Handball-Bundesliga

Drama im Derby! Kiel gibt Sieg gegen Flensburg-Handewitt aus der Hand

Stand: 26.09.2026 23:58 Uhr

Handball-Rekordmeister THW Kiel hat am Samstagabend im 117. Landesderby einen Sieg gegen die SG Flensburg-Handewitt verpasst. Am Ende hieß es nur 31:31 (18:14). Der vermeintliche Siegtreffer der Kieler in letzter Sekunde wurde aberkannt. Nach der Partie wurde das Achtelfinale im DHB-Pokal ausgelost.

von Christian Görtzen

Das Derby endete auf dramatische Weise. Eine Sekunde vor der Schlusssirene brachte Kiels Julian Köster nach einem herausragenden diagonalen Bodenpass von Domen Makuc die Ostseehalle mit seinem Tor zum vermeintlichen 32:31 zunächst zum Beben. Doch die Schiedsrichter Julian Köppl und Denis Regner hatten Klärungsbedarf und sahen sich die Szenen minutenlang noch einmal am Bildschirm an.

Domagoj Duvnjak
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Die Kieler bejubelten bereits ihren vermeintlichen Sieg. Dann kam der Videobeweis zum Einsatz und sorgte für Ernüchterung beim THW.

Gebanntes Warten auf Entscheidung der Schiedsrichter

Ihre Entscheidung: kein Tor wegen eines Schrittfehlers von Makuc. Es war hart für die Kieler, aber auch korrekt. Und so trat das ein, wonach es lange Zeit nicht ausgesehen hatten: Die Flensburger sprangen jubelnd über das Parkett. Das Team von SG-Trainer Ales Pajovic bleibt mit jetzt 11:1 Punkten wegen der besseren Tordifferenz auch nach dem sechsten Spieltag vor den Kielern Tabellenführer. Für den THW geht es knackig weiter: Am Mittwoch (19 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) steht die Partie beim Meister SC Magdeburg an.

Das ist für mich unbegreiflich. THW-Spieler Lukas Zerbe

Kiels Rechtsaußen Lukas Zerbe sprach im Interview mit dem NDR "von einem verlorenen Punkt" und haderte mit der Entscheidung der Schiedsrichter: "Man müsste sie mal fragen, wie viele Sequenzen man zurückspulen darf. Zuerst schauen sie, ob Julian im Kreis steht. Dann sagen sie: 'Ach 'ne, wir müssen noch mal eine Sequenz zurückspulen, ob es da noch irgendwo Schritte gegeben hat.' Das ist für mich unbegreiflich. Aber wir hätten es auch besser ausspielen müssen, um gar nicht in diese Situation zu kommen."

Ähnlich sah es Teamkollege Hendrik Pekeler: "Ich bin natürlich mega frustriert, dass wir heute hier einen Punkt verloren haben. Dass es Schritte von Domen sind, da sind wir uns einig. Aber die Beweggründe, warum die Schiedsrichter zum Videobeweis gegangen sind und wo sie sich nicht sicher waren, würden mich in der Tat interessieren."

Flensburg Marko Grgic fand, dass "alles so ein bisschen wild gelaufen" sei. "Aber alles in allem können wir mit der Aufholjagd zufrieden sein", sagte der deutsche Nationalspieler, der in der Schlussphase wichtige Tore für die SG erzielte. "In der zweiten Hälfte haben wir es durch unser 7:6 kontrollieren können, wir haben weniger Fehler gemacht und hatten durch Simon Möller wichtige Paraden."

Flensburg findet besser in das Spitzenspiel

Kiel begann mit dem bei Aalborg Handbold als Zugang gehandelten Elias Ellefsen á Skipagötu im zentralen Rückraum. Makuc, der beim Pokalsieg beim TV Hüttenberg begonnen hatte, saß zunächst auf der Bank. Die ersten Minuten standen im Zeichen der Torhüter: Kiels Andreas Wolff wehrte unter anderem einen freien Wurf von Simon Pytlick ab, und SG-Keeper Benjamin Buric zeigte sich erheblich verbessert gegenüber dem Pokalspiel beim VfL Lübeck-Schwartau.

Auf absolutem Top-Niveau stand das Derby in der ersten Viertelstunde nicht. Bei beiden Teams stimmte die Präzision nicht, immer wieder zerstörten technische Fehler den Ablauf in der Offensive. Die Flensburger leisteten sich zunächst weniger Ungenauigkeiten, und so gingen sie durch Top-Zugang Aymeric Minne in der 16. Minute erstmals mit drei Toren (9:6) in Führung.

Makuc mit Ideen, Madsen mit Präzision - THW dreht die Partie

Mit Makuc auf der Mitte kamen die "Zebras" vor 10.285 Zuschauern in der ausverkauften Ostseehalle wieder heran, und Emil Madsen sorgte mit zwei Toren in Folge für die 12:11-Führung der Gastgeber (23.). Angetrieben von ihren begeisterten Fans, drehten die Kieler jetzt auf. Die 6:0-Deckung stand, Wolff war häufig zur Stelle, und vorne wurden - oft nach schönen Zuspielen von Makuc - die Chancen genutzt. Rasmus Ankermann sorgte für die erste Vier-Tore-Führung (17:13). Zur Pause war es - nicht zuletzt dank fünf Toren von Madsen - ein 18:14.

"In den ersten 20 Minuten waren wir richtig kompakt und hatten eine gute Tiefe in der Deckung. Da müssen wir wieder hinkommen", sagte Buric, der auch einen Siebenmeter von Lukas Zerbe pariert hatte, im Halbzeit-Interview.

Kiel verteidigt lange seine Führung,...

Die Kieler waren nach Wiederbeginn sofort wieder auf ihrem Level. Und schnell war es ein Fünf-Tore-Vorsprung. Abschütteln ließen sich die Flensburger aber keinesfalls. Nachdem Simon Möller einen Siebenmeter von Zerbe pariert hatte, hatte die SG bei einem Wurf von Grgic Pech. Wolff parierte zunächst, der Ball sprang durch viel Effet aber wieder Richtung Tor zurück und hüpfte an den Pfosten (44.). Doch im Angriff büßte das Team von THW-Coach Börge Lund seine Leichtigkeit ein.

...doch Flensburg kommt ganz stark zurück

Zwei Minuten vor dem Ende der Partie hatte Flensburg durch Grgic mit dem 30:31 wieder den Anschluss hergestellt. Es spitzte sich zu. Makuc hatte eine kluge Idee mit einem hohen Anspiel an Kreisläufer Pekeler, doch der scheiterte am starken Möller. Vom Torwart sprang der Ball ins Seitenaus. Kiel blieb im Ballbesitz. Köster verweigerte dann aber den freien Wurf über die halblinke Rückraumposition. Er passte nach links, doch da war niemand mehr. Der THW vergab hier die Entscheidung. Und im Gegenzug traf Grgic zum 31:31.

18 Sekunden blieben den Kielern noch. Ein ganz starker Bodenpass von Makuc, aus der Not geboren, bescherte dem THW doch noch den vermeintlichen Siegtreffer. Doch dann machten sich die Referees auf den Weg zu den Bildschirmen, und einige Minuten später jubelten die Flensburger. Beste Werfer des Spiels waren Makuc mit neun Toren für Kiel sowie Aymeric Minne und Pytlick (je 7) für Flensburg.

DHB-Pokal: Achtelfinale ausgelost

Im Anschluss an das Derby wurde von Bundestrainer Alfred Gislason das Achtelfinale im DHB-Pokal ausgelost. Und der Isländer bescherte dem THW, seinem Ex-Club, eine sehr anspruchsvolle Aufgabe: Es geht für die "Zebras" zum TBV Lemgo Lippe an. Ein schwieriges Heimspiel erwartet die Flensburger, die den VfL Gummersbach zu Gast haben. Der HC Hamburg muss beim aktuellen deutschen Meister SC Magdeburg antreten. Ausgetragen wird das Achtelfinale am 11. und 12. November.

Video: THW Kiel gegen SG Flensburg-Handewitt im Re-Live (111 Min)
Spielszene des THW Kiel im Pokal bei Hüttenberg (in Wetzlar)
Kiel mit 41 Toren

Vor dem Schleswig-Holstein-Duell haben beide Rivalen ihre Pokal-Aufgaben gelöst und das Achtelfinal-Ticket gebucht. Für die TSV Hannover-Burgdorf hingegen war in Balingen Endstation.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Sport aktuell | 26.09.2026 | 23:35 Uhr

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