Grenzkontrollen zu Dänemark - die Bilanz nach zwei Jahren
Die Bundespolizei kontrolliert mit festen Kontrollstellen und bis zu 30 Kilometer hinter der Grenze. Pendler melden kaum noch Behinderungen. Die CDU verteidigt die Kontrollen, Kritik kommt vom SSW.
Seit genau zwei Jahren kontrolliert die Bundespolizei an allen deutschen Landgrenzen - und damit auch an der Grenze zu Dänemark. Dort hat sie seit Beginn der Kontrollen bis Ende Juli nach eigenen Angaben 827 Menschen bei einer unerlaubten Einreise aufgegriffen. An allen neun deutschen Landgrenzen stellte die Bundespolizei im selben Zeitraum mehr als 91.000 unerlaubte Einreisen fest. Auf die dänische Grenze entfielen damit rechnerisch nur rund 0,9 Prozent der Fälle.
Dänische Grenze: Niedrigster Wert bei illegalen Einreisen
Dänemark weist den niedrigsten Wert unter allen deutschen Landgrenzen auf. Die Bundespolizei verweist allerdings darauf, dass sie im Zuge der Grenzkontrollen 450 weitere Straftaten und Verstöße erfasst hat - etwa Drogendelikte, Urkundenfälschungen und Verstöße gegen das Waffen- und Sprengstoffrecht. Für den gesamten Zeitraum bis Ende Juli nennt sie außerdem 139 vollstreckte Haftbefehle und 29 mutmaßliche Schleuser.
| Landgrenze | Unerlaubte Einreisen |
|---|---|
| Belgien | 1.085 |
| Dänemark | 253 |
| Frankreich | 4.614 |
| Luxemburg | 613 |
| Niederlande | 1.852 |
| Österreich | 3.450 |
| Polen | 2.684 |
| Schweiz | 3.297 |
| Tschechien | 2.006 |
Regionskontor: Im Grenzverkehr kaum noch zu spüren
Kontrolliert werde flexibel und stichprobenartig, teilt die Bundespolizei mit: an den Übergängen, außerdem mobil und bis zu 30 Kilometer tief im Grenzgebiet. Im Alltag entstehen offenbar nur noch selten Staus.
Das merkt man im täglichen Verkehr fast gar nicht. Peter Hansen, Regionskontor Sønderjylland-Schleswig
Das Regionskontor in Padborg, das unter anderem die rund 12.000 deutschen Grenzpendler nach Dänemark berät, berichtet kaum noch von Einschränkungen. "Am Anfang war da natürlich eine ganz schöne Panik: Wird das den Verkehr wieder lahmlegen?", sagt Leiter Peter Hansen. Inzwischen sei das Regionskontor jedoch sehr zufrieden. Auch die dänischen Kontrollen, die bereits seit 2016 bestehen, führten kaum noch zu Behinderungen.
SSW sieht keinen erkennbaren Mehrwert der Kontrollen
Politisch bleiben die Kontrollen an der dänischen Grenze umstritten. Der SSW-Bundestagsabgeordnete Stefan Seidler verweist darauf, dass sich die Anzahl der unerlaubten Einreisen durch die eingeführten Kontrollen kaum verändert hat: Vorher, also 2023, registrierte die Bundespolizei laut Angaben der Bundesregierung an der dänischen Grenze 451 unerlaubte Einreisen. Im Jahr 2024 waren es demnach 435 - und 464 im Jahr 2025.
"Mehr Personal, zusätzliche Kontrollinfrastruktur, enorme Kosten - aber kein erkennbarer Mehrwert", kritisiert Seidler. Er fordert statt täglicher Kontrollen gezielte Polizeiarbeit im Hinterland und mehr grenzüberschreitende Ermittlungen.
Seidler kritisiert zudem die Ausgaben: Für Zelte, Container, Beleuchtung, Heizstrahler, Betonschutzwände und Wetterschutz an vier Übergängen hat der Bund nach eigenen Angaben 309.000 Euro angesetzt. Mit weiteren Arbeiten an Stromversorgung und Kontrollstellen summieren sich die bekannten Ausgaben demnach auf gut 410.000 Euro - ohne Personal- und laufende Betriebskosten.
Keine Angaben zu Gesamtkosten an deutsch-dänischer Grenze
Wie hoch die Gesamtkosten für die Kontrollen allein an der deutsch-dänischen Grenze bisher sind, kann das Bundesinnenministerium nach eigenen Angaben nicht dezidiert aufschlüsseln. Deutschlandweit lagen die einsatzbedingten Mehrkosten demnach bis Juni 2026 bei knapp 195 Millionen Euro. Davon entfielen unter anderem 84,4 Millionen Euro auf Mehrarbeitsvergütungen und 56,9 Millionen Euro auf Hotelunterbringungen und Verpflegung.
CDU in Schleswig-Holstein verteidigt Kontrollen
Schleswig-Holsteins Innenministerin Magdalena Finke (CDU) kommt zu einer anderen Bewertung als der SSW. Die Kontrollen hätten dazu beigetragen, dass die irreguläre Migration bundesweit deutlich zurückgegangen sei. An der Grenze zu Dänemark gehe die Bundespolizei "mit Augenmaß" vor und halte den Pendlerverkehr weitgehend reibungslos. Der Bund überprüfe regelmäßig, ob die Kontrollen fortgeführt werden müssten.
Grenzkontrollen werden wohl bis Mitte März verlängert
Auch der nordfriesische CDU-Bundestagsabgeordnete Leif Bodin nennt die Kontrollen einen wichtigen Baustein der Sicherheitspolitik. Die Arbeit der Bundespolizei dürfe nicht allein an den Zahlen unerlaubter Einreisen gemessen werden, sagte Bodin dem NDR. Bei den flexiblen, an die Lage angepassten Kontrollen würden auch andere Straftaten aufgedeckt. Zugleich müsse der freie Grenzverkehr im Schengenraum erhalten bleiben.
Die Bundesregierung hält an den Kontrollen fest. Sie hat deren Fortsetzung bis Mitte März 2027 bei der EU angezeigt.