Bildungsmonitor: Warum sich SH um einen Platz verschlechtert hat
Schleswig-Holstein ist von Platz acht auf Platz neun abgestiegen: Zu diesem Ergebnis kommt der sogenannte Bildungsmonitor, der die Bildungssysteme der Bundesländer vergleicht. Die Gründe sind vielfältig.
Seit 2004 lässt die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft den sogenannten Bildungsmonitor durchführen. Der schleswig-holsteinische Abstieg von Platz acht auf Platz neun hat laut den Autoren der diesjährigen Studie mehrere Ursachen.
Als Hauptgrund nennen sie, dass Schleswig-Holstein seinen Vorsprung bei Mathe und den Naturwissenschaften nicht halten konnte. Dennoch lägen die Schülerinnen und Schüler mit ihren Kompetenzen in diesen Fächern aber noch immer leicht über dem bundesdeutschen Durchschnitt.
Bildungsmonitor offenbart Defizite im Kita-Bereich
Im Bereich der vorschulischen Bildung habe Schleswig-Holstein hingegen noch einiges nachzuholen. Laut Studie liegt die Ganztagsquote an Kitas und Grundschulen unter dem Durchschnitt.
Für Kerstin Quellmann von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist das ein Punkt, an dem das Land nachbessern müsste. Wie nötig es sei, spürten Lehrkräfte demnach daran, dass es manchen Kindern noch an Voraussetzungen fehle, wenn sie in die Schule kommen.
Da geht es um Deutschkenntnisse, nicht nur bei Kindern mit Migrationshintergrund. Da gibt es Schwächen beim Sozialverhalten. Das sind Punkte, die angegangen werden müssten, möglichst schon in der Kita. Kerstin Quellmann, GEW
Das Bildungsministerium verweist auf eine veränderte Ausgangslage: Seit dem 1. August 2026 werde der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung schrittweise umgesetzt.
Schwächen bei der Erwachsenenbildung
Der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss ist in Schleswig-Holstein auf circa zehn Prozent angestiegen, heißt es im Bildungsmonitor. Auch hier fordert die GEW Verbesserungen. So sollten ihrer Meinung nach mehr niedrigschwellige Angebote geschaffen werden, damit nicht nur das Abitur, sondern auch erste und mittlere Schulabschlüsse nachgeholt werden könnten.
Bildungsministerin Stenke: Kinder früher fördern
Im Bildungsministerium heißt es, der Bildungsmonitor greife Schwerpunkte auf, die Schleswig-Holstein bereits auf den Weg gebracht habe. Ministerin Dorit Stenke (CDU) will "Kinder früher in den Blick nehmen und fördern, Schulen in herausfordernden Lagen gezielt unterstützen und stärker mit Daten arbeiten."
Tatsächlich werden in Schleswig-Holstein künftig Kinder bereits mit viereinhalb Jahren betrachtet. Laut Ministerium allem um herauszufinden, wie weit sie entwickelt sind und wie gut sie deutsch sprechen, damit sie im Zweifelsfall früh gefördert werden können.
Mit Hilfe des Start-Chancen-Programms des Bundes werden demnach auch in Schleswig-Holstein Schulen gefördert, die in Brennpunkt-Lagen besonders herausgefordert sind.
Wenig Sitzenbleiber in SH
Was der Bildungsmonitor positiv hervorhebt: In Schleswig-Holstein wiederholen vergleichsweise wenige Kinder das Schuljahr. Das bringt laut Studie Punkte bei der "Zeiteffizienz". Damit umschreiben Wissenschaftler den Zeitaufwand, den Schülerinnen und Schüler haben bzw. verursachen, bis sie die Schule schließlich abgeschlossen haben. Damit liegt Schleswig-Holstein immerhin auf dem dritten Platz im Bundesländer-Ranking.
Mathe und Naturwissenschaften noch überdurchschnittlich
Schüler im Land sind laut Bildungsmonitor vor allem in Mathe und den Naturwissenschaften etwas besser als der bundesdeutsche Durchschnitt. Demzufolge zeigt sich bei den Neuntklässlern hierzulande, dass sie seltener zu den sogenannten Risikogruppen mit besonders schlechten Noten in diesen Fächern zählen. Allerdings sei der Vorsprung zu anderen Bundesländern geschrumpft.
Hohe Forschungsausgaben je Forscherin und Forscher an Hochschulen
Im Bereich Wissenschaft liegt laut Studie Positives und Negatives nahe beieinander. So gibt Schleswig-Holstein vergleichsweise viel Geld pro Wissenschaftlerin und Wissenschaftler aus. Schlechter sieht es demnach bei der absoluten Zahl von Forschern im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt aus, da stehe Schleswig-Holstein auf dem letzten Platz der sechzehn Bundesländer. Gleiches gelte für das Volumen der für Forschungszwecke eingeworbenen Drittmittel.
Untersuchung bezieht sich vor allem auf das Jahr 2024
Die Studie im Auftrag der Initiative für Neue Soziale Marktwirtschaft wird vom Institut der deutschen Wirtschaft erstellt. Dabei geht es vor allem um Perspektiven der Wirtschaft. Die Daten stammen überwiegend aus dem Jahr 2024, vereinzelt liegen schon Daten aus dem Jahr 2025 zugrunde. Neuere Entwicklungen, Bemühungen oder Rückschläge aus diesem Jahr sind insofern noch nicht berücksichtigt.