Hörspiel des Monats Februar 2026: Damaskus danach
"Damaskus danach" heißt ein aktuelles NDR Hörspiel des syrischen Autors Mudar Alhaggi. Die Geschichte erzählt vom Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 aus Sicht eines Syrers im Exil.
Am 8. Dezember 2024 fällt überraschend die Assad-Diktatur. Doch Fares – ein syrischer Musiker im Berliner Exil – ist nicht nach Feiern zumute. Seine Freunde sind irritiert. 2011, im arabischen Frühling, führte er die Demonstrationen mit seinen Songs an. Sie setzten sich für Demokratie und Freiheit ein. Daran will die Band von damals anknüpfen und wieder in Damaskus auftreten.
Auch Fares‘ Familie wünscht sich, er solle mit ihnen aus dem Exil zurückkehren, ein neues Syrien aufbauen. Aber zuerst muss Fares sich mit einem belastenden Erlebnis aus dem Krieg konfrontieren.
Hörspiel des Monats Februar 2026
"Damaskus danach" ist keine Heldengeschichte. Es sind Sätze wie "Ich fühle irgendwie gar nichts außer Angst", "ein erfahrener Gläubiger lässt sich nicht zweimal von derselben Freude anstacheln" oder "Das Beste ist, dass man keine Hoffnung mehr hat, dann kann einen auch nichts schockieren", die uns von eine Gefühlswelt jenseits der Schlagzeilen berichten, von einer inneren Zerrissenheit und der Angst vor Missbrauch von Hoffnung und Utopie. Diese Ambivalenz in den Vordergrund zu stellen, in einer Zeit, in der es einfache Wahrheiten viel leichter haben als komplexe Erzählungen – das ist das Besondere an "Damaskus danach". Das Verwischen von Grenzen zwischen Wahn und Realität, als Folge traumatischer Erlebnisse von Diktatur und Krieg, spiegelt sich in den immer wiederkehrenden Alpträumen des Protagonisten. Aber auch scheinbar unvereinbare Positionen zwischen Freunden und Familien, die alle unterschiedlich auf den Sturz Assads reagieren, sind Teil der Erzählung. Die Lösung: aushalten und trotzdem im Gespräch zu bleiben – auch davon erzählt "Damaskus danach" und gibt damit mehr Hoffnung als jede Heldengeschichte, auch wenn einen der Alptraum zum Schluss immer wieder einholt. Die Begründung der Jury
Was bringt die Zukunft für Syrien?
Schauspieler Mouataz Alshaltouh verkörpert im Hörspiel die Hauptfigur Fares. Alshaltouh kam 2015 aus Syrien nach Hamburg. Er lernte Deutsch und wurde später an der renommierten Ernst-Busch-Schule ausgebildet.
"Es gibt viele Syrer, denen es so geht wie Fares und die unsicher sind, was die Zukunft wohl bringen wird. Das kann ich gut verstehen. Alle wollen wissen, wie es nun mit unserem Land weitergeht und das Hörspiel bringt auf den Punkt, wie unterschiedlich die Menschen in die Zukunft schauen", sagt Mouataz Alshaltouh, der selber eine optimistische Haltung hat.
Fares, die Hauptfigur des Hörspiels, hatte früher große Hoffnungen. Als die friedlichen Demonstrationen in Syrien 2011 begannen, glaubte er fest an eine demokratische Zukunft für sein Land. Doch nachdem die Revolution blutig niedergeschlagen wurde und Fares‘ Bandkollege Ghassan nicht aus der Haft zurückkehrte, begann Fares an allem zu zweifeln. Er floh nach Deutschland. Dort sucht er Stabilität – und ein "Leben ohne Drama":
Suche nach Stabilität
Und jetzt bin ich schon zehn Jahre hier. Habe mich akklimatisiert, mich an die Kälte und an ein Leben ohne Sonne gewöhnt. (…) Ich finde es jetzt normal, fünf Tage die Woche zu arbeiten und am Wochenende etwas zu unternehmen. Ich weiß jetzt, dass ich mich, wenn ich jemanden besuchen will, einen Monat vorher mit ihm verabreden muss. Alles durchgetaktet, wie bei einer Maschine. Man übergibt sich dieser Maschine, geht dabei drauf und merkt es nicht mal. Aber das Beste ist, dass man dabei keine Hoffnung hat. Dann kann einen auch nichts mehr schockieren. Ausschnitt Hörspiel "Damaskus danach"
"'Damaskus danach' war für mich ein ungewöhnliches Hörspiel", sagt der syrische Autor Mudar Alhaggi, von dem das Manuskript stammt. "Die Redaktion hat mich eingeladen, ein Stück über die Situation in Syrien nach dem Sturz zu schreiben. Ein Hörspiel über eine Lage zu entwickeln, die gerade erst entstanden ist und die alles so sehr auf den Kopf stellt, war eine Herausforderung", sagt Alhaggi. "Im Hörspiel habe ich versucht, durch unterschiedliche Figuren einzufangen, in welchem Spannungsfeld wir stehen – zum Beispiel zwischen ehemaligen Hoffnungen, die durch den Krieg in Resignation umgeschlagen sind, und einem echten Glauben, dass ein Neuanfang möglich ist – für den Fares‘ Bandkollege Raschid steht".
Syrisch geprägter Cast
Die Schauspielerinnen und Schauspieler in "Damaskus danach" stammen größtenteils aus Syrien und anderen arabischen Ländern. "Die Schauspielerinnen und Schauspieler, die ins Studio kamen, haben den Umbruch in Syrien am 8. Dezember 2024 sehr genau verfolgt", sagt Regisseurin Anouschka Trocker. "Und einige sind in der Zwischenzeit auch selbst vor Ort gewesen und haben ihre Familien nach 14 Jahren zum ersten Mal wieder getroffen. Und dies hat die Produktion immens angereichert", merkt Trocker an. "Die Schauspielenden haben einen leichten Akzent und können alle Namen und Ortsbezeichnungen mit einer Natürlichkeit aussprechen. Dies war mir wichtig, um dem Land und den Menschen gerecht zu werden, von denen das Hörspiel handelt".
"Damaskus danach" von Mudar Alhaggi finden Sie in ARD Sounds für zwölf Monate zum kostenlosen Download, im Feed "ARD Hörspiel-Speicher".