Zum 100. Geburtstag: James Krüss neu entdeckt
Zum 100. Geburtstag von James Krüss ist eine neue Biografie für Kinder und Familien erschienen. Sie erzählt vom Leben des berühmten Dichters zwischen Helgoland und Gran Canaria - voller Geschichten, Reime und Anekdoten.
Er liebte die Welt, das Leben und Inseln: James Krüss. 1926 ist er auf Helgoland geboren und 1997 auf Gran Canaria gestorben. Am 31. Mai jährt sich der 100. Geburtstag des Dichters und Schriftstellers, der mit Büchern wie "Mein Urgroßvater und ich", "Der Leuchtturm auf den Hummerklippen", "Timm Thaler oder "Das verkaufte Lachen" Generationen von Kindern, aber auch Erwachsenen begeisterte. Zum Jubiläum ist eine neue Biografie erschienen, geschrieben in erster Linie für Kinder.
Irgendwo ins grüne Meer
Hat ein Gott mit leichtem Pinsel,
Lächelnd, wie von ungefähr,
Einen Fleck getupft: Die Insel.
Und dann hat er, gut gelaunt,
Menschen diesem Fels gegeben
Und den Menschen zugeraunt:
Liebt die Welt und lebt das Leben! Gedicht über Helgoland von James Krüss
Kein Kinder-, sondern ein Familienbuch über James Krüss
James Krüss schrieb rund 160 Bücher mit unzähligen Geschichten und Gedichten. Dorthe Voss wurde wie der spätere Schriftsteller auf Helgoland geboren. Die neue Biografie richtet sich vor allem an Kinder: "Natürlich ist das jetzt kein klassisches Kinderbuch, wo ein Kind sagt: 'Bitte, das lese ich jetzt abends vorm Schlafengehen noch eine halbe Stunde', sondern es ist eher ein Familienbuch. Das hatten wir auf jeden Fall im Kopf."
Wir - das ist neben Dorthe Voss als Co-Autorin die Düsseldorferin Paula Peretti. Beide stellten sich die Fragen: Wie wird man Schriftsteller in der Mitte des letzten Jahrhunderts? Was ist da in Deutschland los gewesen? Wie ist ein Insulaner, der 16 Jahre auf der Insel Helgoland groß geworden ist und dann rund 18 Jahre auf dem Festland war und in Hamburg und München gelebt hat? Später zog es ihn auf die Insel Gran Canaria, wo er über 30 Jahre gelebt hat. Dort sei er richtig aufgegangen und habe dieses spanische Leben sehr geliebt. "Was steckt da alles dahinter," fragen sich die Autorinnen.
Buch voller Anekdoten
Dahinter stecken köstliche Anekdoten aus dem Leben von James Krüss, so Paula Peretti: "James, der mit neun Jahren eine lange Toilettensitzung hat, schreibt während dieser Stunde, die er da auf dem Klo sitzt, seinen ersten Krimi. Auf der ersten Seite gibt es gleich schon 20 Tote. Das ist zum Beispiel etwas, was schon zeigt, wie er mit neun Jahren drauf war."
Oder, dass er als Erwachsener zwar Autos liebte, sie selbst aber nicht fahren durfte, weil er dreimal durch die Prüfung fiel, sagte Paula Peretti: "Er hat es irgendwie nicht hingekriegt, bis zum Schluss durchzuhalten und die Regeln in der Fahrprüfung zu beachten. Aber er war ein leidenschaftlicher Autoliebhaber. Er liebte schnelle Autos und hatte irgendwann auch das Geld, sich Autos zu kaufen, aber fahren, konnte er die nicht." Es sei immer ein Freund und später auch ein Chauffeur seine Autos gefahren, so die Autorinnen.
Keine Fotos, sondern Illustrationen
Paula Peretti und Dorthe Voss haben auf leichte Weise ein großes Schriftstellerleben kurzweilig und lesenswert zusammengefasst, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Genauso wie es die Gedichte von James Krüss bis heute sind.
Beide Autorinnen verzichtete bewusst auf Fotos - ihr Text wird durch zahlreiche Illustrationen ergänzt. So hat die gebürtige Rostockerin Maja Bohn dem Dichter James Krüss ein gezeichnetes Gesicht gegeben: "Auf dem Cover sitzt er quasi auf der Düne, die ja ein zentraler Ort für ihn auch war, weil er als Kind dort gespielt hat. Deswegen haben wir ihn da auf die Düne gesetzt." Dort habe er wahrscheinlich nicht geschrieben, sondern eher in seinem Kämmerlein, sagt Bohn. "Aber ich habe ihn mit einer Schreibmaschine auf die Dünen gesetzt. Er schreibt in einem gestreiften Pulli, den er sehr oft anhatte. Die Schreibmaschinenblätter fliegen ihm um die Ohren. Und er sitzt versunken an seinem Tisch und schreibt seine Geschichten."
Idee zum Buch entstand vor drei Jahren
Die Idee zum Buch "James Krüss - ein Leben zwischen Inselwind und Wörtermeer" entstand vor rund drei Jahren, seither hatten sich die drei Frauen dem Geschichtenerzähler und Dichter immer weiter genähert. Jede von ihnen kannte zwar den Namen James Krüss und ein wenig mehr, aber Dorthe Voss habe ihn jetzt erst so richtig kennengelernt. "Ich glaube, er ist der berühmteste Helgoländer. Natürlich ist die Schule auf Helgoland, die ich auch besucht habe, die James-Krüss-Schule. Natürlich war James Krüss immer ein Begriff. Aber diese Tiefe, die hat es jetzt durch die Arbeit an der Biografie bekommen." Er sei für sie jetzt total der Reimkünstler.
So wie Dorthe Voss haben auch Paula Peretti und Maja Bohn den Autor wieder oder neu entdeckt. Und sie geben diese Entdeckung charmant an die Leserinnen und Leser - egal welchen Alters - weiter. Ein wunderbares Buch ganz im Sinne von James Krüss. Das Buch "James Krüss - ein Leben zwischen Inselwind und Wörtermeer" von Paula Peretti und Dorthe Voss, mit Illustrationen von Maja Bohn, ist im Atrium-Verlag erschienen und kostet 16 Euro.