Farbenfroher Freigeist: Mareike Scharmer ist Buntwerkerin im Wendland

Stand: 26.09.2026 06:00 Uhr

Ohne Farben fehlt etwas im Leben - findet die Künstlerin Mareike Scharmer im Wendland, die als "Buntwerkerin" alles in bunte Farben taucht, was ihr in die Finger kommt. Möbel, Wände, Schmuck, Figürchen - nichts ist vor ihrer Kreativität sicher.

von Andreas Moll

KULT steht in großen, bunten Buchstaben, in Lila, Grün, Gelb und Blau, an den roten Schwingtüren. Als diese sich jeweils zur Seite hin öffnen, tritt Mareike Scharmer hervor, mit einem Lächeln im Gesicht. Die Buntwerkerin, ein künstlerischer Freigeist im Wendland, bittet hinein in die Werkstatt der selbst ernannten Buntschwestern. Hier gibt die gelernte Tischlerin ihre Farbenfreude an andere weiter. In der Werkstatt - einem Dschungel der Farben, Stoffe und Papiere - werden alle möglichen Materialien ausgewertet und zu Kunst gemacht.

Viele bringen eigene Ideen mit

Tierarzt Thomas Tamm begrünt bei den Buntschestern gerade ein Möbelstück für seine Ferienwohnung. Angeleitet von Buntwerkerin Scharmer machen sich Thomas und Susanne Tamm an die Umgestaltung. Nebenbei sollen noch Postkartenmotive entstehen. "Ich finde das toll, wenn die mit ihren eigenen Ideen und Projekten kommen und auch eigenständig arbeiten", sagt Mareike Scharmer. "Das ist manchmal schwierig, weil sie noch sehr viele Fragen haben. Ich finde es aber total toll, wenn sie dann vor sich hinpuzzeln. Und dann kann ich ab und zu mal was dazu sagen oder auch nicht."

Blick auf das Kulturzentrum Wendland von außen, vorne eine Infotafel

Das Kulturzentrum in Platenlaase ist für viele weit und breit das einzige Kulturangebot - doch es braucht mehr Mitglieder.

So wie jetzt gerade. "Es geht darum, dass wir möglichst viele Schichten ganz dünn auftragen, damit so eine Lebendigkeit entsteht. Dann den Schwamm ein bisschen ausdrücken, die Farbe an den Schwamm und dann geht's los", erklärt Scharmer den Tamms. "Die nächsten Schichten kannst Du dann selber machen". An der Werkbank nebenan gibt es auch ein Upcycling für Kinderspielzeug.

Das erste "Buntschutzgebiet" weltweit

Eine Utopie der Farben bekommen auch die Besucherinnen und Besucher ihres Showrooms in Lüchow geboten. "Ich habe mich ja zur Buntschützerin erklärt." Sie zeigt auf den bunten Raum und all die farbigen Gegenstände darin: "Das hier ist mein Buntschutzgebiet - das erste Buntschutzgebiet weltweit. Für mich ist das auch so etwas Elementares: Farbe. Mir passiert einfach ganz viel Buntes im Kopf, und das muss raus. Sonst muss ich platzen", sagt Scharmer augenzwinkernd.

Scharmer: "Bei mir sind die Farben einfach lebendig."

Sie habe eine spezielle Technik entwickelt, mit mehreren dünnen Lasuren übereinander, sodass eine lebendige Oberfläche entstehe, sagt Scharmer: "Ich rolle nicht einfach nur die Farbe - so tote Fläche -, sondern bei mir sind die Farben einfach lebendig. Die beißen sich auch mit nichts. Das ist wie Natur, finde ich."

Sich Räume zu schaffen im weitesten Sinne, das gehöre einfach zu ihrem Metier, sagt sie. "Das ist so etwas Elementares, sich ein Nest zu bauen, sich Räume zu schaffen, in denen man sein kann, wer man ist. Ich wollte natürlich immer in die weite Welt hinaus - das habe ich nicht geschafft. Ich hole die weite Welt jetzt zu mir" - in ihr Buntschutzgebiet mitten im Wendland.

Machen Sie NDR.de zu Ihrer bevorzugten Nachrichten-Quelle bei Google

Wenn Sie unsere Inhalte schätzen und diese häufiger in den Schlagzeilen der Google-Suche angezeigt bekommen möchten, dann legen Sie NDR.de doch als bevorzugte Quelle fest. Voraussetzung ist ein Google-Konto. Hier können Sie NDR.de ganz einfach als bevorzugte Quelle hinzufügen.

Hintergrund: Wie funktioniert die neue Google-Funktion?

Anna Beller und Guido Klumpe gucken vor ihren Bildern in die Kamera

Zufall mit System: Fotograf Guido Klumpe und Malerin Anna Beller zeigen in Hildesheim, wie nah sich ihre Kunst kommen kann.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | DAS! Rote Sofa | 12.09.2026 | 18:45 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Wendland

Kommunalwahl Niedersachsen

Szene aus dem Theaterstück "Fremde Sonne": Zwei Männer auf einer Bühne: einer mit blutverschmierten Händen, der andere hält ein Messer. Beide schauen sich angespannt an.

Karin Beier verbindet große Bühnenbilder mit aktuellen Fragen nach Macht und Freiheit. Mit dabei: Bjarne Mädel und Devid Striesow.

Freddy Quinn im Jahr 2006 im Kostüm eines Zirkusdirektors

Kurz vor seinem Geburtstag sind vergessene Archivaufnahmen des Sängers wieder aufgetaucht. Quinn wusste offenbar nichts von ihrer Existenz.

Ein Mann arbeitet konzentriert an einer geöffneten Geige

Das Instrument wurde 1940 von den Nazis gestohlen und tauchte erst 2024 in einem Auktionshaus wieder auf.

Die Hamburger Autorin und "Titanic"-Mitherausgeberin Ella Carina Werner

In ihrem Buch "Menopause - Turbosause" schreibt die Hamburgerin über die Vorteile der Wechseljahre und warum das Thema gerade so präsent ist.

Leerer Bilderrahmen hinter rot-weißem Polizeiband, stark beleuchtet – deutet auf einen Kunstdiebstahl im Museum hin.

Lenore Lötsch und Torben Steenbuck rollen spektakuläre Kunstdiebstähle auf. Sie nehmen uns mit an Tatorte, treffen Zeugen und Experten.

Der Arm einer Frau bedient einen Laptop, der auf einem Tisch in einem Garten steht, während die andere Hand einen Becher hält.

NDR Kultur informiert alle Kulturinteressierten mit einem E-Mail-Newsletter über herausragende Sendungen, Veranstaltungen und die Angebote der Kulturpartner. Melden Sie sich hier an!

NDR Kultur App Bewerbung

NDR Kultur können Sie jetzt immer bei sich haben - Livestream, exklusive Gewinnspiele und der direkte Draht ins Studio mit dem Messenger.