Niedersachsens Schulleitungen warnen vor Überlastung
Der Vorsitzende des niedersächsischen Schulleitungsverbands, Matthias Aschern, lobt, was Kultusministerin Julia Willie Hamburg von den Grünen auf den Weg gebracht hat - sieht dabei aber Mehrbelastungen.
Eine höhere Einstiegsbesoldung für Grundschullehrkräfte und Schulleiterinnen, die Reform der Oberstufe, iPads für Schülerinnen und und Schüler der 7. Klassen, mehr Freiräume an den Schulen. Wichtige Erlasse seien erneuert und "durchsaniert" worden - es gibt vieles, was Aschern bei der Herbsttagung des Schulleitungsverbandes am Donnerstag in Celle positiv hervorhebt. Der "Weg der 1.000 Schritte in der Lehrkräfteversorgung" stelle den Verband zwar nicht zufrieden, aber er meint: "Hier hat jemand Grundlagen geschaffen für später."
Innovationen mit Nebenwirkungen
Aschern, der selbst Schulleiter an der IGS Roderbruch in Hannover ist, sieht bei alldem aber auch Nebenwirkungen, wie er in seiner Rede auf der Herbsttagung betont: "Das Innovationstempo und die Eingriffstiefe alles dessen, was ich gerade genannt habe, bildet sich in Arbeitslast auf den Schreibtischen von Schulleiterinnen und Schulleitern ab:" Nach einer Umfrage unter den niedersächsischen Schulleitungen geben 86 Prozent an, zu wenig Zeit zu haben, um ihre Aufgaben zu erledigen - ähnlich viele finden einige ihrer Aufgaben auch unsinnig.
Mehr Personal - an Schulen und in Leitungsbüros
Der Schulleitungsverband (SLVN) fordert für jede Schule eine stellvertretende Leitung, eine didaktische Leitung und eine Verwaltungsassistenz - Schulleiterinnen und Schulleiter sollten außerdem zu höchstens sechs Unterrichtsstunden pro Woche verpflichtet werden dürfen. Insgesamt sollte es mehr Lehrkräfte geben, genauso wie nicht-pädagogisches Personal - etwa Schulsozialarbeiterinnen oder Schulassistenzen. Die seien vor allem für die Grundschulen nötig.
Kultusministerin: Land sei an vielem dran
Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) räumt bei der Tagung ein, dass nicht alle Maßnahmen schnell wirken - einige Aufgaben seien leichter, andere schwerer. Sie beteuert: Das Land sei dran. Im neuen Haushalt plane das Land 1.800 zusätzliche Stellen für Lehrkräfte, 200 weitere für die Schulsozialarbeit. Aber nicht alles gehe auf einmal. Das Land habe außerdem bei Vertretungskräften aufgestockt - denn es nütze nichts, wenn neue Stellen nicht besetzt werden könnnen. Hamburg plant außerdem Bildungsstandards für die Kita - hier müssten verstärkt Grundkompetenzen angebahnt werden.
Verband positioniert sich gegen AfD
Ein wichtiges Thema für Verbandschef Aschern: Das Erstarken der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und den Kommunalwahlen in Niedersachsen. Er begrüße, dass Ministerin Hamburg, das Kultusministerium und die Regionalen Schulbehörden sich klar gegen die AfD positionierten: Demokratieerziehung sei eine gemeinsame Aufgabe, für die die Schulen Ermutigung und Rückhalt aus Politik und Schulaufsicht erführen, so Aschern. Die AfD sei keine Alternative, deren geplante Bildungspolitik sei "volkswirtschaftlich verheerend" und verstoße nicht nur gegen das Grundgesetz, sondern auch gegen internationales Völkerrecht.