Tabaluga, Schwein und Klimakrise: Kunst von Helme Heine in Lübeck
"Tabaluga", "Freunde", "Der Hase mit der roten Nase": Mit seinen Kinderbüchern hat Helme Heine Generationen von Lesern geprägt. Im November starb der Künstler. Die Ausstellung "Es war einmal..." über ihn im Günter Grass-Haus in Lübeck hat er noch mitgestaltet.
Die Serie "Ein Fall für Freunde" läuft auf einem kleinen Bildschirm mitten in der Ausstellung im Günter Grass-Haus in Lübeck. Davor steht ein kleines Fahrrad. Sobald die Kinder dort die Pedale berühren, beginnt eine Folge. Die Figuren darin: Maus, Hahn und Schwein - und gerade das Schwein hat bei Künstler Helme Heine immer eine große Rolle gespielt, erzählt sein Sohn Christoph von Radowitz.
Denn Heine hatte selbst mal ein Schwein: Sauraya. "Er hatte diese Sau, die bei ihm gelebt und sein Leben geprägt hat", erzählt von Radowitz. Deswegen tauche das Schwein immer wieder im Werk seines Vaters auf.
Helme Heine: Weit mehr als Kinderbuchautor
Viele kennen Heine vor allem durch seine Illustrationen in "Freunde" oder "Der Hase mit der roten Nase" - aber auch den kleinen Drachen Tabaluga hat er entworfen, erklärt der 31-jährige Kurator Carl Manzey. Heine sei gleichzeitig ein großartiger Künstler gewesen, der auch Bilder für Erwachsene gemalt habe. Diese wirkten ebenso farbenfroh wie seine Kinderbuch-Illustrationen - seien aber satirischer und gesellschaftskritischer. "Er hat drängende Fragen unserer Zeit aufgegriffen: Klimakrise, Migration, Demokratie", so Manzey. All das ist auch in der Ausstellung in Lübeck zu sehen.
"Man könnte sagen, er war ein Kulturkritiker in seinen Bildern und hat sich zum Beispiel mit Europa beschäftigt", führt Manzey weiter aus. Er habe etwa gesagt, dass die europäische Kultur auf dem absteigenden Ast sei. Das habe er auch in zwei Werken dargestellt: Einmal eine kräftige Frau vor einem Stier aus der griechischen Mythologie als das Europa von gestern. "Und dann hat er Europa heute gemalt. Das ist eine alte Frau, die auf einem Stier sitzt und gebückt ist."
Holstentor und Blechtrommler: Heine trifft Lübeck und Günter Grass
In der Ausstellung gibt es neben interaktiven Angeboten wie einem Zeichentisch für Kinder auch Werke von Heine, die er, noch vor seinem Tod im vergangenen Jahr, extra für die Lübecker Ausstellung gemalt hat. Diese haben einen Grass- und Lübeck-Bezug. "Die Freunde vor dem Holstentor zum Beispiel oder die Freunde mit dem Blechtrommler. Es sind märchenhafte Motive, die auf Lübeck und Günter Grass Bezug nehmen - und die haben wir an einer Wand versammelt", erklärt der Kurator.
Heine hätte sich wahrscheinlich sehr gefreut, im Günter Grass-Haus auszustellen. Er habe den Literaturnobelpreisträger sehr geschätzt, obwohl er ihm nie persönlich begegnet sei.
"Die beiden haben gewisse Ähnlichkeiten in ihren Werken, auch wenn es ganz unterschiedliche Genres sind", so Manzey. Märchen und Tierfiguren spielten sowohl bei Heine als auch bei Grass eine ganz große Rolle. "Helme Heine hat mal gesagt, dass die Bücher von Günter Grass anders als bei ihm meist in der Apokalypse enden, während sie bei ihm mit einem Lächeln aufhören."
Ein bisschen Apokalypse und viel "positive thinking"
Auch Helme Heines Sohn Christoph von Radowitz sieht diesen positiven Blick in den Werken seines Vaters, von denen er selbst viele für die Ausstellung beigesteuert hat. "An manchen Stellen wirkt es ein bisschen apokalyptisch, wobei ihm immer wichtig war, dass er einen positiven Ausblick gesucht hat und auch immer gefunden hat", so von Radowitz. "Positive thinking" sei immer ein geflügeltes Wort in der Familie gewesen. "Selbst wenn man mal nicht so glücklich war oder irgendwas schlecht lief - ihm war immer wichtig, dass man nach vorne schaut."