Synapsen: Patientenkommunikation - zu Risiken und Nebenwirkungen ...
Stand: 05.04.2024 06:00 Uhr
Arzt und Patient reden im Sprechzimmer zu wenig - und oft aneinander vorbei. Die Forschung sagt: Das könnte und müsste längst anders sein.
Keine acht Minuten dauert ein Gespräch zwischen Arzt und Patient in Deutschland im Durchschnitt. Und schon nach knapp 20 Sekunden werden die Patienten das erste Mal unterbrochen, das hat eine Studie in Berliner Hausarztpraxen ergeben. Dabei schreibt das Patientenrechtegesetz von 2013 eigentlich vor, dass jeder über seine Behandlung mitentscheiden darf, und auch die evidenzbasierte Medizin beruht darauf. Doch Kostendruck, veraltete Rollenbilder und mangelnde Kommunikationskompetenz verhindern den gut informierten, mündigen Laien in der Sprechstunde.
Die Medizinjournalistin Silke Jäger hat recherchiert, was die Forschung über die Kommunikation im Sprechzimmer weiß, wie weit Reformansätze in Medizinstudium und Facharztausbildung sind und wie sich das auf die Krankheitsrisiken ärmerer und bildungsferner Menschen auswirkt. Im Gespräch mit Host Lucie Kluth berichtet sie, dass sogar zu viel Antibiotika-Verordnungen mit dem Kommunikationsproblem zu tun haben, warum Symptomchecker oft nur heimlich genutzt werden, Smileys eine Schlüsselfunktion haben können - und inwiefern gleich zwei Standorte in Schleswig-Holstein leuchtende Positivbeispiele darstellen.
Kommunikation in der Medizin: Jünger J, Hinding B.: Leitfaden zur Implementierung des nationalen longitudinalen Mustercurriculums Kommunikation in der Medizin, Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen, impp
Böttcher M, Steinhäuser J, Götz K: Das hausärztliche Gespräch - ein qualitativer Blick auf die Erlebniswelt von Arzt und Patient. Zeitschrift für Allgemeinmedizin. 2016; 92: 438–444
Engler NJ, Steinhäuser J, Strumann C: Psychometrische Testung des "General Practicioner-Patient-Relationship-Questionnaire" als Instrument für Qualitätsarbeit in Deutschland. Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen. 2023;117: 41–47
Sprech- und Sprachwissenschaftler:innen untersuchten die Frage, wie in geburtsvorbereitenden Gesprächen sichergestellt wird, dass Schwangere wichtige Informationen bekommen und verstehen: Hannken-Illjes K, Giessler T, Honegger S, Kleschatzky E, Völker I: Schwangere beraten: Verstehen, Relevanzsetzung und Wissen in Gesprächen der Schwangerenberatung
Irving G, Neves AL, Dambha-Miller H, et al: International variations in primary care physician consultation time: a systematic review of 67 countries British Medical Journal Open. 2017;7: e017902
Bär T: Die spontane Gesprächszeit von Patienten zu Beginn des Arztgesprächs in der hausärztlichen Praxis. Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades Doctor medicinae (Dr. med.)
Schäffer D, Berens EM, Gille S, Krise L, Klinger J et al: Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland vor und während der Corona Pandemie. Ergebnisse des HLS-GER 2. Interdisziplinäres Zentrum für Gesundheitskompetenzforschung, Universität Bielefeld, Hertie School Berlin
Schäffer D, Haarmann A, Griese L: Professionelle Gesundheitskompetenz ausgewählter Gesundheitsprofessionen in Deutschland. Ergebnisse des HLS-PROF-GER. Stiftung Gesundheitswissen, Robert Bosch Stiftung, Hertie School, Universität Bielefeld
Gesundheit hoch 3 - Wie gelingt die Verknüpfung von Gesundheitsförderung, -kompetenz und -kommunikation? Vortrag von Prof. Orkan Okan auf dem 20. Jahrestreffen des Kooperationsverbundes Gesundheitliche Chancengleichheit
Hier werden Gesundheitsfragen wissenschaftlich betrachtet - in aller Tiefe und immer mit Blick für das, was Gesundheit mit Umwelt und Klima verbindet: One Health.
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NDR Info | Synapsen – ein Wissenschaftspodcast | 05.04.2024 | 06:00 Uhr