Täglich ein Gedicht: NDR Kultur sendet im August unter anderem Lyrik von Christian Morgenstern, Loriot, Thomas Bernhard und Thomas Kunst. Einige Gedichte aus dem Programm finden Sie hier auch in Schriftform.
Ein Hecht, vom heiligen Antón bekehrt, beschloß, samt Frau und Sohn, am vegetarischen Gedanken moralisch sich emporzuranken.
Er aß seit jenem nur noch dies: Seegras, Seerose und Seegrieß. Doch Grieß, Gras, Rose floß, o Graus, entsetzlich wieder hinten aus.
Der ganze Teich ward angesteckt. Fünfhundert Fische sind verreckt. Doch Sankt Antón, gerufen eilig, sprach nichts als: „Heilig! heilig! heilig!“
Dein Antlitz war mit Träumen ganz beladen. Ich schwieg und sah dich an mit stummem Beben. Wie stieg das auf! Daß ich mich einmal schon In frühern Nächten völlig hingegeben
Dem Mond und dem zuviel geliebten Tal, Wo auf den leeren Hängen auseinander Die magern Bäume standen und dazwischen Die niedern kleinen Nebelwolken gingen
Und durch die Stille hin die immer frischen Und immer fremden silberweißen Wasser Der Fluß hinrauschen ließ – wie stieg das auf
Wie stieg das auf! Denn allen diesen Dingen Und ihrer Schönheit - die unfruchtbar war - Hingab ich mich in großer Sehnsucht ganz, Wie jetzt für das Anschaun von deinem Haar Und zwischen deinen Lidern diesen Glanz!
Sie lernte Stenographin. Er war Engros-Kommis. Im Speisewagen traf ihn ein Blick. Er liebte sie.
Auf einer Haltestelle brach man die Reise ab, woselbst er im Hotelle sie als sein Weib ausgab.
Nicht viel, dass man sich fragte. Doch küssten sie genug. Und als der Morgen tagte, ging schon der nächste Zug.
Nach einer kurzen Stunde fand ihre Fahrt den Schluss. Er nahm von ihrem Munde noch einen heißen Kuss.
Er sah sie schnupftuchwinkend noch stehn zum letzten Mal, und in sein Auge blinkend sich eine Träne stahl.
Er soll sie heut noch lieben. Sie war so drall und jung. Ihr ist ein Kind geblieben und die Erinnerung.
Ich bin ein armer Schreiber nur, Hab weder Haus noch Acker, Doch freut mich jede Kreatur, Sogar der Spatz, der Racker.
Er baut von Federn, Haar und Stroh Sein Nest geschwind und flüchtig, Er denkt, die Sache geht schon so, Die Schönheit ist nicht wichtig.
Wenn man den Hühnern Futter streut, Gleich mengt er sich dazwischen, Um schlau und voller Rührigkeit Sein Körnlein zu erwischen.
Maikäfer liebt er ungemein, Er weiß sie zu behandeln; Er hackt die Flügel, zwackt das Bein Und knackt sie auf wie Mandeln.
Im Kirschenbaum frißt er verschmitzt Das Fleisch der Beeren gerne; Dann hat, wer diesen Baum besitzt, Nachher die schönsten Kerne.
Es fällt ein Schuß. Der Spatz entfleucht Und ordnet sein Gefieder. Für heute bleibt er weg vielleicht, Doch morgen kommt er wieder.
Und ist es Winterzeit und hat’s Geschneit auf alle Dächer, Verhungern tut kein rechter Spatz, Er kennt im Dach die Löcher.
Ich rief: Spatz, komm, ich füttre dich! Er faßt mich scharf ins Auge. Er scheint zu glauben, daß auch ich Im Grunde nicht viel tauge.
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