Niedersachsens Schulleitungen warnen vor Überlastung

Stand: 24.09.2026 18:40 Uhr

Der Vorsitzende des niedersächsischen Schulleitungsverbands, Matthias Aschern, lobt, was Kultusministerin Julia Willie Hamburg von den Grünen auf den Weg gebracht hat - sieht dabei aber Mehrbelastungen.

von Claudia Wohlsperger

Eine höhere Einstiegsbesoldung für Grundschullehrkräfte und Schulleiterinnen, die Reform der Oberstufe, iPads für Schülerinnen und und Schüler der 7. Klassen, mehr Freiräume an den Schulen. Wichtige Erlasse seien erneuert und "durchsaniert" worden - es gibt vieles, was Aschern bei der Herbsttagung des Schulleitungsverbandes am Donnerstag in Celle positiv hervorhebt. Der "Weg der 1.000 Schritte in der Lehrkräfteversorgung" stelle den Verband zwar nicht zufrieden, aber er meint: "Hier hat jemand Grundlagen geschaffen für später."

Innovationen mit Nebenwirkungen

Aschern, der selbst Schulleiter an der IGS Roderbruch in Hannover ist, sieht bei alldem aber auch Nebenwirkungen, wie er in seiner Rede auf der Herbsttagung betont: "Das Innovationstempo und die Eingriffstiefe alles dessen, was ich gerade genannt habe, bildet sich in Arbeitslast auf den Schreibtischen von Schulleiterinnen und Schulleitern ab:" Nach einer Umfrage unter den niedersächsischen Schulleitungen geben 86 Prozent an, zu wenig Zeit zu haben, um ihre Aufgaben zu erledigen - ähnlich viele finden einige ihrer Aufgaben auch unsinnig.

Mehr Personal - an Schulen und in Leitungsbüros

Menschen sitzen in einem großen Plenum hintereinander.
Jährlich im Herbst kommen die Schulleiterinnen und Schulleiter in Celle zusammen.

Der Schulleitungsverband (SLVN) fordert für jede Schule eine stellvertretende Leitung, eine didaktische Leitung und eine Verwaltungsassistenz - Schulleiterinnen und Schulleiter sollten außerdem zu höchstens sechs Unterrichtsstunden pro Woche verpflichtet werden dürfen. Insgesamt sollte es mehr Lehrkräfte geben, genauso wie nicht-pädagogisches Personal - etwa Schulsozialarbeiterinnen oder Schulassistenzen. Die seien vor allem für die Grundschulen nötig.

Kultusministerin: Land sei an vielem dran

Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) räumt bei der Tagung ein, dass nicht alle Maßnahmen schnell wirken - einige Aufgaben seien leichter, andere schwerer. Sie beteuert: Das Land sei dran. Im neuen Haushalt plane das Land 1.800 zusätzliche Stellen für Lehrkräfte, 200 weitere für die Schulsozialarbeit. Aber nicht alles gehe auf einmal. Das Land habe außerdem bei Vertretungskräften aufgestockt - denn es nütze nichts, wenn neue Stellen nicht besetzt werden könnnen. Hamburg plant außerdem Bildungsstandards für die Kita - hier müssten verstärkt Grundkompetenzen angebahnt werden.

Verband positioniert sich gegen AfD

Ein wichtiges Thema für Verbandschef Aschern: Das Erstarken der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und den Kommunalwahlen in Niedersachsen. Er begrüße, dass Ministerin Hamburg, das Kultusministerium und die Regionalen Schulbehörden sich klar gegen die AfD positionierten: Demokratieerziehung sei eine gemeinsame Aufgabe, für die die Schulen Ermutigung und Rückhalt aus Politik und Schulaufsicht erführen, so Aschern. Die AfD sei keine Alternative, deren geplante Bildungspolitik sei "volkswirtschaftlich verheerend" und verstoße nicht nur gegen das Grundgesetz, sondern auch gegen internationales Völkerrecht.

Schülerinnen schreiben auf einen Block.

Die Lehrer kritisieren, dass sie nur wenig Zeit für die Korrektur der noch ausstehenden Abi-Klausuren in Niedersachsen haben.

Schülerinnen und Schüler in einer Schulklasse.

Einige Schüler bleiben aus Angst den Unterricht fern. Ein einzigartiges Projekt soll ihnen nun helfen, damit umzugehen.

Eine Lehrerin schreibt eine Mathematikaufgabe auf eine digitale Schultafel.

Zu dem Ergebnis kommt der Philologenverband Niedersachsen. Entlasten könnten vor allem kleinere Schulklassen.

Kinder sitzen in einem Klassenraum und melden sich.

Der Haushaltsentwurf des Kultusministeriums sieht auch weitere Stellen für Sozialarbeiter sowie eine dritte Kraft in Kitas vor.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Niedersachsen 18.00 | 24.09.2026 | 18:00 Uhr

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