Feiern, ausflippen, nüchtern bleiben: Sober Partys machen es möglich
Tanzen gehen, richtig ausflippen, ekstatisch feiern - und am nächsten Tag wieder frisch und mit klarem Kopf den Kindern die Stullen schmieren können: Sober Partys machen‘s möglich.
Also Partys, bei denen nüchtern gefeiert wird. Diese Partys werden immer beliebter. Was dahinter steckt, wollte Astrid Wulf wissen: Sie war bei einer „Ecstatic Dance“-Party in Lübeck dabei.
Bei der Party Klingt wie 2:30 nachts in einem Elektroclub, es ist aber halb zehn abends in einem kleinen Saal in der Lübecker Musik- und Kongresshalle – normalerweise proben hier Orchester. An diesem Termin ist der Raum warm beleuchtet, es riecht nach Räucherkerzen. Das Ziel: Tanzen, bis der Kopf ganz leer wird – und die Glückshormone anfangen, zu sprudeln.
Eine Besucherin sagt: "Frau: „Hat sich gut angefühlt – ecstatic. Ich bin auch nicht zum ersten Mal bei einem Ecstatic Dance, ich weiß schon, wie es sein kann." Ein Besucher berichtet: "Mann: „Ich war das erste Mal da, und es hätte länger dauern können für mich. In Ekstase bin ich nicht gekommen. Ich habe darauf gewartet – und dann war Schluss."
Egal, ob es mit der Ekstase klappt oder nicht: Alkohol vermisst an diesem Abend niemand:
Eine Partybesucherin sagt: "Das war cool, hat Spaß gemacht, das war kein Problem ohne Alkohol.“
Eine weitere betont: "Für mich gehören Drogen nicht zum Leben, aber Glücksgefühle durchaus."
Eine Frau erzählt: " „Normalerweise trinke ich auch was beim Feiern, und so war es richtig gut – auch, eine Einführung zu bekommen.“
Denn die Chance auf Ekstase steigt mit einer guten Vorbereitung: Bevor der DJ ans Pult geht, heißt es für die rund 150 Teilnehmenden: Aufwärmen. Atmen, Strecken, Durchbewegen, Schütteln - durch den Raum laufen. Erst achtsam und langsam, dann energiegeladen, gerne albern. Viele Frauen sind dabei – die Erfahrenen in Sportklamotten oder lockeren Kleidern.
Nach dem Warmup wird getanzt. Die Regeln: Es wird nicht gesprochen, und nicht bewertet, wie sich die anderen bewegen. Einige tanzen eher zurückhaltend für sich, andere ausdrucksstark und raumgreifend – wieder andere springen feengleich durch den Raum. Das Ziel: Jeder soll sich komplett ausleben können, ohne andere zu belästigen, sagt Ecstatic Dance-DJ Marius Beyer. Dieser sichere Rahmen hilft dabei, komplett loslassen zu können.
„Man kann mit seinen Gefühlen in Kontakt kommen, das ist nicht nur Jubel, Trubel, Heiterkeit. Auf jeden Fall fühlen sich die Menschen danach erleichtert und sehr viel besser."
Der Hamburger DJ ist durch ganz Deutschland getourt, fast jedes Event war ausverkauft. Nüchtern ausflippen und am nächsten Tag fit sein – offenbar treffen „Sober Parties“ wie diese einen Nerv.
Marius Beyer: „Viele Menschen sind sehr viel körperbewusster, gesundheitsbewusster, gerade die Gen Z achtet auf ihren „Sleepscore“, und der wird natürlich geschädigt, wenn ich morgens um sechs völlig besoffen oder zugeballert ins Bett falle.“