Grundschulkinder beim Basteln und Malen.
AUDIO: Nachrichten 18:00 Uhr - 03.09.2026 (4 Min)

Recht auf Ganztagsbetreuung in SH: So läuft der Start

Stand: 03.09.2026 19:50 Uhr

Während das Bildungsministerium mit dem Start des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung in Schleswig-Holstein zufrieden ist, hagelt es von anderen Kritik. Was Gewerkschaft und Kommunen bemängeln.

von Balthasar Hümbs

Seit gut zwei Wochen, mit dem Start des neuen Schuljahres, haben Eltern von Erstklässlern einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ihrer Kinder. Eine große Aufgabe für Land und Kommunen. Denn um die zusätzlichen Ganztagskinder unterbringen und betreuen zu können, mussten Räume geschaffen und Personal eingestellt werden. Hat das geklappt?

Zwei Kinder sitzen an einem Tisch und malen mit Buntstiften.

Kommunen warten auf Fördergelder - die Opposition fordert weniger Bürokratie. Was bedeutet das für Eltern und Kinder? Stimmen aus der Politik.

Bildungsministerium zeigt sich zufrieden

Bei einer ersten Zwischenbilanz am Donnerstag im Bildungsausschuss gab sich Bildungsstaatssekretär Tobias von der Heide zufrieden. "Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung läuft sehr gut an", so der CDU-Politiker.

Es gibt kaum Meldungen über Probleme. Tobias von der Heide (CDU), Bildungsstaatssekretär
Staatssekretär Tobias von der Heide (CDU)
Tobias von der Heide (CDU) zeigt sich zufrieden mit dem Start des Rechtsanspruchs.

Insgesamt habe das Land beim Ganztagsausbau große Fortschritte gemacht, so von der Heide. 716 Millionen Euro gibt das Land nach Ministeriumsangaben aus, um die Kommunen, die für den Schulbau zuständig sind, bei den nun nötigen Ausbauten zu unterstützen. 85 Prozent der förderfähigen Investitionskosten zahlt das Land und steuert 75 Prozent zu einem Teil der Betriebskosten bei.

Kritik: Mittagessen auf dem Flur, Förderanträge unbearbeitet

Während sich der Staatssekretär zufrieden zeigt, sieht die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) auch nach dem Start des Rechtsanspruchs erheblichen Nachholbedarf. Die Vorsitzende der GEW, Kerstin Quellmann, bemängelt, dass Kinder teilweise am Nachmittag in demselben Raum betreut würden, in dem sie am Vormittag bereits unterrichtet wurden.

Es bleibt unglaublich viel, was nachgebessert werden muss. Kerstin Quellmann, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Einer Umfrage der Gewerkschaft vor den Sommerferien zufolge haben lediglich 37 Prozent der Schulen in Schleswig-Holstein eine ausreichend große Mensa. Viele Kinder müssten nun im Schichtbetrieb essen oder gar auf dem Flur, ärgert sich Quellmann.

Lübecker Bürgermeister beklagt mangelnde Unterstützung

Jan Lindenau von der SPD schaut in die Kamera.
Aus Sicht von Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) unterstützt das Land die Kommunen nicht ausreichend.

Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) beklagt auch nach dem Schulstart mangelnde Unterstützung des Landes beim Ausbau der Schulgebäude. "Durch die fehlenden Förderbescheide stagniert der Ausbau der Räumlichkeiten für die Ganztagsschulen", kritisiert Lindenau. Insgesamt hält er die Richtlinien des Landes für unnötig kompliziert.

Der bürokratische Aufwand bei der Antragstellung wäre auf das notwendige Maß zu reduzieren. Jan Lindenau (SPD), Lübecker Bürgermeister

In Anbetracht der angespannten Haushaltslage fordert Lindenau, dass das Land die förderfähigen Kosten komplett übernimmt. Andernfalls könnten die Schulgebäude nicht wie geplant erweitert werden.
Insgesamt würden in Lübeck über alle Klassen hinweg aktuell rund 80 Prozent der Kinder im Ganztag betreut. Lübeck sei gut aufgestellt. Ob aktuell alle Kinder mit Ganztagsanspruch eine Betreuungsmöglichkeit haben, sagt die Hansestadt jedoch nicht.

Gewerkschaft fordert mehr geschultes Personal

Kerstin Quellmann, Co-Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Schleswig-Holstein (GEW SH).
Kersten Quellmann von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sieht großen Nachholbedarf bei der Ganztagsbetreuung.

Eine weitere Schwachstelle sieht die GEW bei der Betreuung. Das Land müsse für die Ganztagsbetreuung mehr pädagogisch geschultes Personal einsetzen, so Quellmann. Dazu solle das Land auch mit Einrichtungen außerhalb der Schulen kooperieren.

Lehrer, die den Unterricht am Vormittag gestalten, müssten außerdem mehr Zeit bekommen, sich mit den Betreuern des Ganztags abzustimmen und damit Unterricht und Ganztagsbetreuung besser miteinander verzahnen zu können.

EIne Hand mit Bleistift notiert etwas auf einem Papier

Ab August haben Erstklässler einen gesetzlichen Anspruch auf einen Betreuungsplatz. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Eine Gruppe von Kindern vor einer Menge von Schultaschen.

Ab August haben Erstklässler ein Recht auf einen Betreuungsplatz. Viele Grundschulen kämpfen - vor allem mit der Raum-Not.

In einem Klassenraum hebt eine Person die linke Hand.

SH startet mit mehr Deutsch und Mathe an Grundschulen und einer "Demokratiestunde" ins neue Schuljahr. Kritik kommt von Opposition und GEW.

Mehrere Schulranzen in einem Regal

Stifte, Hefter, Farben - das kann schnell teuer werden. Elternvertreter fordern Entlastung, soziale Einrichtungen spenden Ranzen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 03.09.2026 | 18:00 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Bildung

Schule

Kinderbetreuung

Gewerkschaften

Lübeck

Ein Waschbär blickt in die Kamera

Waschbären breiten sich in Schleswig-Holstein immer weiter aus. Hotspots sind Lübeck und der Kreis Herzogtum-Lauenburg.

In einem Nagelstudio werden die Hände einer Frau mit blauem und transparentem Gel und Glitzer verziert.

Im Rahmen einer bundesweiten Kontrolle haben Zollbeamte einige Betriebe in Schleswig-Holstein überprüft. Das kam dabei heraus.

Domagoj Duvnjak
Handball-Bundesliga

Die Kieler bejubelten bereits ihren vermeintlichen Sieg. Dann kam der Videobeweis zum Einsatz und sorgte für Ernüchterung beim THW.

Ruine einer Sprengstoff-Produktionshalle in Geesthacht.

Im Kalten Krieg warteten bei Kellinghusen US-Kernwaffen auf den Einsatz. Das ist nur einer der vergessenen Orte im Land.

Videos