"Coming Home": Mitreißendes Jubiläumskonzert der Scorpions in Hannover

Stand: 06.07.2025 17:05 Uhr

Unter dem Titel "Coming Home" gaben die Scorpions in der Heinz von Heiden Arena in Hannover ein Konzert zu ihrem 60. Bandjubiläum. Das einzige Deutschlandkonzert der Scorpions war ausverkauft, Fans reisten sogar aus dem Ausland an.

von Uli Kniep

"Coming Home" - die Scorpions sind Spätheimkehrer: Eine halbe Stunde lassen sie die Fans auf das ersehnte Heimspiel warten. Als aber die La-Ola der Ungeduld weicht und erste Pfiffe laut werden, flammen endlich die Bühnenlichter auf. Sänger Klaus Meine schreitet um 21.50 Uhr durch künstlichen Bodennebel auf die Bühne. Sofort bricht sich lauter Jubel Bahn: Die ganze Band ist wohlauf, die Show kann beginnen!

Die Scorpions bei einem Auftritt in der Heinz-von-Heiden-Arena in Hannover.
7 Bilder

"Rock 'n' Roll forever"

Klaus Meine nach OP noch vorsichtig

Eine Bühne in einem vollen Stadio, in dem ein Konzert gespielt wird. Vor der Bühne stehen viele Menschen
Die Hard-Rock-Band hat sich 1965 in Sarstedt bei Hannover gegründet.

Meines Bewegungen wirken noch seltsam hölzern, eine Wirbelsäulenoperation scheint nicht ohne Nachwirkungen geblieben zu sein. Doch die Stimme ist noch immer unverkennbar, auch wenn der Frontmann die Höhen meidet. Nun stimmt Gitarrist Rudolf Schenker den Bluesrock "The Zoo" an, sein Partner Matthias Jabs glänzt dabei mit seinem Solo an der Talk Box. Fortan duellieren sich die beiden Instrumentalisten, während Bassist Paweł Mąciwodat und Schlagzeuger Mikkey Dee das verlässliche rhythmische Rückgrat der Gruppe bilden.

Scorpions laden Ex-Kollegen aus

Ein Mann gibt Autogramme an einem Tisch. Um den Tisch herum stehen Fans.
Herman Rarebell gibt Autogramme in Hannover.

Die Scorpions feiern ihren 60. Geburtstag, und Fans aus aller Welt feiern mit: David Araujo und seine Frau Isabella sind aus Brasilien angereist. Es ist bereits sein 38. Konzert! Beide waren schon am Vorabend bei einer Lesung des ehemaligen Drummers Herman Rarebell. Der stellte im hannoverschen Kunstladen seine Memoiren mit Titel "What About Love" vor. Doch Hermann Erbel, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, ist auf seine ehemaligen Mitspieler nicht gut zu sprechen: Genau wie der frühere Gitarrist Uli Jon Roth und Rockqueen Doro Pesch wurde er von den Scorpions ausgeladen. Niemand durfte die Bühne mit dem Headliner "Scorpions" an diesem Sommerabend an der Leine teilen.

Der Grund mag darin liegen, dass die Band ein Live-Album mitschneidet, das noch vor Weihnachten erscheinen soll. Das Repertoire umfasst etliche Klassiker, die den Scorpions in den 80er-Jahren den Durchbruch brachten: "Bad Boys Running Wild", "Big City Nights" - hier mit reichlich Feuerzauber und Energie von dem Quintett dargeboten.

Packender Sound und grandiose Lightshow

Ein volles Stadio, in dem ein Konzert gespielt wird. Über dem Stadio ist ein rotes Feuerwerk zu sehen
Zu den erfolgreichsten Hits der Scorpions gehören "Wind of Change", "The Zoo" und "Big City Nights"

Die als "Friends" angekündigten Special Guests hatten schon seit dem frühen Abend die Stimmung angeheizt, wobei die Band Judas Priest mit Hochtöner Rob Halford die Schmerzgrenze mancher Zuhörerin überschritt. Schockrocker Alice Cooper dagegen konnte immer noch mit seinem bekannten kunstblutrünstigen Theater begeistern. Die Gastgeber Scorpions aber toppten alles, schon allein wegen des gut ausgesteuerten Sounds, einer grandiosen Lightshow und dem bewährten Mix aus Rockballaden und echten Krachern.

Den "Wind Of Change" präsentierte Klaus Meine mit aktualisiertem Text - ohne die romantische Verklärung Russlands, und "Send Me An Angel" widmete er seinem verstorbenen Freund und Konzertveranstalter Wolfgang Besemer. Die Fanchöre entlasteten den Vorsänger ebenso wie die instrumentalen Einlagen "Coast To Coast", "Delicate Dance" und das kraftvolle Schlagzeugsolo vom Ex-Motörhead Mikkey Dee.

Schlussstrich oder "Rock'n'Roll Forever"?

Die Zeitreise der weltweit erfolgreichen Band mit Nucleus in Sarstedt reichte zurück bis in die 70er-Jahre, als sie noch davon träumten, eines Tages "Top Of The Bill" zu sehen. Anno 2025 haben es die Scorpions geschafft und endlich auch das Stadion ihrer Heimat ausverkauft. Zum ersten Mal überhaupt waren die Scorpions im Hannover-96-Stadion zu Gast. Vor dem Tor hatte die Deutsche Post sogar einen Sonderschalter aufgebaut, um Briefmarken zum Bandjubiläum anzubieten. Ob das Quintett mit diesem kaum noch zu überbietenden Konzert nun den Schlussstrich zumindest in Deutschland gezogen hat, bleibt offen. "Rock'n'Roll Forever" war auf Klaus Meines Lederjacke zu lesen. Mit ihren beiden Hymnen "Still Loving You" und "Rock You Like A Hurricane" verabschiedeten sich die Scorpions würdig von Hannover, während ein buntes Feuerwerk aufstieg, und so mancher Fan noch zum Schützenfest aufbrach.

Klaus Meine und Rudolf Schenker von den Skorpions im Sarstedter Rathaus

Vor dem Jubiläumskonzert hören Reisende an zwei Bahnhöfen in Hannover heute eine Begrüßung von Sänger Klaus Meine.

Drei Bandmitgleider der Rockband "Scorpions" mit Briefmarken Motiven

Die limitierte Sonderedition für die hannoversche Rockband ist ab sofort erhältlich. Es gibt vier verschiedene Motive.

Die Scorpions live.

Am 5. Juli 2025 feiern die Scorpions ihr 60jähriges Bestehen in ihrer Heimatstadt Hannover. Die Band ist auch nach 60 Jahren immer noch weltweit unterwegs.

Die fünf Mitglieder der Band Scorpions posiert für einem Van in Sarstedt

Von 1977 bis 1996 trommelte Hermann Rarebell bei Stücken wie „Rock You Like A Hurricane“ und „Still Loving You“. Die Sendung berichtet über seine kürzlich veröffentlichte Autobiografie und CD.

Michael Schenker

Das Ex-Mitglied der Scorpions hat 2024 ein neues Album rausgebracht und geht nun auf Tour. Keine Spur von Ruhe im Alter.

Die Scorpions in Sarstedt

1965 hat sich die Band dort gegründet, damals unter dem Namen "Nameless". Nun sind sie in ihre Heimatstadt zurückgekehrt.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Der Morgen | 06.07.2025 | 09:20 Uhr

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Rock und Pop

Hannover

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