"Coming Home": Mitreißendes Jubiläumskonzert der Scorpions in Hannover
Unter dem Titel "Coming Home" gaben die Scorpions in der Heinz von Heiden Arena in Hannover ein Konzert zu ihrem 60. Bandjubiläum. Das einzige Deutschlandkonzert der Scorpions war ausverkauft, Fans reisten sogar aus dem Ausland an.
"Coming Home" - die Scorpions sind Spätheimkehrer: Eine halbe Stunde lassen sie die Fans auf das ersehnte Heimspiel warten. Als aber die La-Ola der Ungeduld weicht und erste Pfiffe laut werden, flammen endlich die Bühnenlichter auf. Sänger Klaus Meine schreitet um 21.50 Uhr durch künstlichen Bodennebel auf die Bühne. Sofort bricht sich lauter Jubel Bahn: Die ganze Band ist wohlauf, die Show kann beginnen!
Klaus Meine nach OP noch vorsichtig
Meines Bewegungen wirken noch seltsam hölzern, eine Wirbelsäulenoperation scheint nicht ohne Nachwirkungen geblieben zu sein. Doch die Stimme ist noch immer unverkennbar, auch wenn der Frontmann die Höhen meidet. Nun stimmt Gitarrist Rudolf Schenker den Bluesrock "The Zoo" an, sein Partner Matthias Jabs glänzt dabei mit seinem Solo an der Talk Box. Fortan duellieren sich die beiden Instrumentalisten, während Bassist Paweł Mąciwodat und Schlagzeuger Mikkey Dee das verlässliche rhythmische Rückgrat der Gruppe bilden.
Scorpions laden Ex-Kollegen aus
Die Scorpions feiern ihren 60. Geburtstag, und Fans aus aller Welt feiern mit: David Araujo und seine Frau Isabella sind aus Brasilien angereist. Es ist bereits sein 38. Konzert! Beide waren schon am Vorabend bei einer Lesung des ehemaligen Drummers Herman Rarebell. Der stellte im hannoverschen Kunstladen seine Memoiren mit Titel "What About Love" vor. Doch Hermann Erbel, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, ist auf seine ehemaligen Mitspieler nicht gut zu sprechen: Genau wie der frühere Gitarrist Uli Jon Roth und Rockqueen Doro Pesch wurde er von den Scorpions ausgeladen. Niemand durfte die Bühne mit dem Headliner "Scorpions" an diesem Sommerabend an der Leine teilen.
Der Grund mag darin liegen, dass die Band ein Live-Album mitschneidet, das noch vor Weihnachten erscheinen soll. Das Repertoire umfasst etliche Klassiker, die den Scorpions in den 80er-Jahren den Durchbruch brachten: "Bad Boys Running Wild", "Big City Nights" - hier mit reichlich Feuerzauber und Energie von dem Quintett dargeboten.
Packender Sound und grandiose Lightshow
Die als "Friends" angekündigten Special Guests hatten schon seit dem frühen Abend die Stimmung angeheizt, wobei die Band Judas Priest mit Hochtöner Rob Halford die Schmerzgrenze mancher Zuhörerin überschritt. Schockrocker Alice Cooper dagegen konnte immer noch mit seinem bekannten kunstblutrünstigen Theater begeistern. Die Gastgeber Scorpions aber toppten alles, schon allein wegen des gut ausgesteuerten Sounds, einer grandiosen Lightshow und dem bewährten Mix aus Rockballaden und echten Krachern.
Den "Wind Of Change" präsentierte Klaus Meine mit aktualisiertem Text - ohne die romantische Verklärung Russlands, und "Send Me An Angel" widmete er seinem verstorbenen Freund und Konzertveranstalter Wolfgang Besemer. Die Fanchöre entlasteten den Vorsänger ebenso wie die instrumentalen Einlagen "Coast To Coast", "Delicate Dance" und das kraftvolle Schlagzeugsolo vom Ex-Motörhead Mikkey Dee.
Schlussstrich oder "Rock'n'Roll Forever"?
Die Zeitreise der weltweit erfolgreichen Band mit Nucleus in Sarstedt reichte zurück bis in die 70er-Jahre, als sie noch davon träumten, eines Tages "Top Of The Bill" zu sehen. Anno 2025 haben es die Scorpions geschafft und endlich auch das Stadion ihrer Heimat ausverkauft. Zum ersten Mal überhaupt waren die Scorpions im Hannover-96-Stadion zu Gast. Vor dem Tor hatte die Deutsche Post sogar einen Sonderschalter aufgebaut, um Briefmarken zum Bandjubiläum anzubieten. Ob das Quintett mit diesem kaum noch zu überbietenden Konzert nun den Schlussstrich zumindest in Deutschland gezogen hat, bleibt offen. "Rock'n'Roll Forever" war auf Klaus Meines Lederjacke zu lesen. Mit ihren beiden Hymnen "Still Loving You" und "Rock You Like A Hurricane" verabschiedeten sich die Scorpions würdig von Hannover, während ein buntes Feuerwerk aufstieg, und so mancher Fan noch zum Schützenfest aufbrach.