anders: "Wenn der Nachbar schwärmt, es läuft ganz toll und ich spare jetzt schon so viel Energie, dann denken sich viele, wenn es der Nachbar macht, dann kann ich das auch“, so Seckmeyer. Dieser Nachahmungseffekt sei auf dem Land viel stärker. Balkonkraftwerke seien dann häufig der erste Schritt, sich auch eine größere Solaranlage anzuschaffen.

Neben dem Stadt-Land-Gefälle zeigt sich auch ein saisonaler Trend. Im Sommer werden jedes Jahr mehr Balkonkraftwerke neu angemeldet als im Winter: Mehr Sonne, mehr Strom. Auch hier sticht Niedersachsen im norddeutschen Vergleich heraus. Seit 2020 verzeichnet das Flächenland Niedersachsen monatlich die meisten Neuanmeldungen.

Diesen Sommer stagniert die Zahl zunächst. Laut Kajari-Schröder sei der Markt aber noch lange nicht gesättigt.

Ein Balkonkraftwerk am Balkon eines Mehrfamilienhauses.

Der Betrieb von Balkonkraftwerken ist über eine normale Haushaltssteckdose möglich. Was kosten die Anlagen?

Ein Balkonkraftwerk in Hamburg.

Der Bundesnetzagentur zufolge sind in der Stadt derzeit 9.100 Geräte in Betrieb. Eines davon kann bis zu 20 Prozent des Strombedarfs decken.

Zwei Solarpanels hängen an einem Balkon.

E-Autos, Balkonkraftwerke und Wärmepumpen legen zu, neue PV-Anlagen auf dem Dach schwächeln. Der Sprung nach vorn bleibt aus. Woran liegt das?

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