E-Auto laden: Das ist zu beachten
In Deutschland gibt es etwa 130.000 Normalladepunkte, dazu kommen noch etwa 40.000 Schnellladepunkte. Doch die Ladesysteme, Preise und Abrechnungsmodelle sind nicht einheitlich. Was sollte man wissen?
Zu Hause können Elektroautos mit einer fest installierten sogenannten Wallbox geladen werden. Eine Box kostet etwa ab 600 Euro zuzüglich Installation. Mieter brauchen für den Einbau die Zustimmung ihres Vermieters, Eigentümer die aller Miteigentümer. Vom Laden an einer herkömmlichen Steckdose raten Experten ab: Durch langes Laden kann das Stromnetz im Haus überhitzen.
Wie bezahlt man das Laden von E-Autos?
Unterwegs können Besitzer eines Elektroautos die Batterie an einem der mehr als 160.000 öffentlich zugänglichen Ladepunkte aufladen. Eine Ladesäule lässt sich per Smartphone-App oder einer Roaming-Ladekarte freischalten.
Je nach Anbieter und Ladesäule gibt es unterschiedliche Bezahlmethoden: per Kreditkarte, Debit-Karte, Smartphone-App, mit der Netzkarte des Anbieters oder mit einer sogenannten Mobilitäts- oder Roaming-Karte. Dabei handelt es sich um eine überregional einsetzbare Karte. Die Preisgestaltung ist je nach Anbieter unterschiedlich und nicht immer transparent. Bei der Nutzung einer Roaming-Ladekarte erfahren Kunden erst hinterher bei der Abrechnung, was der Strom gekostet hat. Häufig wird zudem noch eine Transaktionsgebühr von 29 Cent berechnet.
Ladestationen finden
Die Abdeckung mit Ladesäulen ist regional sehr unterschiedlich. Deshalb ist es sinnvoll, sich vor einer Reise mit dem Elektroauto über die Standorte von Ladestationen zu informieren. Einen Überblick geben die Apps der Anbieter. Viele Navigationssysteme von E-Autos zeigen ebenfalls Ladestationen an.
Angezeigte Stationen nicht immer frei
In einer Stichprobe der Redaktion Markt lieferten Lade-Apps teilweise fehlerhafte Informationen: Die interaktive Karte zeigte besetzte Ladestationen als frei zur Verfügung stehend an. Gelegentlich parken Autos an Ladesäulen, ohne zu laden. In anderen Fällen ist der Ladevorgang bereits beendet. Einige Anbieter berechnen in diesem Fall nach einer Zeit eine Blockiergebühr.
Ladesysteme für E-Autos im Vergleich
Das Laden eines Elektroautos an AC-Ladestationen mit Wechselspannung (Normal-Ladestationen) dauert länger als an DC-Ladepunkten mit Gleichspannung (Schnell-Ladestationen):
- An Ladesäulen mit Wechselspannung findet man eine Steckdose "Typ 2".
- Für das schnelle Laden mit Gleichstrom gibt es zwei Ladestecker-Varianten: CCS und die nur noch selten anzutreffende Variante CHAdeMO.
Die App des jeweiligen Ladesäulen-Betreibers gibt Auskunft, welche Varianten an der Ladesäule zu finden sind. Ein Ladekabel muss in einigen Fällen vom Kunden zur Ladesäule mitgebracht werden. Bei Schnell-Ladesäulen ist das Ladekabel meist fest installiert.
So lange dauert das Laden
Die Anfangsreichweite ist für die Langstreckentauglichkeit nicht das einzige Kriterium. Mindestens genauso entscheidend ist die Ladegeschwindigkeit. Sie hängt von zwei Faktoren ab:
- Welche Ladeleistung kann die Ladestation liefern?
- Wie viel Leistung kann das Auto aufnehmen?
Die meisten privaten Wall-Boxen kommen auf eine Ladeleistung von 11 Kilowatt (kW). An öffentlichen Normal-Ladestationen (AC) lädt man Strom oft mit 22 kW. Schnell-Ladestationen (DC) liefern Strom mit 50 bis 350 kW. Besonders leistungsfähige Ladeparks befinden sich an allen Autobahnen etwa im Abstand von 20 Kilometern.
Nur wenige Modelle können bisher 350 kW aufnehmen - und das auch nur bei relativ leerer Batterie. Da sich der Akku beim Ladevorgang erwärmt, regelt das Batteriemanagementsystem die Ladegeschwindigkeit nach einiger Zeit automatisch herunter, um Schäden zu verhindern. Häufig liegen beim Start des Ladevorgangs die Ladeleistungen bei 100 kW und halbieren sich mit zunehmend vollem Akku.
Laden und Reichweite - Große Unterschiede
Der ADAC testet das Ladeverhalten aller gängigen Modelle und zeigt die Ergebnisse in einer Tabelle. Daraus geht hervor, wie viele Kilometer ein Auto während eines 20-Minuten-Stopps nachladen kann. Neue, leistungsstarke Modelle wie der Porsche Taycan oder der Hyundai Ioniq-6 können in dieser Zeit an entsprechenden Stationen mehr als 400 Kilometer nachladen. Viele andere Elektroautos, insbesondere ältere Modelle, schaffen in den 20 Minuten nur 80 bis 200 Kilometer.
An der heimischen Wallbox oder an schwachen öffentlichen Ladepunkten dauert das Laden dagegen mehrere Stunden. In den oben genannten 20 Minuten wären es nur 20 bis 30 Kilometer. Im Winter ist die Performance generell schlechter. Die Ladeleistung selbst unterscheidet sich zwar nur leicht, jedoch steigt der Strombedarf der Elektroautos deutlich. Ein umfangreiches Angebot an Ladekurven und Messwerten bietet auch die E-Auto-Plattform EV Database.
Gut zu wissen: Die maximale Ladegeschwindigkeit an Schnell-Ladesäulen kann sich halbieren, wenn auch der zweite Ladepunkt der Säule genutzt wird.
Was das Laden der E-Autos kostet
Mit den günstigsten Verträgen kostet Hausstrom etwa 23 bis 28 Cent pro Kilowattstunde (kWh), abhängig vom Netzbetreiber. Wer einen separaten Stromzähler installieren lässt, kann zudem den günstigeren Mobilstrom nutzen. Hier liegen die besten Preise zwischen 19 und 23 Cent. Grob gerechnet fahren E-Autos damit etwa zum halben Preis im Vergleich zu Verbrennern.
Beim Laden an öffentlichen Säulen liegen die Kosten ähnlich wie bei Verbrennern. Der niedersächsische Anbieter EWE bietet einen einheitlichen Tarif von 62 Cent an fast allen deutschen Ladesäulen ohne Abo (Stand Juli 2025). Bei anderen Unternehmen kann man für eine monatliche Grundgebühr zum Teil günstigere Tarife bekommen. Schnellladen ist oft teurer. Es gibt erhebliche Unterschiede.
Ladetipps für unterwegs
Mit diesen Tipps kommt man mit dem E-Auto gut ans Ziel und spart sich eventuell den einen oder anderen Ladestopp.
- Vor Beginn einer längeren Fahrt über mögliche Ladepunkte informieren. Größere Ladeparks ansteuern, um freie Ladesäulen nutzen zu können.
- Den Akku nie komplett leer fahren. Nur bis zu 80 Prozent der Batteriekapazität aufladen, da der Ladevorgang für die restlichen 20 Prozent übermäßig viel Zeit in Anspruch nimmt.
- Fahrgeschwindigkeit begrenzen. Da E-Autos ab circa 120 km/h überproportional viel Strom verbrauchen, ist es sinnvoll, die Reisegeschwindigkeit auf diesen Geschwindigkeitsbereich anzupassen. So können zeitintensive Ladestopps vermieden werden.