Partnerschaftsgewalt: Hier finden Frauen auf dem Land Hilfe
Gewalt in der Partnerschaft - passiert hinter verschlossenen Türen und die Opfer sind zu 80 Prozent weiblich. Eine mobile Beratungsstelle aus Schleswig-Holstein hilft Frauen, die sich aus solch bedrohlichen Beziehungen lösen wollen.
Tanja ist fast 30 Jahre verheiratet. Eigentlich heißt sie anders, aber sie möchte anonym bleiben - zum Schutz vor ihrem Ex-Partner. Im Winter schaffte sie es, ihn zu verlassen. "Angefangen hat es damit, dass er immer Witze darüber gemacht hat, dass er mich umbringen würde, wenn ich mich trenne", erzählt sie. "Oder, wenn ich einen anderen hätte, würde er das spitz kriegen. Dann würde er uns beide töten. Der ist verbal so ausfällig geworden, dass ich Angst bekommen habe. Und da wusste ich, ich muss weg." Das nennt man psychische Gewalt.
Nur mit einem Rucksack im Gepäck schleicht sich Tanja davon. Findet Hilfe bei den Land-Grazien, einer Beratungsstelle, die Frauen im Herzogtum Lauenburg und Kreis Stormarn statt an einem festen Ort heimlich in einem Bus berät. Er sieht aus wie ein Handwerkerfahrzeug.
Beratungstreffen nach den Bedürfnissen der Frauen
"Wenn wir uns den ländlichen Raum in Deutschland angucken, dann ist er teilweise gar nicht oder nur vereinzelt versorgt, was Unterstützungsangebote betrifft", beschreibt Christina Dabelstein die Situation. "Selbst wenn es eine Beratungsstelle im ländlichen Raum gibt, dann ist es halt schwierig mit der mangelnden Anonymität. Allein dadurch, dass von der Gesellschaft vor Ort schon gesehen wird, dass eine Frau die Beratungsstelle aufsucht."
Die Land-Grazien richten sich bei ihren Treffen nach den Möglichkeiten der Frau - zeitlich und örtlich, wie Christina Dabelstein erklärt: "Der örtliche Faktor ist deshalb so wichtig, weil viele Frauen digital überwacht werden, was den Standort betrifft. Sei es über Familienfreigaben im Smartphone, sei es über das Fahrzeug, was digital über App nachverfolgt werden kann. Der Trick liegt darin, dass wir uns in Wohnortnähe oder in Arbeitsnähe treffen. So dass es eben vom Radius nicht auffällt, dass sie gerade Beratung in Anspruch nimmt."
Schutzwohnung für Notfälle
Allein im vergangenen Jahr sind die Land-Grazien mit ihrem Bus zu 183 Frauen gefahren. Meistens geht es um psychische Gewalt, um körperliche und sexualisierte. Oft alles zusammen, aber auch um Macht und Kontrolle. Wie bei einer Frau, die ebenfalls unerkannt bleiben möchte: "Wenn ich auf die Toilette gehe, dann fragt er: Wohin gehst Du? Wir haben einen Handyvertrag, bei dem sieht er, wer mich anruft. Ich habe kaum noch Kontakt zu meiner Familie. Auch das Geld, was ich verdiene, läuft zum Beispiel auf sein Konto.
Für Christina Dabelstein ist klar: "Da ist absolute Überwachung bei Dir angesagt". Sie rät: "Du musst nicht da bleiben." Die Beraterin wird der Frau nun helfen, einen Personalausweis zu beantragen, ein Konto einzurichten, eine neue Wohnung an einem anderen Ort und einen neuen Job zu finden. Falls es doch schnell gehen muss, gibt es zum Übergang auch eine Schutzwohnung.
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Einzige anonyme mobile Beratungsstelle bundesweit
In einer solchen Wohnung hat auch Tanja nach ihrer Trennung gewohnt. "Mir geht es heute sehr gut", erzählt sie. "Ich habe keine Angst mehr. Ich habe auch für mich noch nicht ad acta gelegt, irgendwann einen neuen Partner zu finden. Aber im Moment will ich es noch nicht. Ich blicke eigentlich positiv in die Zukunft."
Mehr als tausend Frauen konnten die Land-Grazien schon unterstützen. Noch ist ihr Bus die einzige anonyme mobile Beratungsstelle bundesweit. Die Land-Grazien hoffen, dass sich das ändert. Damit noch mehr Frauen in Not den Mut fassen, sich Hilfe zu holen.