"Fisch för veer" am Ohnsorg-Theater: Komik mit Mordkomplott
Das Ohnsorg-Theater ist mit einem Kostüm- und Perückenfest in die neue Saison gestartet. Das Publikum feierte die Premiere der Krimikomödie "Fisch vör veer - Ein letztes Mahl" mit Applaus und Jubel.
Auf den ersten Blick ist es ein Ohnsorg-Abend wie früher. Gefühlt schwarz-weiß. Mit den alten Brokat-Kleidern, mit Frack und Fächer wirkt das Stück aus der Zeit gefallen, aber darunter wird es witzig und aktuell. Es gibt viel zu lachen und zu gucken. Das Stück spielt vor fast 200 Jahren in der Biedermeierzeit. Die drei alleinstehenden Erbinnen der Brauerei Heckendörp treffen in ihrem Sommerhaus bei Husum ein. Mit dabei ist wie immer ihr Diener Rudolf, der keuchend Koffer, Hutschachteln und Gemüsekisten schleppt. Rudolf hustet sich durch den Job. Seit Jahrzehnten schuftet er. Jetzt träumt er vom Aussteigen und von einer Weltreise.
Herausragendes Ohnsorg-Ensemble
Oskar Ketelhut spielt den Diener Rudolf phantastisch: Mal leidend, mal ächzend, mal zähneknirschend servil und immer wieder gewieft. Nach und nach kommt heraus, dass er mit allen drei Schwestern geheime Affären hatte. Sie haben in Liebesnächten versprochen, ihm Geld zu vererben. Das hätte er allerdings am liebsten schon jetzt für seine Reise, nicht erst, wenn sie tot sind. Wenn nicht, würde er den anderen alles erzählen, droht er. Mit dieser Erpressung starten die Mordpläne. Sie wollen sich alle gegenseitig um die Ecke bringen. Arsen im Likör? Oder doch lieber ein Blitzableiter an einem Metallstuhl?
Rollenspiel mit Soldaten-Lover
Das Stück braucht einen Moment, bevor sich der Strudel der Ereignisse und Mordkomplotte in Bewegung setzt. Zu Beginn steht noch die scheinbare Eintönigkeit des platonischen Zusammenlebens. Aber gerade im zweiten Teil kommt die Handlung in Gang, und die Inszenierung hat Mut zum Slapstick - mit knarrenden Schranktüren und herrenlosen Händen. Das Ohnsorg-Ensemble ist wieder einmal spitze.
Birte Kretschmer spielt die jüngste Schwester Clementine mit Deko-Fimmel und leicht irrem Blick herrlich irrlichternd. Beate Kiupel als Cäcilie mit Fächer und Brokatkleid ist auf sinnlicher Betriebstemperatur. Sie trauert einem verflossenen Soldaten-Lover hinterher und zwingt Diener Rudolf mit Soldatenmütze auf dem Kopf zum erotischen Rollenspiel. Meike Meiners schließlich als wundervoll eiskalte Chefin Charlotte mit Fräulein-Rottenmeier-Vibes wurde ein Vogelnest und ein Hefezopf-Lookalike als Frisur auf den Kopf onduliert. Man kann sich nicht daran sattsehen, wie diese Vier miteinander agieren.
Gags mit Sesamstraße und "Für Elise"
Das Stück von Wolfgang Kohlhaase und Rita Zimmer ist ein Klassiker. Es begann seine Reise Ende der 60er-Jahre als Hörspiel im DDR-Rundfunk, wurde bald darauf verfilmt und ist heute ein oft gespieltes Bühnenstück. Frank Grupe hat die Handlung behutsam und gekonnt in eine norddeutsche Szenerie übertragen. Mit perfekt dosierten Blicken, kleinen und großen Gags, mit Schlingpflanzen, die wie ein Grab übers Sommerhaus wuchern, und versteckten Totenschädeln im Bühnenbild (Sabine Flunker), hat das Stück Lebendigkeit und Charme.
Es gibt viele kleine Momente zum Liebhaben: Wenn Beate Kiupel, nachdem sie in allen Einzelheiten Mordpläne ausgewalzt hat, beim ersten Mordverdacht scheinheilig fragt: "Gift?" Oder wenn sie "Für Elise" spielt und der letzte Ton immer, immer, immer falsch ist, und die drei anderen, die auf endlich mal den richtigen Ton hoffen, aufseufzen, wenn Zitate aus der Sesamstraße reinwehen ("Genaaaauuuuu!") oder wenn alle vier wie ein antiker griechischer Chor in Trauerkleidung die Moral der Geschichte deklamieren. Es sind die kleinen Bewegungen und die Nuancen, die diesen Abend funkeln lassen. Regisseur Marc Becker hat ein Händchen für dieses Feinstoffliche auf der Bühne. Das bringt diesen Abend, dieses gelungene, witzige Schauspielerfest zum Schweben.
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Mittwoch Mi 02. September Sep. 202619:30 Uhr
"Fisch för veer" am Ohnsorg-Theater: Komik mit Mordkomplott
Ohnsorg TheaterHeidi-Kabel-Platz 120099 HamburgDas Stück läuft noch bis zum 30. Oktober (mit Unterbrechung)
- Ende:
- 28.06.2026
- Weitere Informationen:
- Mittwochs und Donnerstag mit Platt-Vorspiel. Am Freitag mit hochdeutschen Übertiteln. Am 4. September und 25. Oktober mit Audiodeskription und Tastführung.