Farbenfroher Freigeist: Mareike Scharmer ist Buntwerkerin im Wendland
Ohne Farben fehlt etwas im Leben - findet die Künstlerin Mareike Scharmer im Wendland, die als "Buntwerkerin" alles in bunte Farben taucht, was ihr in die Finger kommt. Möbel, Wände, Schmuck, Figürchen - nichts ist vor ihrer Kreativität sicher.
KULT steht in großen, bunten Buchstaben, in Lila, Grün, Gelb und Blau, an den roten Schwingtüren. Als diese sich jeweils zur Seite hin öffnen, tritt Mareike Scharmer hervor, mit einem Lächeln im Gesicht. Die Buntwerkerin, ein künstlerischer Freigeist im Wendland, bittet hinein in die Werkstatt der selbst ernannten Buntschwestern. Hier gibt die gelernte Tischlerin ihre Farbenfreude an andere weiter. In der Werkstatt - einem Dschungel der Farben, Stoffe und Papiere - werden alle möglichen Materialien ausgewertet und zu Kunst gemacht.
Viele bringen eigene Ideen mit
Tierarzt Thomas Tamm begrünt bei den Buntschestern gerade ein Möbelstück für seine Ferienwohnung. Angeleitet von Buntwerkerin Scharmer machen sich Thomas und Susanne Tamm an die Umgestaltung. Nebenbei sollen noch Postkartenmotive entstehen. "Ich finde das toll, wenn die mit ihren eigenen Ideen und Projekten kommen und auch eigenständig arbeiten", sagt Mareike Scharmer. "Das ist manchmal schwierig, weil sie noch sehr viele Fragen haben. Ich finde es aber total toll, wenn sie dann vor sich hinpuzzeln. Und dann kann ich ab und zu mal was dazu sagen oder auch nicht."
So wie jetzt gerade. "Es geht darum, dass wir möglichst viele Schichten ganz dünn auftragen, damit so eine Lebendigkeit entsteht. Dann den Schwamm ein bisschen ausdrücken, die Farbe an den Schwamm und dann geht's los", erklärt Scharmer den Tamms. "Die nächsten Schichten kannst Du dann selber machen". An der Werkbank nebenan gibt es auch ein Upcycling für Kinderspielzeug.
Das erste "Buntschutzgebiet" weltweit
Eine Utopie der Farben bekommen auch die Besucherinnen und Besucher ihres Showrooms in Lüchow geboten. "Ich habe mich ja zur Buntschützerin erklärt." Sie zeigt auf den bunten Raum und all die farbigen Gegenstände darin: "Das hier ist mein Buntschutzgebiet - das erste Buntschutzgebiet weltweit. Für mich ist das auch so etwas Elementares: Farbe. Mir passiert einfach ganz viel Buntes im Kopf, und das muss raus. Sonst muss ich platzen", sagt Scharmer augenzwinkernd.
Scharmer: "Bei mir sind die Farben einfach lebendig."
Sie habe eine spezielle Technik entwickelt, mit mehreren dünnen Lasuren übereinander, sodass eine lebendige Oberfläche entstehe, sagt Scharmer: "Ich rolle nicht einfach nur die Farbe - so tote Fläche -, sondern bei mir sind die Farben einfach lebendig. Die beißen sich auch mit nichts. Das ist wie Natur, finde ich."
Sich Räume zu schaffen im weitesten Sinne, das gehöre einfach zu ihrem Metier, sagt sie. "Das ist so etwas Elementares, sich ein Nest zu bauen, sich Räume zu schaffen, in denen man sein kann, wer man ist. Ich wollte natürlich immer in die weite Welt hinaus - das habe ich nicht geschafft. Ich hole die weite Welt jetzt zu mir" - in ihr Buntschutzgebiet mitten im Wendland.
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