Irritation oder Potenzial: "Systemfehler Mensch?" im Kunsthaus
In der Ausstellung "Systemfehler Mensch" des Berufsverbands bildender Künstler*innen im Kunsthaus Hamburg geht es um die Abweichungen und die Fehler im gesellschaftlichen, eben menschlichen System, die aber neue Möglichkeiten eröffnen können.
Ein Konservendose an der Wand, verschiedene Kabel hängen aus dem Boden und verbinden die Dose mit acht iPhones. Die hängen im Kreis um die Dose herum und spielen jeweils einen anderen Film ab. Der unterschiedliche Ton aus den Telefonen mischt sich zu einem nervigen Kauderwelsch.
Überfordernde Kommunikation
Die Installation von Frauke Hänke und Claus Kienle erinnert an frühere Kinder-Telefonversuche, bei denen zwei Yoghurtbecher durch eine Schnur verbunden waren. "Unsere aktuelle Kommunikationsform ist interessanterweise häufig so, dass wir mehr ins Handy tippen, als den direkten Anruf zu wählen. Wir bedienen ganz viele Dinge gleichzeitig", sagt Sibylle Mayr, eines der fünf Jurymitglieder. Dieses Überbordende an gleichzeitigen Kommunikationsmöglichkeiten überfordere uns als Menschen.
Aus knapp 150 eingereichten Werken wählte eine fünfköpfige Fachjury 30 aus. Die Auswahl verlief anonym. Bei der Themenwahl für die Ausstellung gab es viele Ideen. Die des Systemfehlers wird hier unter zwei Aspekten beleuchtet. "Einmal den Menschen selbst als Systemfehler in dem System Natur - also unser Umgang mit Fauna, Flora, Atmosphäre - und: Warum ist der Mensch, wie er ist, und welche Fehler hat er?", erklärt Mayr. "Das zweite große Thema ist das Sprengen des Systems durch Fehler, die sich dann zu etwas Neuem formieren können."
Thema "Systemfehler" lag in der Luft
Etwas Neues - das hört sich positiv an. Die Arbeiten zeigen allerdings überwiegend kritische Aspekte unseres Umgangs miteinander und mit der Natur: Da stehen zwei wenig einladende weiße Plastikliegen unter einem verblichenen Sonnenschirm, dem schon Teile im Stoff fehlen. "Lichtschutzfaktor 50" heißt die Arbeit von Annika Unterburg passenderweise.
Interessant ist, dass viele der Werke - von Malerei über Textilarbeiten und Fotos bis hin zu Installationen - schon vor Bekanntgabe des Themas entstanden sind. "Dieses fehlerhafte Menschsein oder in fehlerhaften Systemen Sein ist im Moment aus verschiedensten Gründen brandaktuell!", sagt Mayr. Die große Fotoarbeit "Motherboards" von Frederick Vidal erinnert von Weitem an die Luftaufnahme einer großen Stadt mit viel Grün. Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass die vermeintlichen Gebäude und Parks in Wirklichkeit zusammengewürfelte Elektroplatinen sind.
Ausstellung wichtig für Sichtbarkeit
Für die Mitglieder des Berufsverbands bildender Künstler ist diese alljährliche Ausstellung wichtig, betont Mayr, schlicht, um sichtbar zu sein - vor allem für ältere Künstlerinnen und Künstler. "Ganz oft liegt die Grenze bei 35 bei bestimmten Preisen - oder bei 40. Da fällt man eben als über 40-Jähriger schnell durchs Raster", weiß die Jurorin. Begleitet wird die interessante Gemeinschaftsausstellung von Veranstaltungen wie Führungen und Künstler- und Künstlerinnengesprächen.
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Samstag Sa 07. Februar Feb. 202611:00 Uhr
Irritation oder Potenzial: "Systemfehler Mensch?" im Kunsthaus
Kunsthaus HamburgKlosterwall 1520095 Hamburg
- Ende:
- 15.03.2026
- Öffnungszeiten:
- Di. - So. 11-18 Uhr