Reise durch Europa: Schüler aus Dassel gewinnen Preis mit Musical
In dem Musical "Wo ist Lena?" reisen Siebtklässler aus dem niedersächsischen Dassel quer durch Europa - und entdecken dabei die kulturelle Vielfalt des Kontinents. Nun hat das Projekt beim Wettbewerb "Initiative Kulturelle Integration" des Deutschen Kulturrats den ersten Platz belegt.
"Wo ist Lena?" erzählt die Geschichte eines Mädchens, das sich aus einer Schülergruppe zurückzieht - und daraufhin, auf einer Reise quer durch Europa, von allen gemeinsam gesucht wird. Aufgeführt worden ist das Musical in der Aula der Paul-Gerhardt-Schule in Dassel (Landkreis Northeim). Rund 20 Schülerinnen und Schüler der Klasse 7a sind dabei in Rollen geschlüpft, die sie sich selbst ausgedacht haben.
Vielfalt geht durch den Magen
Auf ihrer Europatour lernen die Jugendlichen viel über die Geschichte, Politik, Tradition und Essgewohnheiten der verschiedenen Länder. Manche Schülerin entdeckt ihre eigenen Wurzeln nochmal ganz anders. "Vielfalt gehört einfach zu unserer Gruppe", sagt Schülerin Jeta, die im Musical Seinep spielt. "Wir haben zum Beispiel sehr viel über Albanien, also meine Kultur, gelernt - über die Musik, aber auch über Pite, das war richtig spannend." Pite ist ein traditionelles albanisches Gericht aus hauchdünnen Teigschichten mit herzhafter Füllung.
Das Kennenlernen anderer Kulturen soll Offenheit und Toleranz fördern, es geht im Musical um Schönheit und Reiz von Vielfalt und ein Zusammenleben über die einzelnen Ländergrenzen hinweg. "Wir haben zum Beispiel bei der Türkei alle zusammen gelernt, türkisch zu tanzen oder auch verschiedene Lieder zu singen", berichtet Ella, die auf der Bühne Elena heißt.
Musical "Wo ist Lena?": Zusammen die Geschichte rund gemacht
Text, Regie, Komposition und die umfangreiche Gesamtleitung lagen in den Händen von Anke Wurmstädt. Neben dem Unterricht und teils bis spät in den Abend hat die Musiklehrerin das Stück erarbeitet und dann gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern weiterentwickelt.
"Im Entstehungsprozess der Geschichte gab es immer mal wieder Hürden: Wie kann das Ganze schlüssig aufgelöst werden? Das stand als Frage im Raum", so die Musiklehrerin. "Und immer wieder gab es Impulse, so dass das Ganze dann eine runde Geschichte geworden ist - das war eine ganz tolle Erfahrung."
Schülerinnen und Schüler sind über sich hinausgewachsen
Wurmstädt unterstützte bei der kreativen Arbeit und half gegen Ende der Proben auch emotional. Denn plötzlich kam das Lampenfieber. "Je näher die Aufführung gerückt ist, desto größer wurden die Befürchtungen", erzählt die Pädagogin. "Einige haben sich gefragt: Kann ich mich so auf die Bühne stellen? Geht das? Dann hatte ich ein bisschen Sorge, dass manche sich dann gar nicht trauen, aufzutreten."
Feingefühl und gute Gespräche waren gefragt. Dann trauten sie sich alle - und viele seien über sich hinausgewachsen in der Zeit, findet auch Wurmstädts Kollege Julius Rechner. "Alle hatten tolle Ideen, sind immer zuverlässig zu den Proben gekommen und haben wahnsinnig viel gelernt - das hat mich schon ziemlich begeistert", sagt der Musik- und Englischlehrer, der die Schulband leitet.
Dass sie durch die gemeinsame Arbeit am Musical noch mehr zu einem Team geworden sind, als sie es vielleicht schon waren, findet Milena, die die Rolle der Mia spielt: "Vorher gab es über alles Mögliche Diskussionen, zum Beispiel über die Sitzordnung, aber mittlerweile gar nicht mehr."
Erster Platz beim Kreativwettbewerb - nun geht es nach Berlin
Beim Kreativwettbewerb "Initiative Kulturelle Integration" des Deutschen Kulturrats hat das Projekt den ersten Platz belegt. Deshalb wird das Musical am Donnerstag bei einem großen Festakt in Berlin vorgestellt und ausgezeichnet für "Zusammenhalt in Vielfalt". Im Europäischen Haus am Brandenburger Tor nehmen die jungen Künstlerinnen und Künstler den Preis in Empfang.
Prominente aus Kultur und Politik, wie der "Prinzen"-Sänger Sebastian Krumbiegel und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, werden dabei sein. Ganz schön aufregend, findet Emma, die Marie spielt: "Ich bin sehr stolz auf uns, dass wir es so weit geschafft haben, aber ich bin auch aufgeregt. Weil das jetzt halt so ein richtig großes Ding ist."