Magie und Weltliteratur: Wenn Autoren zaubern
Zaubern ist nicht nur was fürs Varieté und den Zirkus. Auch in der Weltliteratur geht es immer wieder mal ums Zaubern. Das beweist Hamburgs bekanntester Zauberer Wittus Witt in seinem Zaubermuseum Bellachini am Hansaplatz.
Zauberstäbe, geheimnisvolle Gefäße, Spielkarten und Trickkisten - das Museum steckt voller Magie und dem dazugehörigen Handwerk. Jetzt zeigt Wittus Witt auch viele alte Bücher und Plakate. In einem kleinen Raum hört man bei einer Audiostation, wie Zaubern in der Weltliteratur klingt. Denn das Motiv des Zauberers hat schon Autoren wie Thomas und Erika Mann, H. G. Wells oder Hermann Burger inspiriert.
Thomas Mann und die Zauberei der Manipulation
"Bei der Audiostation kann man einen kurzen Ausschnitt wahrnehmen, was Thomas Mann dort geschrieben hat. Thomas Mann hat die Zauberei sehr psychologisch gesehen: Manipulation von Cipolla", sagt Witt. In seiner bekannten Novelle "Mario und der Zauberer" beschreibt Thomas Mann die Kunst der Manipulation anhand der Hauptfigur, dem Hypnotiseur Cipolla.
"Thomas Mann spricht über das Manipulieren, was eine ganz wichtige Sache in der heutigen Zeit ist. Man merkt nicht, dass man manipuliert wird. Man glaubt wirklich, einen freien Willen zu haben, aber den hat man nicht." Interessant, denn Thomas Mann wurde in seiner Familie selbst "Der Zauberer" genannt, weil er seine Kinder immer wieder mit Zaubertricks unterhalten hat.
Zauberei hat eine jahrhundertealte Geschichte
Die Faszination für Zauberei ist kein neues Phänomen. Bereits im 15. Jahrhundert erwähnt Papst Bonifatius ein Becherspiel, eine nicht kriminelle Version eines Hütchenspiels, sagt Wittus Witt. "Der hat seinen Mönchen verboten zu zaubern, das ist im 15. Jahrhundert noch sehr gefährlich." Das habe er mit dem Becherspiel illustriert. Das werde in diesem Buch gezeigt, sagt Witt. "Das ist ein Beweis dafür, dass schon im 15. Jahrhundert gezaubert wurde." Das Papstbuch ist ein kleiner Lederband im DIN-A5-Format und steht in der Ausstellung.
Zauberei als Kunst der Illusion
Außerdem findet sich in der antiken Sammlung des Hamburger Zauberers ein Zauberlexikon aus dem 18. Jahrhundert. "Onomatologia ist ein ganz wichtiges Buch, weil es ein Lexikon ist, in dem die Zauberkunst als ernstzunehmende Kunst dargestellt wird, mit allen anderen Künsten."
Genau das will der Zauberkünstler mit seiner Ausstellung im Zaubermuseum auch zeigen. Es geht darum, eine Illusion zu schaffen. Es sollten nicht nur Tricks gezeigt werden, sondern eine Geschichte dazu, die den Zuschauer einbinde. "Das macht die Zauberkunst aus. Tricks zeigen können Sie auch, das kann ich Ihnen innerhalb von einer halben Stunde beibringen. Aber das ist es nicht."
Zauberei ist mehr als ein Taschenspielertrick, es ist die Kunst der Illusion. Das haben viele Große der Weltliteratur und Geschichte auch schon erkannt. Einen Blick darauf können Gäste in der kleinen Ausstellung im Zaubereimuseum in Hamburg am Hansaplatz bekommen.