SSW-Parteitag in Flensburg: Dirschauer zum Spitzenkandidaten gewählt
Die Landtagswahl 2027 stand im Mittelpunkt des Landesparteitags des Südschleswigschen Wählerverbands (SSW) am Samstag in Flensburg. Christian Dirschauer wurde zum Spitzenkandidaten gewählt.
Der Südschleswigsche Wählerverband hat Christian Dirschauer zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2027 gewählt. Er erhielt beim Landesparteitag in Flensburg 100 von 105 gültigen Stimmen und damit gut 95 Prozent. Es gab keine Gegenkandidaten.
Er freue sich über den großen Rückenwind, sagte der 45-Jährige nach der Wahl, das Ergebnis motiviere ihn für den Wahlkampf. Seine Partei will eine Stimme für alle Menschen in Schleswig-Holstein sein, die sonst kein Gehör finden. Und er werde weiter daran arbeiten, dass die Menschen im Land entlastet werden.
SSW will gegen Politikverdrossenheit kämpfen
Als Minderheitenpartei liege es in der DNA des SSW, die Stimme immer dann zu erheben, wenn Menschen von der Politik übersehen werden, betonte Christian Dirschauer. Der Politikverdruss habe mittlerweile bedenkliche Ausmaße angenommen.
Dabei erwarten die Menschen gar keine Wunder von der Politik. Sie erwarten einfach nur, dass das Land funktioniert. Christian Dirschauer
Ohne Koalitionsaussage in die Landtagswahl
"Der SSW hat in seiner langen Geschichte gezeigt, dass wir mit konstruktiver Opposition viel für die Menschen erreichen können", sagte Dirschauer. Deswegen sei es nicht unbedingtes Ziel, Teil der Landesregierung zu werden.
"Für uns ist entscheidend, wie wir am besten unsere politischen Ziele und Forderungen für die Bürgerinnen und Bürger umsetzen können. Wir gehen daher ohne Koalitionsaussage in diese Landtagswahl."
Nitsch: Dirschauer ist ein "Vollblutminderheitenpolitiker"
"Er ist die richtige Frontfigur für die anstehende Landtagswahl, immer an der Sache orientiert, hart in den Verhandlungen, aber immer mit Herz, gerade für die Menschen, die es in unserer Gesellschaft am schwersten haben", sagte die SSW-Landesvorsitzende Sybilla Nitsch vor der Wahl von Christian Dirschauer. Er sei ein "Vollblutminderheitenpolitiker".
Landesvorstand hatte Dirschauer im Juni nominiert
Im Juni hatte der Landesvorstand den Flensburger bei einer Klausurtagung in Steinbergkirche (Kreis Schleswig-Flensburg) als Spitzenkandidat nominiert und seine Kandidatur beim Landesparteitag Ende September in Harrislee (Kreis Schleswig-Flensburg) beschlossen.
Die endgültige Liste der Partei der dänischen und friesischen Minderheit zur Landtagswahl wird auf einem außerordentlichen Landesparteitag am 5. Dezember gewählt.
Dirschauer war 2021 bis 2025 SSW-Landesvorsitzender
Christian Dirschauer habe ein klares soziales und regionales Profil und sich seit 2020 im Schleswig-Holsteinischen Landtag als einer der profiliertesten Politiker etabliert, sagte die SSW-Landesvorsitzende Sybilla Nitsch nach seiner Nominierung im Juni. Zudem sei er als ehemaliger Landesvorsitzender fest im Südschleswigschen Wählerverband und der dänischen Minderheit verankert.
Skandinavischer Pragmatismus
Die Verbindung in den Norden will die Partei auch für den Landtagswahlkampf nutzen. Man sei bereit, "mit skandinavischen Pragmatismus Verantwortung zu übernehmen." Das gelte etwa für Themen wie Bildung und Kinderbetreuung, Pflege, Digitalisierung, kommunale Selbstverwaltung, Infrastruktur oder die Energiewende. Ein besonderes Augenmerk will der SSW im Wahlkampf auf die heimische Wirtschaft und den Mittelstand legen.
"In Skandinavien funktioniert bereits heute, wo es in Schleswig-Holstein noch fehlt", heißt es im Programm zur Landtagswahl. Zudem solle der Mittelstand stärker in den Fokus genommen und mehr in die Infrastruktur investiert werden. "Mehr Norden tut Schleswig-Holstein gut", sagte Dirschauer am Sonnabend in Flensburg.
Insgesamt waren rund 140 Teilnehmer zum Parteitag gekommen. Neben den 107 Delegierten waren auch viele Gäste im Flensborghus dabei. Unter ihnen der dänische Konsul Henrik Hansen, die stellvertretende CDU-Landesvorsitzende Petra Nicolaisen und der Vorsitzende des Südschleswig-Ausschusses im dänischen Folketing, Benny Engelbrecht.
Landtagswahl 2027: SSW ist von Fünf-Prozent-Hürde befreit
Aktuell sitzen vier SSW-Abgeordnete im Kieler Landtag. Ziel sei es, mindestens zu viert wieder einzuziehen, sagt Dirschauer. Bei der vergangenen Wahl im Mai 2022 hatte der SSW mit 5,7 Prozent das beste Ergebnis seit der Landtagswahl 1950 erzielt. Die Partei der dänischen und friesischen Minderheit ist von der Fünf-Prozent-Hürde befreit.
Die Landtagswahl in Schleswig-Holstein findet am 18. April 2027 statt.