Kieler Ateliertage: Von Kunst-Gurken bis Klobürsten
Bei den 19. Kieler Ateliertagen öffnen am Wochenende über 90 Künstler und Künstlerinnen ihre Türen, um zu zeigen, was die Stadt an zeitgenössischer Kunst zu bieten hat. Ein Besuch bei ausstellenden Künstlerinnen.
Ein eigenes Atelier zu eröffnen? Das ist schon mutig, sagt Dorothee Brübach. "Das bedeutet natürlich mehr Verantwortung. Aber es ist auch schön, dass man dadurch seine eigene Schaufensterfläche hat, die man bespielen kann." So könne man ein wenig sichtbarer mit der eigenen Kunst werden.
Im Schaufenster sind bunte Objekte in sogenannter Punch-Needle-Stickerei mit kleinen Schlaufen aus Wolle gefertigt. Zu erkennen sind ein Zollstock, eine gelbe Wasserwaage oder ein rotes Brecheisen. Was Brübach daran fasziniert sei die Transferleistung: Aus einem harten Ausgangsstück wie einem Hammer große Werkzeug-Kuscheltiere zu machen. Eine ganze Serie soll es noch werden. "Mein Lieblingswerkzeug ist ein Akkuschrauber", sagt die Künstlerin. Der habe ihr viel Freiheit geschenkt, seitdem sie Sachen festbohren und schrauben könne.
Von der Medienkunst zu Glasobjekten
"In der Kunst hat man wahnsinnig viele wunderschöne Freiheiten um mit allem Möglichen umzugehen", fügt Lena Krüger hinzu. Sie hat nach dem Geografiestudium und diversen Jobs nochmal Medienkunst studiert. Ihre Themen? Sie habe sich gerne mit Archivtheorie und Erinnerungskultur beschäftigt. In dem Zusammenhang habe sie zum Beispiel Glasobjekte gemacht, die an Souvenir-Schneekugeln erinnern. Dort drin seien aber nicht Orte oder Wahrzeichen eingelassen, sondern amorphe Objekte.
Plastikgurken als Verkaufsschlager
Dorothee Brübach hat wiederum ganz konkrete Souvenirs in Arbeit. Aus Spaß habe sie, eigentlich für ihre Freunde, Schlüsselanhänger mit dem 3D-Drucker hergestellt. Die habe sie aber auch in ihrem Online-Shop angeboten. "Die sehen aus wie kleine Gürkchen mit einem Popo und Augen dran - und dann haben über Nacht 600 Leute Gurken bestellt", freut sie sich.
Nun ist sie im Atelier Blaustelle dabei, viele Essiggurken aus Plastik-Filament zu drucken und von Künstlerinnenhand liebevoll zu bemalen, damit auch für die Kieler Ateliertage genug Gurken vorrätig sind. "Das macht total viel Spaß, aber ist auch ein bisschen absurd, dafür dass ich eigentlich Bildhauerei und Grafik studiert habe", meint Brübach.
Kunst, die man sich leisten kann
Und wenn Atelierbesucher oder -besucherinnen am Wochenende fragen: Wieso ist das Kunst? "Gute Frage. In der Kunst kann man sich austoben und die Dinger waren nicht als Produkte gedacht, sondern als Kunstsouvenir", sagt Brübach. Kunst sei ja oft ziemlich teuer und so einen kleinen Schlüsselanhänger könnte man sich gut leisten.
Katharina Jesdinsky vom Verein zur Förderung der Kunst und Kultur "Kuku" ergänzt, dass es sich bei den Gürkchen um einen Randbereich handele. "Das ist eine Verknüpfung von Kunsthandwerk und Kunst". Jesdinsky hat die Ateliertage 2003 mit ins Leben gerufen. Der Gedanken sei gewesen, dass es "in Kiel ganz viele Kunstschaffende gibt, die aber wenig sichtbar sind."
Von Comic bis Keramik
91 Ateliers aus den verschiedenen Kunstrichtungen machen inzwischen mit. Angefangen bei Bildender Kunst bis in die Grenzbereiche wie zum Beispiel Comic-Zeichnungen oder Keramik.
Keramik - das ist auch die Leidenschaft von Johanna Brüggemann, die im Atelier nebenan ihre kunstvoll gestalteten Werke präsentiert. Sie habe das so oft, dass Leute vor der Tür stünden und gerne reinguckten. Deswegen wolle sie das Wochenende gerne dafür nutzen, um die Türen aufzumachen und zu sagen: kommt rein und schaut es euch mal an!
Klobürsten für eine perfekte Glasur
Gerade macht sie ein paar Butterdosen fertig. Mit einer Klobürste rührt Johanna die Glasur um: "Alle sind immer sehr verwirrt, wie viele Klobürsten ich hier habe. Das liegt daran, dass man damit am besten die Glasur aufrühren kann", sagt sie und lächelt.
Am Wochenende wird sie für ihre Gäste dann sogar die Drehscheibe anwerfen. Ansonsten wird sie für das Wochenende noch ein bisschen Kaffee und Kekse vorbereiten. "Wir machen uns das hier nett. Dann kann man hier verweilen, ein bisschen schnacken und sich alles mal in Ruhe angucken."
Die 19. Kieler Ateliertagen finden am 26. und 27. September statt. Weitere Informationen gibt es auf der dazugehörigen Website.