Musik auf Fliesen und Flügel: Wollny und Gerassimez in Parchim
Der Jazzpianist Michael Wollny lädt bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern zu einer Reise ins Ungewisse ein und ist dabei mit verschiedenen Partnern zu erleben wie in Parchim mit dem Schlagzeuger Alexej Gerassimez.
Das Motto "Into the unknown" traf auf ganz besondere Weise zu bei dieser freien Improvisation. Michael Wollny legt einen ganz kleinen Zettel auf den Flügel, wenn er zu einem langen Vortrag ansetzt. Alexey Gerassimez spielte ganz frei. Nur zum Konzertabschuss saß der Schlagzeuger klassisch am Drumset. Da hatte er schon eine zweistündige Wanderung durch sein bühnenraumfüllendes Instrumentarium hinter sich.
Improvisieren auf Glocken, Ketten und Fliesen
Marimba- und Vibraphon gehören dazu, aber Alexej Gerassimez hatte auch Aluglocken, Eisenketten oder eine größere Zusammenstellung von Baumarktfliesen aufgebaut. Zum Klang dieser ungewöhnlichen Schlaginstrumente entwickelte Michael Wollny eine eigene Sprache am Flügel - für den Pianisten tatsächlich eine Reise auf unbekanntes Terrain.
"Man ist immer noch ständig überrascht über die Sounds, die aus den Fliesen, Gongs, Holz und auch ganz filigranen anderen Perkussionsinstrumenten kommen", erklärt Wollny. Diese Klänge würden etwas mit ihm machen, sagt er. "Das steckt auch in diesem: 'Into the Unknown'. Wir wissen eben noch nicht genau, was passiert. Wir wissen es in der Form nicht, nicht im Klang und auch nicht, wohin uns das trägt", betont der Pianist.
Zusammenspiel verlangt Offenheit
Alexej Gerassimez bot eine unendliche Vielfalt an Rhythmen, Klängen und Klangflächen an über denen Michael Wollny virtuos improvisierte - ein intensives Zusammenspiel, das von beiden größte Offenheit verlangte. "Worum es beim Improvisieren auch viel geht, sind die Erwartungen, wenn Du selbst spielst - so eine Bedingungslosigkeit", erzählt Gerassimez. Er versuche, nichts zu erwarten, damit er da und präsent sei. "Dieses Spiel haben wir die ganze Zeit: Was kommt? Und was kommt nicht? Das fand ich in diesem Programm sehr extrem. Ich kenne kaum einen Pianisten, wie Michael, der so gut Farben spielen kann und auch Anknüpfungspunkte findet."
Programm entsteht beim Spielen
Mit hohen Erwartungen an die Künstler aber ohne jegliche Vorstellung vom konkreten Programm waren die Konzertgäste gekommen und ließen sich schnell mitreißen von den unvorhersehbaren Klängen. "Man muss sich darauf einlassen, wenn man das nicht täglich hört, aber wir sind total begeistert", freut sich ein Besucher. "Die müssen sich ja aufeinander total konzentrieren, damit sie dann auch wirklich zusammen spielen können", bemerkt eine Zuhörerin.
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